Moonlight-Jazz im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst

N Awlins Six (Foto: Jutta Wurm)
Derzeit ist im reformierten Kirchgemeindehaus Kaiseraugst eine Ausstellung von Viktor Hottinger zu sehen. Kürzlich brachte der Rheinfelder Kunstmaler eine weitere seiner vielen Begabungen ins Spiel: Er ist auch passionierter Jazz-Musiker. Gemeinsam mit seinen kultigen „N’AWLINS SIX“ verbreitete er an Sonntagabend, 3. Mai, im Kirchenraum das Flair einer Kneipe im French Quarter von New Orleans.
Andreas Fischer,
Sie seien, sagte » Viktor Hottinger bei der Begrüssung, eine Telefonband. Er melde sich jeweils bei Freunden in einem gemeinsamen Pool von Jazz-Musikern und künde den Anlass an: „Monatlich einmal ist es der Rössli-Jazz in Rheinfelden, diesmal ein Konzert im Rahmen der ‚indigo‘-Ausstellung in diesem Kirchenraum.“ Wer Zeit habe, sage zu.

Passend zur Farbe „indigo“, welche die Atmosphäre der Ausstellung prägt, fand man sich zur „blauen Stunde“ zusammen, als es langsam eindunkelte. Und passend zu Hottingers Triptychon vorne im Raum, das inspiriert ist vom „Abendlied“ von Matthias Claudius („Der Mond ist aufgegangen“), spielten die sechs Männer „When the Moon comes over the Mountain“. Viele der aufgeführten Stücke sind Standards, berühmt geworden durch Jazz-Grössen wie Mahalia Jackson und Aretha Franklin, Louis Armstrong und Fats Domino.

Achtzigjährige spielen wie Jungspunde

Die sechs Musiker, die sich gut kennen, sprachen sich spontan ab, Bandleader Hottinger gab mit einem Kopfnicken die Einsätze, nach den Soli applaudierte das Publikum, das Tutti am Schluss begann jeweils, wenn die Frontline, bestehend aus Viktor Hottinger (Kornett), Sepp Giess (Klarinette) und Louis Bürgi (Posaune), sich erhob. Früher seien sie während des ganzen Konzerts gestanden, sagte Hottinger, doch das sei lange her. Zwischendurch bemerkte Max Wehrli an der „dicken Berta“ (der Tuba), der gemeinsam mit Eric Cousin, Banjo, und Erwin Bieri, Schlagzeug, die Rhythmusgruppe bildete: „Die drei Herren da vorn haben ein Durchschnittsalter von über achtzig Jahren und spielen noch immer wie Jungspunde.“

Die Ankündigung der Stücke verband Hottinger mit kurzen Informationen. Manche der Tunes, die so heiter-beschwingt daherkommen, sagte er, wurden ursprünglich bei Beerdigungen gespielt. „Just a Closer Walk with Thee“ wendet die Klage beim Gang zum Grab in eine Feier des Lebens als Weg, der von Jesus begleitet wird. Oft sei in den Stücken die Sehnsucht nach dem Jenseits Thema, die Hoffnung auf eine bessere Welt: „Just a Little While to Stay Here“ etwa bringt das Lebensgefühl zum Ausdruck, dass wir uns nur eine kurze Weile hier unten auf Erden aufhalten und uns dann im Himmel ewiges Leben erwartet. Auch Sozialkritik klingt an: „On the Sunny Side of the Street“ spielt an auf Zeiten der Rassentrennung, als die sonnige Strassenseite den Weissen vorbehalten war.

Wiedersehen nicht erst im süssen Jenseits

„Machen wir noch einen“, sagte Hottinger, als der Applaus des Publikums nicht aufhören wollte: „In the Sweet By-and-By“, heisse der Song; aber nachher sei wirklich Schluss. „Bald, ja bald werden wir uns an jenem schönen Ufer treffen“, lautet der eingängige, durch Dolly Parton und Jonny Cash berühmt gewordene Refrain des Lieds. Beim anschliessenden Apero wurde mehrfach der Wunsch geäussert, dass das Wiedersehen nicht erst „im süssen Jenseits“ stattfinden soll, wie der Song suggeriert, sondern möglichst bald schon wieder in diesem Kirchenraum. Tatsächlich wird Viktor Hottinger im Rahmen der „indigo“-Ausstellung bald noch einmal zu hören sein: mit dem Jazz-Trio „BRANDNEW STRINGS“ anlässlich der » Finissage am Sonntag, 14. Juni im Anschluss an den Gottesdienst, der wieder zur „blauen Stunde“, um 17.15 Uhr beginnen wird.
Konzert N'AWLIN SIX
08.05.2026
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Fotograf/-in
Jutta Wurm