Träumen mit Felix

_1022427 (Foto: Klaus-Christian Hirte)
Am Sonntag, 18. Oktober, wurde Felix Berki in einem feierlichen Gottesdienst im reformierten Kirchgemeindehaus „Gässli“ in Magden als neuer Pfarrer in unserer Kirchgemeinde eingesetzt. In seiner Predigt lud er ein, mit ihm zu träumen.
Andreas Fischer,
Während des Theologiestudiums sei er noch unsicher gewesen, ob er wirklich ins Pfarramt wolle, sagte Felix bei der Einleitung in den Gottesdienst. Erst mit fortschreitendem Weg sei er sich darüber im Klaren geworden. Und so gehe heute, mit seiner Einsetzung ins Pfarramt, ein über lange Zeit gewachsener Traum in Erfüllung. Deshalb habe er Träume als Thema für den Anlass gewählt.

Pfarrerin Noemi Breda, Dekanin des Dekanats Brugg, zu dem unsere Kirchgemeinde Region Rheinfelden gehört, nahm das Thema auf. Sie erinnerte an Jesus, der einst anfing zu träumen, von einer Welt, in der alle an einem grossen Tisch sitzen, alle genug zu essen haben und auch Frieden und Liebe. Sie wünschte dem angehenden Pfarrer, dass er sich „zwischen Budgets, Formularen, Gottesdienstplänen, E-Mails und Telefonaten“ seine Träume bewahre. Und sie erinnerte ihn daran, dass auch er selber ein Traum sei, im Sinn der grossen Theologin Dorothee Sölle: „Du hast mich geträumt, Gott, wie ich den aufrechten Gang übe und niederknien lerne, glücklicher, als ich mich traue, freier, als bei uns erlaubt.“ Dann nahm sie Felix das Gelöbnis ab, sein Amt „auf Grund des Evangeliums von Jesus Christus gewissenhaft zu erfüllen“.

Die Einsetzung einer Pfarrperson heisse „auf Kirchendeutsch Installation“, sagte Dekanin Noemi Breda und fuhr lachend fort: „Was das bedeutet, muss ich Ihnen nicht mehr erklären“. Die Gemeinde habe einige Erfahrung damit. Tatsächlich ist Felix schon die dritte Pfarrperson, die in diesem Jahr in unserer Kirchgemeinde „installiert“ worden ist. Alle drei – Laura Klingenberg, Jonas Meier und Felix Berki – spielen Querflöte; bei der Installation von Laura traten sie erstmals gemeinsam auf. Die Resonanz war damals so positiv, dass sie auch diesmal im Nachklang der Einsetzung gemeinsam spielten.

Aufhebung der Zeit bei den Aborigines

Dann predigte der frischgebackene Pfarrer über Psalm 126, in dem das bekannte Sprichwort steht: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten“. Wenn das geschieht, heisst es im Psalm, seien wir „wie Träumende“. Felix erinnerte sich in seiner Kanzelrede an die Australienreise, die er gemeinsam mit seiner Frau Anne-Sophie nach dem Studium unternommen hatte. Dort sei er der Kultur der Aborigines begegnet und deren Traumverständnis, das sich von unserem westlichen durch seine spirituelle Tiefe unterscheide. Man spreche in dem Zusammenhang von „Traumzeit“, wobei sich das spezifische Zeitverständnis der Aborigines gerade dadurch auszeichne, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht getrennt und dass auch innere Träume und äussere Wirklichkeit miteinander verbunden seien.

„Die trennende Vorstellung von Zeit wird spirituell aufgehoben“, sagte Felix, und das wiederum bewirke, dass Träume nicht Schäume seien, sondern ihre Verwirklichung gleichsam vorwegnehmen. In diesem Sinn sei die berühmte Rede „I have a Dream“ zu verstehen, die Martin Luther King 1963 hielt: „Die Aborigines würden sagen: Das Ziel hat schon lange begonnen, weil wir alle auf dem Weg dorthin sind und alles zeitlich-zeitlos miteinander verbunden ist.“

Auch das Sprichwort des Psalms sei in diesem Sinn zu verstehen: „In den Tränen ist schon der Jubel enthalten, in der Saat die Ernte“. Das, schloss Felix, der während seines Studiums in Südafrika mit befreiungstheologischen Ansätzen in Kontakt gekommen ist, sei „ein ermutigendes Bild für alle gesellschaftlichen Befreiungskämpfe, die wir in der Welt führen“.

Kater Nesquik und die Bergziege


„Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe“, heisst ein bekanntes Kirchenlied, welches Felix schon als Kind ans Herz gewachsen war und welches er nun, bei seiner Einsetzung, singen liess. Am Schluss des Gottesdienstes wurde es von einem erweiterten Kreis von Kirchenpflegenden und Mitarbeitenden noch einmal vorgetragen – mit anderem Text. Darin wurden Teamfähigkeit, Freundlichkeit, Gelassenheit des neuen Kollegen gelobt. Es wurde erzählt, dass er wie eine Bergziege die Hügel rund um Magden hochrenne, beim Kochen in der Küche tanze und einen Kater namens „Nesquik“ besitze. Das Magdemer Glockenspiel läute heute besonders fröhlich, hiess es im Lied, und dass man Berki unterstützen wolle, dass er seine Träume wirklich leben könne.

Anschliessend ergriff der Präsident unserer Kirchenpflege, Roland Arnold, das Wort. Er erwähnte die A4-Seite mit Fragen, die ihm Felix kurz nach Amtsantritt zukommen liess. Zunächst sei ihm das anstrengend vorgekommen, doch je mehr er sich darin vertiefte, habe er festgestellt, wie hilfreich das Paper sei, um eingespielte Abläufe zu hinterfragen. „Und ja“, sagte Roland, „damit hast du auch mich zum Träumen gebracht. Zum Träumen, was sein könnte.“ Er freue sich, dass unsere Kirchgemeinde und insbesondere Magden mit Felix „einen so engagierten, präsenten und fragenden Pfarrer gewonnen hat“. Vonseiten des Dorfs wurde Felix „Die Geschichte der Gemeinde Magden“ überreicht – von Dr. Werner Rothweiler, der als Redaktor und Projektleiter an der Entstehung des Buchs wesentlich beteiligt gewesen ist. Der Gottesdienst klang, atmosphärisch passend, aus in „Salut d’Amour“ des britischen Komponisten Edward William Elgar, vorgetragen von der Rheinfelder Cellistin Aline Schnepp, begleitet von Rani Orenstein.

Der gute Hirte


Die Stühle im Kirchgemeindehaus „Gässli“ waren schon weg- und der Apéro schon bereitgestellt, als die Festgemeinde noch einmal zusammengerufen wurde. Felix‘ Vater Achim Kuhn, ebenfalls Pfarrer, sprach ein paar Worte, in denen er insbesondere die Empathie seines Sohnes würdigte, und überreichte ihm dann einen Stich des Schweizer Malers Max Hunziker. Das Werk zeige die biblische Figur des guten Hirten, der sich insbesondere jener Schafe annehme, die irgendwie gebrechlich sind. Das passe zum mitfühlenden Wesen von Felix; der gute Hirte sei aber auch ein Bild für Gott, der ein grosses Herz habe für unsere je eigene Gebrechlichkeit. Er, der Vater, habe das Werk einst von seinem Vikariatsleiter erhalten; nun, kurz bevor er selber in den Ruhestand trete, gebe er es seinem Sohn weiter, der am Anfang seiner beruflichen Laufbahn stehe.

Es war ein bewegender Abschluss des offiziellen Teils, bevor der Apéro mit den einzigartigen Spezialitäten – Kräuterkäserollen mit Gewürztagetes, Couscous mit Olivenkraut, Blätterteigsonnen mit Geissfuss usw. – der Magdemer Botanikerin Christine Bühler definitiv eröffnet wurde.

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Begrüssungsrede von Roland Arnold, Präsident der Kirchenpflege

Lieber Felix,
mit einfachen Worten wurde ich erstmals über deine Person informiert. Damals sagte der Leiter der Pfarrwahlkommission zu mir:
«Wir haben uns entschieden und da meiner Meinung nach eine wirklich gute Wahl getroffen.»
Und was soll ich sagen: Es war nicht zu viel versprochen!
Kaum hatten wir dich im Januar 2026 an der Kirchgemeindeversammlung vorgestellt, warst du bereits in unserer Kirchgemeinde präsent. Man sah dich an Veranstaltungen, in Gottesdiensten und an diversen Sitzungen. Und das jederzeit mit deinem herzlichen Lächeln. Ein Lächeln jeden willkommen heisst und nach meinem Eindruck nur selten dein Gesicht verlässt.
Du bist offenherzig, nahbar und zugänglich für jeden, sodass man meinen könnte, du seist bereits seit Jahren ein fester Bestandteil unserer Kirchgemeinde. Deine Begeisterungsfähigkeit ist ansteckend, und es ist schön zu erleben, mit wie viel Freude und Energie du auf Menschen zugehst.
Ordnungsliebend... Das habe ich durchaus schon kennenlernen dürfen.
Meine ersten richtigen Kontakte mit dir hatte ich aufgrund unzähliger Fragen. Und ja, du hast es tatsächlich schon geschafft, mir eine ganze DinA4-Seite mit Fragen zu schicken, die ich beantworten sollte.
Was im ersten Moment vielleicht etwas anstrengend erschien, hat mir rückblickend ungeahnte Einblicke in die Organisation und die rechtlichen Rahmenbedingungen einer reformierten Kirchgemeinde gewährt. Gleichzeitig konnte ich dadurch Abläufe hinterfragen, Verbesserungsmöglichkeiten erkennen und einen konkreten Nutzen für unsere Kirchgemeinde schaffen. Und ja, damit hast du auch mich zum Träumen gebracht. Zum Träumen was sein könnte.
Deshalb möchte ich dich ausdrücklich bitten: Frage auch in Zukunft weiter! Frage nach, hinterfrage und hake ein – auch dann, wenn wir nicht sofort eine Antwort haben. Denn mit jeder Frage eröffnest du neue Perspektiven und regst uns an, Gewohntes zu überdenken und gemeinsam bessere Wege zu finden. Damit machst du unsere Kirchgemeinde ein kleines Stück besser.
Lieber Felix, du hast mit deiner Präsenz, deiner Offenheit und deiner Neugier bereits erste Träume verbreitet. Du hast gezeigt, dass du unsere Kirchgemeinde nicht nur begleiten, sondern auch kennenlernen und mitgestalten möchtest.
Ich heisse dich im Namen der gesamten Kirchgemeinde herzlich willkommen. Ich freue mich, dass wir und insbesondere Magden mit dir einen so engagierten, präsenten und fragenden Pfarrer gewonnen hat.
Ich wünsche dir weiterhin Freude an den Begegnungen mit den Menschen, Mut für neue Wege und die Zuversicht, dass all deine 1000 Träume in Erfüllung gehen werden.
Lieber Felix, herzlich willkommen in unserer Kirchgemeinde!

Liedli zur Installation von Felix

Einleitung

Liebe Festgemeinde, lieber Felix!

Du kennst das Prozedere von der Installation von Jonas und Laura her: Wir haben uns auch bei dir erlaubt, uns im Vorfeld ein wenig über dich zu informieren. Allerdings weiss man über dich schon viel; du hast dich einmal bei einer Kirchgemeindeversammlung selber vorgestellt. So machten wir uns auf die Suche nach den unbekannten Seiten des Felix Berki – und wir sind fündig geworden.

Die erste Quelle ist Jonas. Felix war, bekanntlich, sein direkter Nachfolger als Vikar am Basler Münster. Als das Vikariat von Jonas endete, waren viele Gemeindeglieder dort traurig. Jonas tröstete sie mit den Worten: «Nach mir kommt einer, der ist noch viel netter als ich!» Und ausserdem trage keine Turnschuhe unter dem Talar.

Tatsächlich war Felix von Kindesbeinen an stilsicher. Das erzählen seine Eltern - sie sind unsere zweite Quelle. Einst fuhr die Präsidentin der Kirchenpflege Adliswil beim Pfarrhaus vor, in dem Felix aufwuchs. Sie holte den Pastor loci ab, den Ortspfarrer, Achim Kuhn, der Vater von Felix. Die Präsidentin fuhr in einem Cabrio vor, ein Saab sei es gewesen. Sie war sehr stolz auf ihr Gefährt und fragte den kleinen Buben, was er davon halte. Felix schaute sie skeptisch an und sagte dann: Also unser Auto hat ein Dach.

Noch eine weitere Geschichte aus der Kindheit von Felix ist uns zu Ohren gekommen: Wenn er von seiner Mutter im Kinderwagen durch das lokale Einkaufszentrum geschoben wurde, sagte er manchmal zu ihr: «Mama, diese Frau oder jenen Mann kennst du!» Und dann wusste er auch gerade noch den Namen der Person, was die Mutter vor der einen oder anderen peinliche Situation bewahrte.

Ein ausgezeichnetes Namensgedächtnis und eine grosse Hilfsbereitschaft – das waren frühe Spuren, in denen sich der spätere berufliche Werdegang von Felix abzeichnete.

Die dritte Quelle, wie könnte es anders sein, ist Anne-Sophie. Als erstes hat sie uns Folgendes berichtet:

«Felix erkundet neue Orte an liebsten durch Joggen. Er ist hier um Magden herum schon auf alle Hügel hochgelaufen, auch zum Sonnenberg. Allgemein rennt er wie eine Bergziege. Wandern mit ihm ist so anstrengend 🙈! Wir müssen ständig alle überholen und ich laufe fluchend hinterher 😅.»

Weiter hat Anne-Sophie uns erzählt, wie Felix in der Küche tanzt, wenn Musik läuft – wobei sich das nicht negativ auf das Resultat, also das Essen, das er kocht, auswirke.

Und ordnungsliebend sei Felix, sehr ordnungsliebend:

«Es ist über die Jahre etwas weniger geworden, aber früher hat er immer alles ganz penibel im rechten Winkel zueinander aufgeräumt, z.B. auch auf dem Nachttisch. Jetzt hat er sich mir etwas angenähert und ich halte dafür etwas mehr Ordnung als früher 😄.»

Und schliesslich noch dies:

«Er ist hoffnungslos in Mathe 😅. Einmal hat er etwas ausrechnen wollen, und dann hat er mit absoluter Überzeugung behauptet, dass das Ergebnis 1000 sei. … Ich musste ich so lachen, weil es einfach grottenfalsch gerechnet war und er aber total stolz auf sein Rechenergebnis war! Seitdem ist das ein running gag zwischen uns: Wenn es darum geht etwas auszurechnen, ist die kurze Antwort spontan 1000 😂»


Es gäbe noch 1000 Anekdoten zu erzählen, über Nesquik zum Beispiel, die Pfarrhauskatze; doch wir sind schon in der Überzeit. Liebe Festgemeinde, wir haben am Anfang des Gottesdienstes «Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe» gesungen. Dieses Lied sei ihm schon als Kind ans Herz gewachsen, hat Felix vorher selber erzählt.

Wir, Mitglieder der Kirchenpflege und Mitarbeitende, singen das Lied nun mit einem anderen Text, in den das eine oder andere eingeflossen ist von dem, was wir gerade eben erzählt haben. Der Text, wie die Vorlage, reimt sich nicht. Das ist irgendwie merkwürdig, aber egal: Lieber Felix, wir singen das Lied von Herzen für dich!

Liedli, zu singen auf RG 700: „Weit wie das Meer“

Heute im Gässli sind wir alle happy,
Fröhlich läutet Magdens Glockenspiel.
Wir heissen dich von Herzen hier willkommen,
Felix, wie toll, dass du jetzt bei uns bist!
Weit wie das Meer sind unsre Arme offen,
Wünsche wie Sterne, tausend an der Zahl!


Felix ist teamfähig, freundlich und gelassen,
stets hilfsbereit, liebt Ordnung, ist genau;
Für die Gemeinde ist‘s ein Glück, ein Segen,
dass du ein Teil von uns geworden bist!
Weit wie das Meer sind unsre Arme offen,
Träume wie Sterne, tausend an der Zahl!

Wir sehn dich tanzend kochen in der Küche,
Berggeissen gleich rennst du zum Dornhof hoch.
Lebe die Freiheit, die dir Gott gegeben,
Atme das Glück, zu leben hier und jetzt!
Weit wie das Meer sind unsre Arme offen,
Träume wie Sterne, tausend an der Zahl!


Du bist schon jetzt „connected with the Village“,
Magden im Herz‘ treibt kleine Wurzeln schon;
Auch Kater Nesquik ist ein Teil der Träume,
Bald kommt ein Hund, ein Tisch steht auch schon da!
Weit wie das Meer sind unsre Arme offen,
Träume wie Sterne, tausend an der Zahl!


Fühlst du dich elend, traurig, hinter Mauern,
denke daran: Du bist hier nicht allein!
Wir sind verbunden, wolln dich unterstützen,
dass du die Träume wirklich leben kannst.
Weit wie das Meer sind unsre Arme offen,
Wünsche wie Sterne, tausend an der Zahl!


Auf deinem Weg behüt dich, lieber Felix,
Gott, Schöpfer, Christus und der Heilge Geist;
Ja, sie, die Ruach, segne dich mit Freude,
Mut und Vertrauen, Gnade, Zuversicht!
Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe,
wie Wind und Wiesen, ewiges Daheim.


Installation Felix Berki
19.10.2026
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Fotograf/-in
Klaus-Christian Hirte, Gitte Niederberger