Verantwortlich für diese Seite: Andreas Fischer
Bereitgestellt: 16.04.2026
Die ersten beiden Kapitel des Lukasevangeliums erzählen Geschichten aus der Frühzeit Johannes' des Täufers und Jesu. In den Text eingewoben sind einige Lieder, die zu den bekanntesten der Bibel gehören («Gloria», «Benedictus», «Magnificat», «Nunc dimittis»).
Andreas Fischer,
Die Kindheitsgeschichten «schildern in legendarischer Form, dass Gott nicht jenseits der Welt verblieb, sondern in ihr reale Gegenwart wurde und darum auch im Leben des Lesers werden will» (Eduard Schweizer).
Von Januar bis Juni absolviert Silja Schreiner bei mir ihr halbjähriges Praktikum in der Mitte des Theologiestudiums. Wir haben uns vorgenommen, während dieses Semesters die Kindheitsgeschichten im Lukasevangelium zusammen anzuschauen – sie zu lesen, zu meditieren, darüber zu sprechen und zu predigen.
In diesem Dossier werden fortlaufend Daten von Anlässen (Bibelteilen und Bildungsabende per Zoom, Taizéfeiern und Gottesdienste) sowie Manuskripte aufgeschaltet, die entstanden sind.
Anlässe:
» Freitag, 17. April, 19.15 Uhr: Taizéfeier (Lobgesang des Simeon: Lk 2, 29-32)
» Sonntag, 26. April, 10 Uhr: Gottesdienst mit dem Gospelchor Rheinfelden (Darbringung im Tempel, Lobgesang des Simeon: Lk 2, 21-40)
» Sonntag, 10. Mai, 10 Uhr: Gottesdienst der Gesamtgemeinde in Rheinfelden (Ankündigung der Geburt des Johannes: Lk 1, 5-25)
» Freitag, 22. Mai, 19.15 Uhr: Taizéfeier (Magnificat: Lk 1, 46-55)
» Freitag, 19. Juni, 19.15 Uhr: Taizéfeier (Benedictus: Lk 1, 68-79)
» Sonntag, 28. Juni, 10 Uhr: Gottesdienst am Schluss des Praktikums (Maria bei Elisabeth; Magnificat: Lk 1, 39-56)
» Sonntag, 12. Juli, 10 Uhr: Gottesdienst der Gesamtgemeinde (Geburt des Johannes; Lobgesang des Zacharias: Lk 1, 57-80)
Texte:
"Kraft des Höchsten wird dich überschatten": Predigt anlässlich des Gottesdienstes mit Vernissage der "indigo"-Ausstellung mit Bildern von Viktor Hottinger
Wir befinden uns in der Osterzeit. Das Wort Ostern leitet sich vom altgermanischen „Ostara“ ab und bedeutet „Morgenröte“. Es ist Morgen und gleich werden wir „Morning has broken“ singen, dieses wunderbare gälische Morgenlied, das durch Cat Stevens berühmt geworden ist.
Doch anschliessend werden wir den Text aus der Bibel hören, in dem der Engel Gabriel Maria die Geburt des Jesuskinds ankündigt – ein Text, den man in der Regel im Advent hört. Zuvor haben wir ein Nocturne gehört; "Nocturne" bedeutet "nächtlich". Und wir sind umgeben von diesen nächtlichen Bildern; hier vorn hängt statt unseres Quilt mit seinen hellen Farben, die so gut in die Osterzeit passen, ein » Triptychon zum „Abendlied“ von Matthias Claudius: „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar“.
Diese Kulisse an einem Sonntagmorgen in der Osterzeit ist überraschend, sie ist verwirrend und löst Denkprozesse aus, ähnlich wie bei Maria in der Geschichte, die wir nachher hören. Dort heisst es: Der Engel grüsst sie mit dem berühmten „Ave“, „gegrüsst seist du, Maria“; und sie, heisst es weiter, „war verwirrt … und sann darüber nach, was dieser Gruss wohl zu bedeuten habe“.
Nun, wir haben jetzt die ganze Osterzeit, fünfzig Tage lang bis Pfingsten Zeit, darüber nachzusinnen, was der Sinn des Abendlieds im Zeichen von Aurora und Ostara, von Morgenröte und Auferstehung sei.
Etwas ist mir aber schon gestern aufgegangen, als ich eine Weile lang allein hier im Raum sass und brütete:
Auf dem mittleren Bild hier vorn steht die Strophe: „Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön“. Wenn man nun aber das Bild anschaut, dann sieht man da einen runden, schönen Vollmond.
Es ist zu vermuten, dass Viktor Hottinger diesen Widerspruch ganz bewusst so ins Bild gesetzt hat. Und auch hier gilt: Der Widerspruch löst einen Denkprozess aus. „Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön“, so heisst die Strophe. Und dann weiter: „So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn“.
Offenbar ist der volle Mond, auch und gerade er, doch nur eine „halbe Sache“, und dahinter, auf der anderen, der dunklen Seite des Monds – dort sind die „Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn“.
Beten wir – und singen anschliessend vom erwähnten Lied bei der Nummer 533 alle drei Strophen.
Gebet
Gott, Ursprung von allem
Im Anbruch dieses Morgens
Stehen wir hier vor dir.
Schon in Eden spielte dein Licht –
lass es leuchten über diesem Tag
Lass es leuchten im ersten Tau auf dem ersten Gras
Lass uns
wie Kinder
ursprünglich werden,
ankommen im Anfang,
wo du bist,
nur du,
Ursprung von allem,
mein Licht, meine Liebe, mein Leben
hab Dank für diesen Tag.
Amen.
Lied: „Morgenlicht leuchtet“ (533, 1-3)
Einleitung:
Am heutigen Morgen, wo Ostern und Weihnachten, Tag und Nacht, Sonnenaufgang und die blaue Stunde vor dem Eindunkeln ineins zusammenfallen, passt es, dass wir, völlig antizyklisch, die Geschichte von der Ankündigung der Geburt Jesu hören.
Anschliessend wird ein Ad hoc-Chor den Gruss des Engels, „Ave Maria“ singen…
Text: Annuntiatio (Lk 1, 26-38)
26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazaret gesandt, 27 zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann aus dem Hause David mit Namen Josef, und der Name der Jungfrau war Maria. 28 Und er trat bei ihr ein und sprach: Sei gegrüsst, du Begnadete, der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über dieses Wort und sann darüber nach, was dieser Gruss wohl zu bedeuten habe. 30 Und der Engel sagte zu ihr:
Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott.
31 Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.
32 Dieser wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden,
und Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben,
33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Da sagte Maria zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich doch von keinem Mann weiss?
35 Und der Engel antwortete ihr:
Heiliger Geist wird über dich kommen,
und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Darum wird auch das Heilige, das gezeugt wird, Sohn Gottes genannt werden.
36 Schau auf Elisabet, deine Verwandte, auch sie hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter; und dies ist der sechste Monat für sie, die doch als unfruchtbar galt. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Da sagte Maria: Ja, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast! Und der Engel verliess sie.
Lied: „Ave Maria“ (Ad hoc-Chor)
Predigt:
Gabriels Gruss im griechischen Urtext ist ein Wortspiel, das nicht wirklich übersetzbar ist: „Heil dir, der Heil widerfahren ist“, heisst es in jenen Übersetzungen, die nahe am Urtext bleiben. „Chere, Kecharitomeni!“, lautet der Gruss auf Griechisch. Das Wort, das in diesem Wortspiel zweimal vorkommt, ist „Charis“, also „Gnade“.
Auf diesem Wort liegt in dieser Geschicht‘ alles Gewicht.
Zuvor im Lukasevangelium wird erzählt, wie derselbe Engel, Gabriel, zu Zacharias geht und ihm die Geburt seines Sohnes, Johannes des Täufers, ankündigt.
Jene Begegnung geschieht im Tempel in Jerusalem, also der Hauptstadt; der Adressat ist ein Priester. Das ist im patriarchalen Welt des antiken Judentums vorstellbar, dass einer solchen Person in so einem Setting ein Engel erscheint – das aber, was nun geschieht, ist unvorstellbar:
Eine rabbinische Regel zu jener Zeit lautete: „Man entbietet einer Frau überhaupt keinen Gruss!“ Dass der Engel eine Frau, und zwar irgendeine Frau in irgendeinem Kaff grüsst, ist ein überraschendes, ja ungeheuerliches Geschehen.
Die ganze Szene betont also das „Gnadenhafte“: Das, was da geschieht, ist unverfügbar. Und das gilt in besonderem Mass für die „Jungfrauengeburt“ bzw. in unserer Geschichte die „jungfräuliche Empfängnis“.
Sie wisse von keinem Manne, heisst es keusch im Urtext. Sie war noch nie mit einem Mann im Bett, heisst es im Bebbi si Biible 😊.
Der deutsche Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann bringt in seinem Kommentar bringt auf interessante Weise zur Sprache, was diese gnadenhafte Jungfrauengeburt bzw. jungfräuliche Empfängnis symbolisch bedeuten könnte, übrigens auch für mich als Mann:
Man neigt, heute vielleicht mehr denn je, dazu, unsere menschliche Existenz mit wissenschaftlichen Parametern zu definieren. Biologen, schreibt Drewermann, sehen uns als Produkt unserer Gene, Soziologen als Resultat gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
Das Symbol der „Jungfrauengeburt“ deutet an, dass wir all das in letzter Konsequenz nicht sind. Unser wahres Wesen ist – unverfügbar, ist einer anderen Dimension verdankt, stammt aus Gott, ist „gratia gratis data“, gratis geschenkte Gnade.
Wir sind, sagt Drewermann mit den alten Glaubensbekenntnissen, „Licht vom Lichte“; es gilt, durch alle gesellschaftlichen Konditionierungen, durch alle Verzerrungen, Verkrümmungen, durch alle Entfremdung hindurch unser Urbild, unser ureigenes Wesen wahrzunehmen, so, wie Gott uns erschaffen hat vor aller Zeit. (alles nach 73 und 77)
Und das geschieht eben in diesem Gruss des Engels: Ich werde angesprochen als der, der ich wirklich bin: „Ave, gegrüsst seist du, Andreas, du bist voll der Gnade; Gott ist mit dir“.
Dieses MIT-SEIN ist eine, vielleicht die zentrale Aussage der Bibel. Im berühmten 23. Psalm zum Beispiel, da heisst es: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, du, Gott, bis MIT MIR“. Einer der Namen von Christus ist Immanuel, das heisst: „Gott MIT UNS“. Und am Schluss des Lukasevangeliums wird Jesus zu dem Verbrecher, der mit ihm gekreuzigt wird, sagen: „Heute wirst du MIT MIR im Paradies sein.“
Im frühen Christentum gab es den schönen Gedanken, dass mit dem Gruss: „Gegrüsst seist du, du bist voll der Gnade, Gott ist mit dir“ --- dass mit diesem Gruss die Zeugung geschah. Und so könnte man sagen: Von der Zeugung bis zum Tod und darüber hinaus bis in Ewigkeit gilt dieses MIT-SEIN: „Gott ist MIT DIR“, sagt der Engel am Anfang; „heute wirst du MIT MIR im Paradies sein“, sagt Christus am Ende des Evangeliums. Es ist eine literarische Klammer, ein Bogen, der sich über das ganze Evangelium spannt, vom MIT-SEIN Gottes am Anfang bis zum MIT-SEIN mit Jesus Christus am Schluss.
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Unser Text aber geht in gewissem Sinn noch weiter, er steigert dieses MIT SEIN bis zur Vereinigung, zur Einswerdung von Gott und Mensch. Der Engel sagt zu Maria:
„Heiliger Geist wird über dich kommen,
und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“
Man vermutet in der Forschung, „im Hintergrund dieser Aussage stehe ein uralter Mythos von der Zeugung des Götterkindes durch den Gott mit einer menschlichen Frau“ (Rengstorff 24). Es könnte also sein, dass in verhüllter Sprache eine geradezu intime Vereinigung von Gott und Mensch angedeutet wird.
Weiter: An einer Stelle in der Bibel, im Buch Exodus, wird erzählt, wie eine Wolke das „Zelt der Begegnung“ überschattet. Das „Zelt der Begegnung“ ist der Ort, in dem Mose mit seinem Gott Zwiesprache hält. In der Wolke ist Gott, ist der göttliche Lichtglanz präsent – doch merkwürdigerweise eben in einer Wolke, die das Licht ja gerade verdunkelt.
Dieselbe Wolke erscheint wieder auf dem Tabor, dem Berg der Verklärung, dort, wo das Angesicht von Jesus Christus leuchtete und seine Kleider weiss wurden, wie kein Färber dieser Welt sie weiss machen kann. Und wieder heisst es, in dieser lichtdurchfluteten Szene, mit demselben Wort wie in unserem Text: „Es kam eine Wolke und überschattete sie“. Auch hier ist die Wolke Symbol der göttlichen Präsenz.
Vor ein paar Tagen haben wir uns im kleinen Kreis über unseren heutigen Text unterhalten. Mehrere haben eingewendet, das sei doch seltsam, dass Gott sich in einer Wolke zeige, die einen in ihren Schatten hüllt. Dunkel und Schatten, das sei doch negativ. Gott hülle einen doch ein in Licht.
Das Thema hat mich die vergangene Nacht hindurch beschäftigt, und dann habe ich eine Antwort gefunden, die ich einleuchtend, geradezu erleuchtend finde.
Sie geht zurück auf Philon von Alexandria, einen jüdisch-hellenistischen Philosophen, der zeitgleich mit Jesus von Nazareth lebte (15 vor bis 40 nach Christus) und für die frühe christliche Theologie von grosser Bedeutung war.
Philon sagt, dass, wenn die göttliche Geistkraft über den Menschen kommt, sich die menschliche Vernunft verdunkelt. Doch genau in dieser Verdunkelung geschieht die Erleuchtung, die unio mystica, die Vereinigung mit Gott. Hören wir ein paar der unfassbar paradoxen Sätze von Philon im Originalton:
«Die Sonne meint symbolisch unseren Geist; was nämlich in uns die Vernunft ist, das ist im Kosmos die Sonne: beide sind Lichtträger, die Sonne sendet Glanz in das All, die Vernunft erleuchtet uns selbst. Solange nun unser Verstand volle Leuchtkraft besitzt, indem er gewissermassen mittägliches Licht in die ganze Seele ergiesst, solange sind wir bei uns selbst und nicht bei Gott. Wenn sich aber der Verstand dem Untergang zuneigt, dann fällt auf uns gotterfüllte Ekstase. Wenn das göttliche Licht aufleuchtet, geht das menschliche unter; wenn jenes untergeht, so taucht dieses empor. … Beim Nahen des göttlichen Geistes wandert der Verstand aus, beim Weggehen des göttlichen Geistes wandert der Verstand wieder ein.» (nach Norden 92ff.)
Vor dem Hintergrund dieser Worte von Philon von Alexandria wird die nächtliche Atmosphäre, die uns hier im Kirchgemeindehaus umgibt, richtig interessant.
Denn wenn das Sonnenlicht vom göttlichen Dunkel «überschattet» wird, dann taucht das wahre Licht, das überlichte, das göttliche Licht auf.
Dasselbe wie für das Sonnenlicht gilt aber auch für das Mondlicht. Nicht nur das Licht der Sonne, auch das Licht des Monds gehört zur äusseren Welt.
Darum, stelle ich mir vor, leuchtet auf dem Bild hier vorn der Vollmond, obwohl es in der entsprechenden Strophe doch heisst, der Mond sei «nur halb zu sehen». Wenn das Mondlicht und das Sonnenlicht und das Verstandeslicht versinken, dann werden sie sichtbar, die «Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn».
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«Spiegel im Spiegel» heisst das grandiose Werk des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Pärt, das Assel jetzt dann gleich spielen wird; Pärt hat es im sogenannten Tintinnabuli-Stil geschrieben. Das lateinische Wort «tintinnabulum» bedeutet «Klingel, Schelle».
Die Musik ist langsam, minimalistisch, extrem reduziert; sie besteht im Wesentlichen aus Tonleitern und Dreiklänge – letztere sind eben die Tintinnabuli-Stimme, die an Klingeln, Schellen, kleine Glocken erinnert. Arvo Pärt entwickelte diesen Stil aus mystischen Einheits-Erfahrungen, die er im Zusammenhang mit dem gregorianischen Kirchengesang hatte.
Und tatsächlich ist das, war Arvo Pärt zu Tintinnabuli sagt, mystisch, geheimnisvoll, rein rational nicht verständlich:
„Bei Tintinnabuli sind die Melodie und die Begleitstimme … eins. Eins und eins ergibt eins – nicht zwei. Das ist das Geheimnis dieser Technik.“
Also: Weihnacht und Ostern, Nacht und Tag, Sonne und Mond werden auf geheimnisvolle Weise eins in dieser Tintinnabuli-Technik. „Coincidentia oppostitorum“ nennt man das in der christlichen Mystik, „Zusammenkommen der Gegensätze“.
Und weiter – und hier vollzieht sich der Übergang zur Malerei – sagt Pärt:
„Ich könnte meine Musik mit weissem Licht vergleichen, in dem alle Farben enthalten sind. Nur ein Prisma kann diese Farben voneinander trennen und sichtbar machen.“
Das Licht der Monds und das Licht der Sonne, sie gehen auf im Tabor-Licht, im Christus-Licht, dem Licht der Auferstehung, das aufstrahlt in unserer Seele, wenn die göttliche Wolke alles Äusserliche überschattet. Im Licht und im Dunkel: Bhüet eus, Gott! Amen.
Zwischenspiel: „Spiegel im Spiegel“ von Arvo Pärt
Kaiseraugst, 12. April
Andreas Fischer
"Sie fanden ihn im Tempel sitzen": Meditation über Lk 2, 46 anlässlich einer Taizéfeier
"Es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte." (Lk 2, 46)
Wie Kinder und Jugendliche in der Antike gelebt haben, ist für uns heute nur noch schwer fassbar. Die wenigen Quellen, die es gibt, zeigen uns, dass Kinder und Jugendliche meist ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie waren:
Sie waren klein, schwach, arm und unmündig.
Sie hatten keine Rechte
und keine Mitsprache
und so bekamen sie oft die Härte ihrer Zeit besonders schlimm zu spüren.
Umso beeindruckender ist das Bild, das Lukas in seinem Evangelium zeichnet.
Unter allen Evangelisten gibt er Kindern den grössten Raum. Sein Jesus preist die Kinder selig und wendet sich ihnen freundlich zu, indem er ihre Krankheiten heilt. Als die Jünger darüber streiten, wer der Grösste unter ihnen sei, stellt Jesus ein Kind direkt neben sich und gibt ihm einen Ehrenplatz.
Plötzlich steht da also ein Kind - jemand, der am kleinsten und geringsten ist – im Mittelpunkt.
Und so ähnlich geschieht es auch in unserer Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel: „Es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte.“
Ich stelle mir das so vor:
Jesus ist aufgeregt, er will lernen und mitreden und er ist zwölf Jahre alt. Und Jesus ist mitten im Tempel in Jerusalem.
Jesus ist dort, wo alle zusammen kommen, um Gott zu begegnen.
Über den Tempel sollte man vielleicht wissen, dass Herodes der Grosse gut dreissig Jahre zuvor einen gewaltigen Umbau angeordnet hatte. Nach Jahrzehnten war der Tempel das grösste sakrale Bauwerk der antiken Welt - grösser als die Akropolis in Athen und grösser als das Pantheon in Rom.
Und dort, in diesem gewaltigen Bau, mitten unter den Lehrern, sitzt ein Kind.
Gegenüber dem glanzvollen, prächtigen Tempel, und der Weisheit der Schriftgelehrten kann das Kind nur unscheinbar wirken. Die Szene im Tempel ist für mich deshalb auch ein Sinnbild für die Ansprüche unserer heutigen Zeit: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die von uns abverlangt immer grösser, stärker, reicher und selbstbestimmter zu werden.
Wir sollen ständig mehr geben, als was wir jetzt schon sind.
Und manchmal gelingt uns das sogar. Manchmal wachsen wir über uns selbst hinaus.
Doch um welchen Preis?
Besteht nicht die Gefahr, dass wir uns in alledem selbst verlieren?
Mitten im Tempel, mitten unter den Lehrern,
mitten in dem Verlangen – in der Begierde – allen Ansprüchen gerecht zu werden,
ausgerechnet dort, wo alle zusammen kommen, um Gott zu begegnen, bleibt das Kind einfach sitzen.
Vielleicht weil das Kind dort etwas spürt, was es eigentlich längst schon weiss:
Vor Gott darf das Kind – auch das innere Kind in uns – einfach sein. Denn Gott gibt gerade dem kleinen, schwachen, armen, unmündigen Kind einen Ehrenplatz in seinem Herzen.
«Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind»: Wir singen das Lied 32
Kaiseraugst, 13.2.2026
Silja Schreiner
Der zwölfjährige Jesus im Tempel: Predigt über Lk 2, 41-52
Einleitung:
Vor kurzem haben zwei tibetische Mönche in unserem Kirchgemeindehaus in Kaiseraugst ein Sandmandala gestreut – diese Sandmandala-Projekte, die auch schon in Magden stattgefunden haben, werden jeweils vom Schulverein Lo-Manthang organisiert, den unser Magdemer Gemeindeglied Sonngard Trindler einst ins Leben gerufen und viele Jahr präsidiert hat.
Ein Sandmandala, haben die tibetischen Mönche mir erklärt, ist ein Palast, der für die Gottheit gebaut wird, der dann da einzieht.
Auch Kirchen sind Gotteshäuser, sie werden gebaut, dass Gott darin wohnt. Dasselbe galt zur Zeit von Jesus für den Tempel, das grosse Gotteshaus in Jerusalem. Dort wohnte Gott, und deshalb zog es Jesus schon als 12-jährigen Buben unwiderstehlich dorthin.
Wir hören die Geschichte, wie Jesus als Zwölfjähriger den Tempel besucht. Sie steht im Lukasevangelium im 2. Kapitel und wird gelesen von NN.
Anschliessend singen wir das Lied: «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit». Normalerweise singt man dieses Lied in der Weihnachtszeit. Doch es passt auch zu diesem Gottesdienst. Das Lied erzählt davon, wie der Heiland in den Tempel einzieht – wobei der Tempel nicht nur ein äusseres Gebäude meint, sondern auch mein Herz. Möge Gott also einziehen in unsere Herzen und Seelen am heutigen Morgen!
Text: Lukas 2, 41-52
41 Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem. 42 Auch als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf, wie es an diesem Fest der Brauch war, 43 und verbrachten die Tage dort. Als sie heimkehrten, da blieb der junge Jesus in Jerusalem zurück, und seine Eltern merkten es nicht. 44 Da sie meinten, er befinde sich unter den Reisenden, gingen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn zu suchen. 46 Und es geschah nach drei Tagen, dass sie ihn fanden, wie er im Tempel mitten unter den Lehrern sass und ihnen zuhörte und Fragen stellte. 47 Alle aber, die ihn hörten, waren verblüfft über seinen Verstand und seine Antworten. 48 Als sie ihn sahen, waren sie bestürzt, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49 Und er sagte zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss? 50 Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51 Und er zog mit ihnen hinab, zurück nach Nazaret, und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 52 Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.
Lied: «Macht hoch die Tür» (363, 1.4.5)
Predigt:
Am Anfang unserer Geschichte heisst es:
«Als Jesus zwölf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm hinauf nach Jerusalem zum Passafest.»
Und am Schluss heisst es:
«Er zog mit ihnen hinab, zurück nach Nazaret, und war ihnen gehorsam.»
Sie zogen hinauf, er zog mit ihnen hinab – so heisst es am Anfang und am Ende der Geschichte.
Die Worte haben geografische Bedeutung: Jerusalem, die Stadt auf dem Berg, liegt oben, es ist ein Aufstieg dorthin, und der Weg zurück nach Nazareth vollzieht sich als Abstieg.
Zugleich haben die beiden Worte eine spirituelle Bedeutung. Der Aufstieg meint auch den Aufstieg der Seele zu Gott, und der Abstieg meint den Weg aus dem göttlichen Bereich zurück hinein in den Alltag.
Zwölf Jahre ist Jesus alt, als er den Aufstieg vollzieht. Es ist im Judentum der Übergang ins Erwachsenenalter, bald wird Jesus Bar Mizwa feiern, bei uns wäre das die Konfirmation; hier, bei diesem rite de passage, diesem Übergangsritus, kommt es zum Konflikt zwischen dem Sohn und den Eltern.
Diesen Konflikt thematisiert der bekannte zeitgenössische Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann in seinem Kommentar zu unserer Geschichte.
Die «heilige Familie», schreibt er mit bissigem Humor, sei nicht gerade «Kronzeuge einer heilen Welt». Das Gegenteil sei der Fall, und dies mit einer inneren Notwendigkeit:
«Eine solche Familienidylle gibt es nicht, ja, um des Heiligen willen darf es sie gar nicht geben. Die Geschichte von dem 12-jährigen Jesus zeigt uns ein Bild voller Widersprüche, Gegensätze und menschlicher Unverträglichkeiten, offenbar um in einer verdichteten Szene zu demonstrieren, was für das Leben eines jeden Menschen gilt, wenn er erwachsen werden will: um zu sich selbst zu finden, muss er in gewissem Sinne zu Gott hinfinden.» (nach Drewermann, Kommentar 155)
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Also: Das Passafest ist zu Ende, die Eltern machen sich zusammen mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern von Galiläa in einer Wallfahrtskarawane auf den Heimweg. Jesus vermuten sie bei irgendwelchen Verwandten und Bekannten. Doch am Abend, nach einer Tagreise von ca. 30-40 Kilometern, stellen sie mit Schrecken fest, dass ihr Bub verlorengegangen ist.
Drei Tage suchen sie ihn. Es bleibt offen, ob die Reisetage der Eltern darin inbegriffen sind, oder ob sie ihn drei Tage lang in Jerusalem suchen.
Doch das spielt keine Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass in der christlichen Tradition die Zahl drei symbolische Bedeutung hat. Sie verweist auf die Zeit zwischen dem Tod und der Auferstehung des Christus am dritten Tag. Die Zeit, in der Christus hinabgestiegen ist in die Unterwelt, die auch den Abstieg in die unterbewussten Bereiche der Seele symbolisiert. Es ist eine Zeit der Wandlung auf tiefster Ebene.
Eugen Drewermann weist darauf hin, dass der Tempel und jeder sakrale Raum eine Art Mutterschoss symbolisiert, in dem sich der Prozess einer neuen Geburt, ein Neuwerden aus dem Ursprung heraus vollzieht:
«Der Raum des Tempels steht als symbolisches Bild für den Mutterschoss, den ‘Ort’ der neuen Geburt im Terrain eines absoluten Seindürfens vor Gott. In den Riten der Stammeskulturen entsprechen dem ‘Tempel’ die Initiationshütten, die man wegen ihrer Grösse und Schönheit zu Recht als ‘Kathedralen der Steinzeit’ bezeichnet hat.» (A19)
Als nach drei Tagen die Eltern ihr Kind endlich finden, dort, im Tempel, waren sie bestürzt, heisst es, und seine Mutter sagte zu ihm:
«Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.»
Die Formulierung ist auffällig: «Dein Vater und ich». Josef kommt im Lukasevangelium sonst nirgends aus der Rolle des Statisten heraus. Er bleibt durchwegs stumm, überlässt Maria das Reden; und was mit ihm später geschieht, das wissen wir nicht – das Lukasevangelium, heisst es in einem Kommentar pointiert, habe eine «Tendenz zur Ausschaltung des Josef» (P61).
Doch hier steht er betont am Anfang: «Dein Vater und ich», sagt Maria. Warum diese Formulierung gewählt ist, zeigt sich gleich anschliessend in der Antwort von Jesus.
Sie bildet den Höhepunkt der Geschichte. Es sind die allerersten Worte aus dem Mund von Jesus Christus gemäss dem Lukasevangelium:
«Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?»
Auch Jesus spricht vom «Vater», doch ist es nicht der leibliche Vater, sondern der Vater im Himmel, es ist Gott, den er meint. Von Gott war zuvor schon mehrmals die Rede in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums. Doch hier, in den ersten Worten Jesu, wird Gott erstmals als Vater bezeichnet.
Jesus hat seinen Gott bekanntlich «Abba» genannt. Abba ist ein Lallwort wie Mamma und Papa. Ein Urwort, das ganz am Anfang des Spracherwerbs steht.
Wenn wir Gott als Abba ansprechen, kehren wir auf diese ursprüngliche Ebene zurück, wo nichts die Beziehung verstellt, wo Ich und Du noch nicht getrennt, noch tief verbunden, noch eins sind.
Auf dieser ursprünglichen Ebene ist Jesus mit seinem Gott verbunden im Tempel. Und in dieser Verbundenheit vollzieht sich die Ablösung von allem anderen, auch und sogar von seinen Eltern, die er zweifellos zutiefst liebte.
Drewermann beschreibt diese tiefgreifende Transformation, die in den drei Tagen im Tempel geschieht, mit den folgenden Worten:
«Die seelische Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen besteht darin, den Archetyp des Vaters und der Mutter von den individuellen Elterngestalten der persönlichen Biografie abzulösen und im Absoluten, in Gott festzumachen. Das Kindwerden vor Gott ist die Voraussetzung für das Erwachsenwerden vor den Menschen.» (nach A19)
Das ist die grosse Wandlung, die grosse Transformation, die mit Jesus geschieht, hier im Heiligtum, das einem Mutterschoss gleicht, im Bereich des Abba, im Tempel.
Allerdings: Jesus selber prophezeite später in seinem Leben, dass dieser Tempel einst zerstört würde. Und so kam es. Im Jahr 70 nach Christus wurde der Tempel in Jerusalem von den Römern dem Erdboden gleich gemacht.
Und das Mandala, das die tibetischen Mönche bei uns im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst streuten, wurde nach seiner Fertigstellung in einer eindrücklichen Zeremonie von den beiden Mönchen selber kaputtgemacht; es wurde zusammengewischt, und der Sand wurde in den Rhein gestreut. Was hat das zu bedeuten?
Es bedeutet, glaube ich, dass der Weg der Selbstwerdung zletscht am Änd ein innerer ist. Er kann sich an keine Kirche binden, so gross und erhaben sie auch sein mag. Er kann sich an kein Mandala binden, so kunstvoll und schön es auch gestaltet sein mag.
Der Weg der Selbstwerdung ist ein innerer, der immer über Loslassen von äusseren «Kirchen» und «Mandalas», von Bildern, Vorstellungen, Konzepten verläuft.
Darum heisst es in dem Lied, das wir vorher gesungen haben, wir sollen unser Herz zum Tempel bereiten. Wir sollen Tor und Tür unseres Herzens wie die Tore und Türen einer Kirche öffnen, dass Gott da einzieht, dass Gott in meinem Herzen Wohnung nimmt.
Das Herz, mein Innerstes, mein Zentrum ist also der Tempel. Es wird in diesem Prozess der Selbstwerdung zum Ort, an dem Gott wohnt, wo mein Wesen und das Wesen Gottes zusammenkommen, deckungsgleich werden, eins werden.
Im Jahr 70 n.Chr. ist der Tempel in Jerusalem zerstört worden. In eben jenem Jahr ist zum ersten Mal ein neues Wort für Gott nachweisbar, das später in der Kabbala, der jüdischen Mystik grosse Bedeutung erlangt hat.
«Schechina» heisst dieses Wort, was «Einwohnung» bedeutet. «Schechina» ist ein weibliches Wort – Schechina ist die Gottheit, insofern sie nicht hoch oben in einem fernen Himmel thront, sondern unter uns wohnt, in meinem Herzen wohnt, in diesem Kirchenraum, unter uns, in allen Wesen der Welt wohnt.
Man sagt, «Schechina» sei ein anderes Wort für den Heiligen Geist, der in der hebräischen Ursprache ja ebenfalls weiblich ist: «Ruach», die göttliche Geistkraft.
«Schechina, boi kala», «Schechina, Einwohnung, komm, Braut», so heisst das Lied, das nun ein kleiner Chor singt.
Chant: «Schechina»
Wir sind mit Jesus aufgestiegen nach Jerusalem, in den Tempel, in den göttlichen Bereich, die Einheit, Vereinigung mit Gott. Das war die Bewegung des Aufstiegs. Ganz am Schluss unserer Geschichte vollzieht Jesus die umgekehrte Bewegung, jene des Abstiegs:
Er zog mit ihnen hinab, zurück nach Nazaret, und war ihnen gehorsam.
Der Abstieg ist, könnte man sagen, die Bewegung der Passionszeit: Christus steigt hinab bis in die tiefsten Tiefen, bin hinein in Folter, Kreuz und Tod. - Wir sind nicht allein, nie, auch dort unten nicht: Das ist die zentrale Botschaft der Passionszeit, die mit dem Aschermittwoch angefangen hat.
Auch in Charkiw und Chan Yunis und Al-Faschir sind die Menschen nicht allein und auch die Tiere nicht und auch die aussterbenden Tier- und Pflanzenarten nicht auf unserer gequälten Erde nicht.
Die Botschaft des Abstiegs Jesu nach seiner Erfahrung im Tempel ist eine Variation dieser Botschaft der Passionszeit:
Wir sind nicht allein auch in unserem Alltag mit seinen Abläufen, seinen Rhythmen, seiner Mühsal zuweilen. Es kann langweilig sein, zäh, vielleicht ist man erschöpft, vielleicht von chronischen Schmerzen gezeichnet, vielleicht steckt man in Konflikten, privat, am Arbeitsplatz; manchmal sieht man kein Licht am Ende des Tunnels.
Mein hochverehrter Lehrer für Neues Testament, Eduard Schweizer, hat in seinem Kommentar zum Lukasevangelium das Alltagsleben der Familie von Jesus nicht ohne Humor geschildert als Existenz in einem miefigen «orientalischen Kleinstädtchen, in dem es ausser dem Sabbat-Gottesdienst, dem Unterricht in der Synagoge und einem jährlichen Pilgerzug keine Abwechslung gibt.»
Eben da ordnet sich Jesus ein und unter. Und eben so, heisst es, wächst er an ‘Weisheit und Gnade’. «Offenbar», schreibt Schweizer sinngemäss, «geschieht dieses Wachstum an Weisheit und Gnade auch und gerade in einem solchen einfachen, unauffälligen und scheinbar bedeutungslosen Leben, «wo Gott für sein Wirken Zeit gegeben wird.» (frei nach 45)
Geben wir der Schechina Zeit für ihr Wirken. In Aufstieg und Abstieg bhüet eus, Gott! Amen.
Rheinfelden, 22. Februar 2026
Andreas Fischer
Von Januar bis Juni absolviert Silja Schreiner bei mir ihr halbjähriges Praktikum in der Mitte des Theologiestudiums. Wir haben uns vorgenommen, während dieses Semesters die Kindheitsgeschichten im Lukasevangelium zusammen anzuschauen – sie zu lesen, zu meditieren, darüber zu sprechen und zu predigen.
In diesem Dossier werden fortlaufend Daten von Anlässen (Bibelteilen und Bildungsabende per Zoom, Taizéfeiern und Gottesdienste) sowie Manuskripte aufgeschaltet, die entstanden sind.
Anlässe:
» Freitag, 17. April, 19.15 Uhr: Taizéfeier (Lobgesang des Simeon: Lk 2, 29-32)
» Sonntag, 26. April, 10 Uhr: Gottesdienst mit dem Gospelchor Rheinfelden (Darbringung im Tempel, Lobgesang des Simeon: Lk 2, 21-40)
» Sonntag, 10. Mai, 10 Uhr: Gottesdienst der Gesamtgemeinde in Rheinfelden (Ankündigung der Geburt des Johannes: Lk 1, 5-25)
» Freitag, 22. Mai, 19.15 Uhr: Taizéfeier (Magnificat: Lk 1, 46-55)
» Freitag, 19. Juni, 19.15 Uhr: Taizéfeier (Benedictus: Lk 1, 68-79)
» Sonntag, 28. Juni, 10 Uhr: Gottesdienst am Schluss des Praktikums (Maria bei Elisabeth; Magnificat: Lk 1, 39-56)
» Sonntag, 12. Juli, 10 Uhr: Gottesdienst der Gesamtgemeinde (Geburt des Johannes; Lobgesang des Zacharias: Lk 1, 57-80)
Texte:
"Kraft des Höchsten wird dich überschatten": Predigt anlässlich des Gottesdienstes mit Vernissage der "indigo"-Ausstellung mit Bildern von Viktor Hottinger
Wir befinden uns in der Osterzeit. Das Wort Ostern leitet sich vom altgermanischen „Ostara“ ab und bedeutet „Morgenröte“. Es ist Morgen und gleich werden wir „Morning has broken“ singen, dieses wunderbare gälische Morgenlied, das durch Cat Stevens berühmt geworden ist.
Doch anschliessend werden wir den Text aus der Bibel hören, in dem der Engel Gabriel Maria die Geburt des Jesuskinds ankündigt – ein Text, den man in der Regel im Advent hört. Zuvor haben wir ein Nocturne gehört; "Nocturne" bedeutet "nächtlich". Und wir sind umgeben von diesen nächtlichen Bildern; hier vorn hängt statt unseres Quilt mit seinen hellen Farben, die so gut in die Osterzeit passen, ein » Triptychon zum „Abendlied“ von Matthias Claudius: „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar“.
Diese Kulisse an einem Sonntagmorgen in der Osterzeit ist überraschend, sie ist verwirrend und löst Denkprozesse aus, ähnlich wie bei Maria in der Geschichte, die wir nachher hören. Dort heisst es: Der Engel grüsst sie mit dem berühmten „Ave“, „gegrüsst seist du, Maria“; und sie, heisst es weiter, „war verwirrt … und sann darüber nach, was dieser Gruss wohl zu bedeuten habe“.
Nun, wir haben jetzt die ganze Osterzeit, fünfzig Tage lang bis Pfingsten Zeit, darüber nachzusinnen, was der Sinn des Abendlieds im Zeichen von Aurora und Ostara, von Morgenröte und Auferstehung sei.
Etwas ist mir aber schon gestern aufgegangen, als ich eine Weile lang allein hier im Raum sass und brütete:
Auf dem mittleren Bild hier vorn steht die Strophe: „Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön“. Wenn man nun aber das Bild anschaut, dann sieht man da einen runden, schönen Vollmond.
Es ist zu vermuten, dass Viktor Hottinger diesen Widerspruch ganz bewusst so ins Bild gesetzt hat. Und auch hier gilt: Der Widerspruch löst einen Denkprozess aus. „Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön“, so heisst die Strophe. Und dann weiter: „So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn“.
Offenbar ist der volle Mond, auch und gerade er, doch nur eine „halbe Sache“, und dahinter, auf der anderen, der dunklen Seite des Monds – dort sind die „Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn“.
Beten wir – und singen anschliessend vom erwähnten Lied bei der Nummer 533 alle drei Strophen.
Gebet
Gott, Ursprung von allem
Im Anbruch dieses Morgens
Stehen wir hier vor dir.
Schon in Eden spielte dein Licht –
lass es leuchten über diesem Tag
Lass es leuchten im ersten Tau auf dem ersten Gras
Lass uns
wie Kinder
ursprünglich werden,
ankommen im Anfang,
wo du bist,
nur du,
Ursprung von allem,
mein Licht, meine Liebe, mein Leben
hab Dank für diesen Tag.
Amen.
Lied: „Morgenlicht leuchtet“ (533, 1-3)
Einleitung:
Am heutigen Morgen, wo Ostern und Weihnachten, Tag und Nacht, Sonnenaufgang und die blaue Stunde vor dem Eindunkeln ineins zusammenfallen, passt es, dass wir, völlig antizyklisch, die Geschichte von der Ankündigung der Geburt Jesu hören.
Anschliessend wird ein Ad hoc-Chor den Gruss des Engels, „Ave Maria“ singen…
Text: Annuntiatio (Lk 1, 26-38)
26 Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazaret gesandt, 27 zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann aus dem Hause David mit Namen Josef, und der Name der Jungfrau war Maria. 28 Und er trat bei ihr ein und sprach: Sei gegrüsst, du Begnadete, der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über dieses Wort und sann darüber nach, was dieser Gruss wohl zu bedeuten habe. 30 Und der Engel sagte zu ihr:
Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott.
31 Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben.
32 Dieser wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden,
und Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben,
33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Da sagte Maria zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich doch von keinem Mann weiss?
35 Und der Engel antwortete ihr:
Heiliger Geist wird über dich kommen,
und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Darum wird auch das Heilige, das gezeugt wird, Sohn Gottes genannt werden.
36 Schau auf Elisabet, deine Verwandte, auch sie hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter; und dies ist der sechste Monat für sie, die doch als unfruchtbar galt. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Da sagte Maria: Ja, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast! Und der Engel verliess sie.
Lied: „Ave Maria“ (Ad hoc-Chor)
Predigt:
Gabriels Gruss im griechischen Urtext ist ein Wortspiel, das nicht wirklich übersetzbar ist: „Heil dir, der Heil widerfahren ist“, heisst es in jenen Übersetzungen, die nahe am Urtext bleiben. „Chere, Kecharitomeni!“, lautet der Gruss auf Griechisch. Das Wort, das in diesem Wortspiel zweimal vorkommt, ist „Charis“, also „Gnade“.
Auf diesem Wort liegt in dieser Geschicht‘ alles Gewicht.
Zuvor im Lukasevangelium wird erzählt, wie derselbe Engel, Gabriel, zu Zacharias geht und ihm die Geburt seines Sohnes, Johannes des Täufers, ankündigt.
Jene Begegnung geschieht im Tempel in Jerusalem, also der Hauptstadt; der Adressat ist ein Priester. Das ist im patriarchalen Welt des antiken Judentums vorstellbar, dass einer solchen Person in so einem Setting ein Engel erscheint – das aber, was nun geschieht, ist unvorstellbar:
Eine rabbinische Regel zu jener Zeit lautete: „Man entbietet einer Frau überhaupt keinen Gruss!“ Dass der Engel eine Frau, und zwar irgendeine Frau in irgendeinem Kaff grüsst, ist ein überraschendes, ja ungeheuerliches Geschehen.
Die ganze Szene betont also das „Gnadenhafte“: Das, was da geschieht, ist unverfügbar. Und das gilt in besonderem Mass für die „Jungfrauengeburt“ bzw. in unserer Geschichte die „jungfräuliche Empfängnis“.
Sie wisse von keinem Manne, heisst es keusch im Urtext. Sie war noch nie mit einem Mann im Bett, heisst es im Bebbi si Biible 😊.
Der deutsche Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann bringt in seinem Kommentar bringt auf interessante Weise zur Sprache, was diese gnadenhafte Jungfrauengeburt bzw. jungfräuliche Empfängnis symbolisch bedeuten könnte, übrigens auch für mich als Mann:
Man neigt, heute vielleicht mehr denn je, dazu, unsere menschliche Existenz mit wissenschaftlichen Parametern zu definieren. Biologen, schreibt Drewermann, sehen uns als Produkt unserer Gene, Soziologen als Resultat gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
Das Symbol der „Jungfrauengeburt“ deutet an, dass wir all das in letzter Konsequenz nicht sind. Unser wahres Wesen ist – unverfügbar, ist einer anderen Dimension verdankt, stammt aus Gott, ist „gratia gratis data“, gratis geschenkte Gnade.
Wir sind, sagt Drewermann mit den alten Glaubensbekenntnissen, „Licht vom Lichte“; es gilt, durch alle gesellschaftlichen Konditionierungen, durch alle Verzerrungen, Verkrümmungen, durch alle Entfremdung hindurch unser Urbild, unser ureigenes Wesen wahrzunehmen, so, wie Gott uns erschaffen hat vor aller Zeit. (alles nach 73 und 77)
Und das geschieht eben in diesem Gruss des Engels: Ich werde angesprochen als der, der ich wirklich bin: „Ave, gegrüsst seist du, Andreas, du bist voll der Gnade; Gott ist mit dir“.
Dieses MIT-SEIN ist eine, vielleicht die zentrale Aussage der Bibel. Im berühmten 23. Psalm zum Beispiel, da heisst es: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, du, Gott, bis MIT MIR“. Einer der Namen von Christus ist Immanuel, das heisst: „Gott MIT UNS“. Und am Schluss des Lukasevangeliums wird Jesus zu dem Verbrecher, der mit ihm gekreuzigt wird, sagen: „Heute wirst du MIT MIR im Paradies sein.“
Im frühen Christentum gab es den schönen Gedanken, dass mit dem Gruss: „Gegrüsst seist du, du bist voll der Gnade, Gott ist mit dir“ --- dass mit diesem Gruss die Zeugung geschah. Und so könnte man sagen: Von der Zeugung bis zum Tod und darüber hinaus bis in Ewigkeit gilt dieses MIT-SEIN: „Gott ist MIT DIR“, sagt der Engel am Anfang; „heute wirst du MIT MIR im Paradies sein“, sagt Christus am Ende des Evangeliums. Es ist eine literarische Klammer, ein Bogen, der sich über das ganze Evangelium spannt, vom MIT-SEIN Gottes am Anfang bis zum MIT-SEIN mit Jesus Christus am Schluss.
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Unser Text aber geht in gewissem Sinn noch weiter, er steigert dieses MIT SEIN bis zur Vereinigung, zur Einswerdung von Gott und Mensch. Der Engel sagt zu Maria:
„Heiliger Geist wird über dich kommen,
und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“
Man vermutet in der Forschung, „im Hintergrund dieser Aussage stehe ein uralter Mythos von der Zeugung des Götterkindes durch den Gott mit einer menschlichen Frau“ (Rengstorff 24). Es könnte also sein, dass in verhüllter Sprache eine geradezu intime Vereinigung von Gott und Mensch angedeutet wird.
Weiter: An einer Stelle in der Bibel, im Buch Exodus, wird erzählt, wie eine Wolke das „Zelt der Begegnung“ überschattet. Das „Zelt der Begegnung“ ist der Ort, in dem Mose mit seinem Gott Zwiesprache hält. In der Wolke ist Gott, ist der göttliche Lichtglanz präsent – doch merkwürdigerweise eben in einer Wolke, die das Licht ja gerade verdunkelt.
Dieselbe Wolke erscheint wieder auf dem Tabor, dem Berg der Verklärung, dort, wo das Angesicht von Jesus Christus leuchtete und seine Kleider weiss wurden, wie kein Färber dieser Welt sie weiss machen kann. Und wieder heisst es, in dieser lichtdurchfluteten Szene, mit demselben Wort wie in unserem Text: „Es kam eine Wolke und überschattete sie“. Auch hier ist die Wolke Symbol der göttlichen Präsenz.
Vor ein paar Tagen haben wir uns im kleinen Kreis über unseren heutigen Text unterhalten. Mehrere haben eingewendet, das sei doch seltsam, dass Gott sich in einer Wolke zeige, die einen in ihren Schatten hüllt. Dunkel und Schatten, das sei doch negativ. Gott hülle einen doch ein in Licht.
Das Thema hat mich die vergangene Nacht hindurch beschäftigt, und dann habe ich eine Antwort gefunden, die ich einleuchtend, geradezu erleuchtend finde.
Sie geht zurück auf Philon von Alexandria, einen jüdisch-hellenistischen Philosophen, der zeitgleich mit Jesus von Nazareth lebte (15 vor bis 40 nach Christus) und für die frühe christliche Theologie von grosser Bedeutung war.
Philon sagt, dass, wenn die göttliche Geistkraft über den Menschen kommt, sich die menschliche Vernunft verdunkelt. Doch genau in dieser Verdunkelung geschieht die Erleuchtung, die unio mystica, die Vereinigung mit Gott. Hören wir ein paar der unfassbar paradoxen Sätze von Philon im Originalton:
«Die Sonne meint symbolisch unseren Geist; was nämlich in uns die Vernunft ist, das ist im Kosmos die Sonne: beide sind Lichtträger, die Sonne sendet Glanz in das All, die Vernunft erleuchtet uns selbst. Solange nun unser Verstand volle Leuchtkraft besitzt, indem er gewissermassen mittägliches Licht in die ganze Seele ergiesst, solange sind wir bei uns selbst und nicht bei Gott. Wenn sich aber der Verstand dem Untergang zuneigt, dann fällt auf uns gotterfüllte Ekstase. Wenn das göttliche Licht aufleuchtet, geht das menschliche unter; wenn jenes untergeht, so taucht dieses empor. … Beim Nahen des göttlichen Geistes wandert der Verstand aus, beim Weggehen des göttlichen Geistes wandert der Verstand wieder ein.» (nach Norden 92ff.)
Vor dem Hintergrund dieser Worte von Philon von Alexandria wird die nächtliche Atmosphäre, die uns hier im Kirchgemeindehaus umgibt, richtig interessant.
Denn wenn das Sonnenlicht vom göttlichen Dunkel «überschattet» wird, dann taucht das wahre Licht, das überlichte, das göttliche Licht auf.
Dasselbe wie für das Sonnenlicht gilt aber auch für das Mondlicht. Nicht nur das Licht der Sonne, auch das Licht des Monds gehört zur äusseren Welt.
Darum, stelle ich mir vor, leuchtet auf dem Bild hier vorn der Vollmond, obwohl es in der entsprechenden Strophe doch heisst, der Mond sei «nur halb zu sehen». Wenn das Mondlicht und das Sonnenlicht und das Verstandeslicht versinken, dann werden sie sichtbar, die «Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn».
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«Spiegel im Spiegel» heisst das grandiose Werk des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Pärt, das Assel jetzt dann gleich spielen wird; Pärt hat es im sogenannten Tintinnabuli-Stil geschrieben. Das lateinische Wort «tintinnabulum» bedeutet «Klingel, Schelle».
Die Musik ist langsam, minimalistisch, extrem reduziert; sie besteht im Wesentlichen aus Tonleitern und Dreiklänge – letztere sind eben die Tintinnabuli-Stimme, die an Klingeln, Schellen, kleine Glocken erinnert. Arvo Pärt entwickelte diesen Stil aus mystischen Einheits-Erfahrungen, die er im Zusammenhang mit dem gregorianischen Kirchengesang hatte.
Und tatsächlich ist das, war Arvo Pärt zu Tintinnabuli sagt, mystisch, geheimnisvoll, rein rational nicht verständlich:
„Bei Tintinnabuli sind die Melodie und die Begleitstimme … eins. Eins und eins ergibt eins – nicht zwei. Das ist das Geheimnis dieser Technik.“
Also: Weihnacht und Ostern, Nacht und Tag, Sonne und Mond werden auf geheimnisvolle Weise eins in dieser Tintinnabuli-Technik. „Coincidentia oppostitorum“ nennt man das in der christlichen Mystik, „Zusammenkommen der Gegensätze“.
Und weiter – und hier vollzieht sich der Übergang zur Malerei – sagt Pärt:
„Ich könnte meine Musik mit weissem Licht vergleichen, in dem alle Farben enthalten sind. Nur ein Prisma kann diese Farben voneinander trennen und sichtbar machen.“
Das Licht der Monds und das Licht der Sonne, sie gehen auf im Tabor-Licht, im Christus-Licht, dem Licht der Auferstehung, das aufstrahlt in unserer Seele, wenn die göttliche Wolke alles Äusserliche überschattet. Im Licht und im Dunkel: Bhüet eus, Gott! Amen.
Zwischenspiel: „Spiegel im Spiegel“ von Arvo Pärt
Kaiseraugst, 12. April
Andreas Fischer
"Sie fanden ihn im Tempel sitzen": Meditation über Lk 2, 46 anlässlich einer Taizéfeier
"Es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte." (Lk 2, 46)
Wie Kinder und Jugendliche in der Antike gelebt haben, ist für uns heute nur noch schwer fassbar. Die wenigen Quellen, die es gibt, zeigen uns, dass Kinder und Jugendliche meist ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie waren:
Sie waren klein, schwach, arm und unmündig.
Sie hatten keine Rechte
und keine Mitsprache
und so bekamen sie oft die Härte ihrer Zeit besonders schlimm zu spüren.
Umso beeindruckender ist das Bild, das Lukas in seinem Evangelium zeichnet.
Unter allen Evangelisten gibt er Kindern den grössten Raum. Sein Jesus preist die Kinder selig und wendet sich ihnen freundlich zu, indem er ihre Krankheiten heilt. Als die Jünger darüber streiten, wer der Grösste unter ihnen sei, stellt Jesus ein Kind direkt neben sich und gibt ihm einen Ehrenplatz.
Plötzlich steht da also ein Kind - jemand, der am kleinsten und geringsten ist – im Mittelpunkt.
Und so ähnlich geschieht es auch in unserer Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel: „Es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte.“
Ich stelle mir das so vor:
Jesus ist aufgeregt, er will lernen und mitreden und er ist zwölf Jahre alt. Und Jesus ist mitten im Tempel in Jerusalem.
Jesus ist dort, wo alle zusammen kommen, um Gott zu begegnen.
Über den Tempel sollte man vielleicht wissen, dass Herodes der Grosse gut dreissig Jahre zuvor einen gewaltigen Umbau angeordnet hatte. Nach Jahrzehnten war der Tempel das grösste sakrale Bauwerk der antiken Welt - grösser als die Akropolis in Athen und grösser als das Pantheon in Rom.
Und dort, in diesem gewaltigen Bau, mitten unter den Lehrern, sitzt ein Kind.
Gegenüber dem glanzvollen, prächtigen Tempel, und der Weisheit der Schriftgelehrten kann das Kind nur unscheinbar wirken. Die Szene im Tempel ist für mich deshalb auch ein Sinnbild für die Ansprüche unserer heutigen Zeit: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die von uns abverlangt immer grösser, stärker, reicher und selbstbestimmter zu werden.
Wir sollen ständig mehr geben, als was wir jetzt schon sind.
Und manchmal gelingt uns das sogar. Manchmal wachsen wir über uns selbst hinaus.
Doch um welchen Preis?
Besteht nicht die Gefahr, dass wir uns in alledem selbst verlieren?
Mitten im Tempel, mitten unter den Lehrern,
mitten in dem Verlangen – in der Begierde – allen Ansprüchen gerecht zu werden,
ausgerechnet dort, wo alle zusammen kommen, um Gott zu begegnen, bleibt das Kind einfach sitzen.
Vielleicht weil das Kind dort etwas spürt, was es eigentlich längst schon weiss:
Vor Gott darf das Kind – auch das innere Kind in uns – einfach sein. Denn Gott gibt gerade dem kleinen, schwachen, armen, unmündigen Kind einen Ehrenplatz in seinem Herzen.
«Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind»: Wir singen das Lied 32
Kaiseraugst, 13.2.2026
Silja Schreiner
Der zwölfjährige Jesus im Tempel: Predigt über Lk 2, 41-52
Einleitung:
Vor kurzem haben zwei tibetische Mönche in unserem Kirchgemeindehaus in Kaiseraugst ein Sandmandala gestreut – diese Sandmandala-Projekte, die auch schon in Magden stattgefunden haben, werden jeweils vom Schulverein Lo-Manthang organisiert, den unser Magdemer Gemeindeglied Sonngard Trindler einst ins Leben gerufen und viele Jahr präsidiert hat.
Ein Sandmandala, haben die tibetischen Mönche mir erklärt, ist ein Palast, der für die Gottheit gebaut wird, der dann da einzieht.
Auch Kirchen sind Gotteshäuser, sie werden gebaut, dass Gott darin wohnt. Dasselbe galt zur Zeit von Jesus für den Tempel, das grosse Gotteshaus in Jerusalem. Dort wohnte Gott, und deshalb zog es Jesus schon als 12-jährigen Buben unwiderstehlich dorthin.
Wir hören die Geschichte, wie Jesus als Zwölfjähriger den Tempel besucht. Sie steht im Lukasevangelium im 2. Kapitel und wird gelesen von NN.
Anschliessend singen wir das Lied: «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit». Normalerweise singt man dieses Lied in der Weihnachtszeit. Doch es passt auch zu diesem Gottesdienst. Das Lied erzählt davon, wie der Heiland in den Tempel einzieht – wobei der Tempel nicht nur ein äusseres Gebäude meint, sondern auch mein Herz. Möge Gott also einziehen in unsere Herzen und Seelen am heutigen Morgen!
Text: Lukas 2, 41-52
41 Jesu Eltern zogen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem. 42 Auch als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf, wie es an diesem Fest der Brauch war, 43 und verbrachten die Tage dort. Als sie heimkehrten, da blieb der junge Jesus in Jerusalem zurück, und seine Eltern merkten es nicht. 44 Da sie meinten, er befinde sich unter den Reisenden, gingen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück, um ihn zu suchen. 46 Und es geschah nach drei Tagen, dass sie ihn fanden, wie er im Tempel mitten unter den Lehrern sass und ihnen zuhörte und Fragen stellte. 47 Alle aber, die ihn hörten, waren verblüfft über seinen Verstand und seine Antworten. 48 Als sie ihn sahen, waren sie bestürzt, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49 Und er sagte zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss? 50 Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51 Und er zog mit ihnen hinab, zurück nach Nazaret, und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 52 Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.
Lied: «Macht hoch die Tür» (363, 1.4.5)
Predigt:
Am Anfang unserer Geschichte heisst es:
«Als Jesus zwölf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm hinauf nach Jerusalem zum Passafest.»
Und am Schluss heisst es:
«Er zog mit ihnen hinab, zurück nach Nazaret, und war ihnen gehorsam.»
Sie zogen hinauf, er zog mit ihnen hinab – so heisst es am Anfang und am Ende der Geschichte.
Die Worte haben geografische Bedeutung: Jerusalem, die Stadt auf dem Berg, liegt oben, es ist ein Aufstieg dorthin, und der Weg zurück nach Nazareth vollzieht sich als Abstieg.
Zugleich haben die beiden Worte eine spirituelle Bedeutung. Der Aufstieg meint auch den Aufstieg der Seele zu Gott, und der Abstieg meint den Weg aus dem göttlichen Bereich zurück hinein in den Alltag.
Zwölf Jahre ist Jesus alt, als er den Aufstieg vollzieht. Es ist im Judentum der Übergang ins Erwachsenenalter, bald wird Jesus Bar Mizwa feiern, bei uns wäre das die Konfirmation; hier, bei diesem rite de passage, diesem Übergangsritus, kommt es zum Konflikt zwischen dem Sohn und den Eltern.
Diesen Konflikt thematisiert der bekannte zeitgenössische Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann in seinem Kommentar zu unserer Geschichte.
Die «heilige Familie», schreibt er mit bissigem Humor, sei nicht gerade «Kronzeuge einer heilen Welt». Das Gegenteil sei der Fall, und dies mit einer inneren Notwendigkeit:
«Eine solche Familienidylle gibt es nicht, ja, um des Heiligen willen darf es sie gar nicht geben. Die Geschichte von dem 12-jährigen Jesus zeigt uns ein Bild voller Widersprüche, Gegensätze und menschlicher Unverträglichkeiten, offenbar um in einer verdichteten Szene zu demonstrieren, was für das Leben eines jeden Menschen gilt, wenn er erwachsen werden will: um zu sich selbst zu finden, muss er in gewissem Sinne zu Gott hinfinden.» (nach Drewermann, Kommentar 155)
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Also: Das Passafest ist zu Ende, die Eltern machen sich zusammen mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern von Galiläa in einer Wallfahrtskarawane auf den Heimweg. Jesus vermuten sie bei irgendwelchen Verwandten und Bekannten. Doch am Abend, nach einer Tagreise von ca. 30-40 Kilometern, stellen sie mit Schrecken fest, dass ihr Bub verlorengegangen ist.
Drei Tage suchen sie ihn. Es bleibt offen, ob die Reisetage der Eltern darin inbegriffen sind, oder ob sie ihn drei Tage lang in Jerusalem suchen.
Doch das spielt keine Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass in der christlichen Tradition die Zahl drei symbolische Bedeutung hat. Sie verweist auf die Zeit zwischen dem Tod und der Auferstehung des Christus am dritten Tag. Die Zeit, in der Christus hinabgestiegen ist in die Unterwelt, die auch den Abstieg in die unterbewussten Bereiche der Seele symbolisiert. Es ist eine Zeit der Wandlung auf tiefster Ebene.
Eugen Drewermann weist darauf hin, dass der Tempel und jeder sakrale Raum eine Art Mutterschoss symbolisiert, in dem sich der Prozess einer neuen Geburt, ein Neuwerden aus dem Ursprung heraus vollzieht:
«Der Raum des Tempels steht als symbolisches Bild für den Mutterschoss, den ‘Ort’ der neuen Geburt im Terrain eines absoluten Seindürfens vor Gott. In den Riten der Stammeskulturen entsprechen dem ‘Tempel’ die Initiationshütten, die man wegen ihrer Grösse und Schönheit zu Recht als ‘Kathedralen der Steinzeit’ bezeichnet hat.» (A19)
Als nach drei Tagen die Eltern ihr Kind endlich finden, dort, im Tempel, waren sie bestürzt, heisst es, und seine Mutter sagte zu ihm:
«Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.»
Die Formulierung ist auffällig: «Dein Vater und ich». Josef kommt im Lukasevangelium sonst nirgends aus der Rolle des Statisten heraus. Er bleibt durchwegs stumm, überlässt Maria das Reden; und was mit ihm später geschieht, das wissen wir nicht – das Lukasevangelium, heisst es in einem Kommentar pointiert, habe eine «Tendenz zur Ausschaltung des Josef» (P61).
Doch hier steht er betont am Anfang: «Dein Vater und ich», sagt Maria. Warum diese Formulierung gewählt ist, zeigt sich gleich anschliessend in der Antwort von Jesus.
Sie bildet den Höhepunkt der Geschichte. Es sind die allerersten Worte aus dem Mund von Jesus Christus gemäss dem Lukasevangelium:
«Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?»
Auch Jesus spricht vom «Vater», doch ist es nicht der leibliche Vater, sondern der Vater im Himmel, es ist Gott, den er meint. Von Gott war zuvor schon mehrmals die Rede in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums. Doch hier, in den ersten Worten Jesu, wird Gott erstmals als Vater bezeichnet.
Jesus hat seinen Gott bekanntlich «Abba» genannt. Abba ist ein Lallwort wie Mamma und Papa. Ein Urwort, das ganz am Anfang des Spracherwerbs steht.
Wenn wir Gott als Abba ansprechen, kehren wir auf diese ursprüngliche Ebene zurück, wo nichts die Beziehung verstellt, wo Ich und Du noch nicht getrennt, noch tief verbunden, noch eins sind.
Auf dieser ursprünglichen Ebene ist Jesus mit seinem Gott verbunden im Tempel. Und in dieser Verbundenheit vollzieht sich die Ablösung von allem anderen, auch und sogar von seinen Eltern, die er zweifellos zutiefst liebte.
Drewermann beschreibt diese tiefgreifende Transformation, die in den drei Tagen im Tempel geschieht, mit den folgenden Worten:
«Die seelische Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen besteht darin, den Archetyp des Vaters und der Mutter von den individuellen Elterngestalten der persönlichen Biografie abzulösen und im Absoluten, in Gott festzumachen. Das Kindwerden vor Gott ist die Voraussetzung für das Erwachsenwerden vor den Menschen.» (nach A19)
Das ist die grosse Wandlung, die grosse Transformation, die mit Jesus geschieht, hier im Heiligtum, das einem Mutterschoss gleicht, im Bereich des Abba, im Tempel.
Allerdings: Jesus selber prophezeite später in seinem Leben, dass dieser Tempel einst zerstört würde. Und so kam es. Im Jahr 70 nach Christus wurde der Tempel in Jerusalem von den Römern dem Erdboden gleich gemacht.
Und das Mandala, das die tibetischen Mönche bei uns im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst streuten, wurde nach seiner Fertigstellung in einer eindrücklichen Zeremonie von den beiden Mönchen selber kaputtgemacht; es wurde zusammengewischt, und der Sand wurde in den Rhein gestreut. Was hat das zu bedeuten?
Es bedeutet, glaube ich, dass der Weg der Selbstwerdung zletscht am Änd ein innerer ist. Er kann sich an keine Kirche binden, so gross und erhaben sie auch sein mag. Er kann sich an kein Mandala binden, so kunstvoll und schön es auch gestaltet sein mag.
Der Weg der Selbstwerdung ist ein innerer, der immer über Loslassen von äusseren «Kirchen» und «Mandalas», von Bildern, Vorstellungen, Konzepten verläuft.
Darum heisst es in dem Lied, das wir vorher gesungen haben, wir sollen unser Herz zum Tempel bereiten. Wir sollen Tor und Tür unseres Herzens wie die Tore und Türen einer Kirche öffnen, dass Gott da einzieht, dass Gott in meinem Herzen Wohnung nimmt.
Das Herz, mein Innerstes, mein Zentrum ist also der Tempel. Es wird in diesem Prozess der Selbstwerdung zum Ort, an dem Gott wohnt, wo mein Wesen und das Wesen Gottes zusammenkommen, deckungsgleich werden, eins werden.
Im Jahr 70 n.Chr. ist der Tempel in Jerusalem zerstört worden. In eben jenem Jahr ist zum ersten Mal ein neues Wort für Gott nachweisbar, das später in der Kabbala, der jüdischen Mystik grosse Bedeutung erlangt hat.
«Schechina» heisst dieses Wort, was «Einwohnung» bedeutet. «Schechina» ist ein weibliches Wort – Schechina ist die Gottheit, insofern sie nicht hoch oben in einem fernen Himmel thront, sondern unter uns wohnt, in meinem Herzen wohnt, in diesem Kirchenraum, unter uns, in allen Wesen der Welt wohnt.
Man sagt, «Schechina» sei ein anderes Wort für den Heiligen Geist, der in der hebräischen Ursprache ja ebenfalls weiblich ist: «Ruach», die göttliche Geistkraft.
«Schechina, boi kala», «Schechina, Einwohnung, komm, Braut», so heisst das Lied, das nun ein kleiner Chor singt.
Chant: «Schechina»
Wir sind mit Jesus aufgestiegen nach Jerusalem, in den Tempel, in den göttlichen Bereich, die Einheit, Vereinigung mit Gott. Das war die Bewegung des Aufstiegs. Ganz am Schluss unserer Geschichte vollzieht Jesus die umgekehrte Bewegung, jene des Abstiegs:
Er zog mit ihnen hinab, zurück nach Nazaret, und war ihnen gehorsam.
Der Abstieg ist, könnte man sagen, die Bewegung der Passionszeit: Christus steigt hinab bis in die tiefsten Tiefen, bin hinein in Folter, Kreuz und Tod. - Wir sind nicht allein, nie, auch dort unten nicht: Das ist die zentrale Botschaft der Passionszeit, die mit dem Aschermittwoch angefangen hat.
Auch in Charkiw und Chan Yunis und Al-Faschir sind die Menschen nicht allein und auch die Tiere nicht und auch die aussterbenden Tier- und Pflanzenarten nicht auf unserer gequälten Erde nicht.
Die Botschaft des Abstiegs Jesu nach seiner Erfahrung im Tempel ist eine Variation dieser Botschaft der Passionszeit:
Wir sind nicht allein auch in unserem Alltag mit seinen Abläufen, seinen Rhythmen, seiner Mühsal zuweilen. Es kann langweilig sein, zäh, vielleicht ist man erschöpft, vielleicht von chronischen Schmerzen gezeichnet, vielleicht steckt man in Konflikten, privat, am Arbeitsplatz; manchmal sieht man kein Licht am Ende des Tunnels.
Mein hochverehrter Lehrer für Neues Testament, Eduard Schweizer, hat in seinem Kommentar zum Lukasevangelium das Alltagsleben der Familie von Jesus nicht ohne Humor geschildert als Existenz in einem miefigen «orientalischen Kleinstädtchen, in dem es ausser dem Sabbat-Gottesdienst, dem Unterricht in der Synagoge und einem jährlichen Pilgerzug keine Abwechslung gibt.»
Eben da ordnet sich Jesus ein und unter. Und eben so, heisst es, wächst er an ‘Weisheit und Gnade’. «Offenbar», schreibt Schweizer sinngemäss, «geschieht dieses Wachstum an Weisheit und Gnade auch und gerade in einem solchen einfachen, unauffälligen und scheinbar bedeutungslosen Leben, «wo Gott für sein Wirken Zeit gegeben wird.» (frei nach 45)
Geben wir der Schechina Zeit für ihr Wirken. In Aufstieg und Abstieg bhüet eus, Gott! Amen.
Rheinfelden, 22. Februar 2026
Andreas Fischer

