Zum Abschied von Assel Abilseitova

Assel Abilseitova (Foto: Jutta Wurm)
"Unsere" Kaiseraugster Pianistin Assel Abilseitova hat geheiratet und zieht aus dem Basler Raum weg Richtung Zürich. Im Gottesdienst am Sonntag, 17. November (10 Uhr, im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst) werden wir uns - traurig und dankbar - von ihr verabschieden.
Andreas Fischer,
Es war Samstag, unsere langjährige Pianistin Marta Casulleras musste aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig ihr Mitwirken beim Gottesdienst am kommenden Tag absagen. Stundenlang suchte ich nach einem Pianisten, der einspringen könnte, ohne Erfolg. Dann kam, spätabends am 17. Oktober 2020, eine WhatsApp-Nachricht: «Hello Andreas my name is Assel Abilseitova». Sie habe von einem Berufskollegen erfahren, dass ich eine Pianistin suche. Sie habe Zeit und sei interessiert. Noten für die Lieder brauche sie nicht, sie könnte gut ab Blatt lesen. Und sie werde, u.a., «Jeux d’Eau» spielen. Dieses Werk von Maurice Ravel ist technisch von allerhöchstem Anspruch. Nicht nur der Pfarrer, die ganze Gemeinde war erstaunt und begeistert von dem konzertanten Gottesdienst.

Im folgenden Jahr orientierte sich Marta Casulleras beruflich neu, und Assel wurde unsere neue Pianistin. Sie spielte Konzerte, oft gemeinsam mit Rani Orenstein. Rachmaninoffs 3. Klavierkonzert, vorgetragen auf zwei Flügeln, löste bei den Zuhörenden Stürme von Begeisterung aus. Assel gestaltete unsere Soirées nicht nur musikalisch, sie entwickelte sie auch thematisch und brachte mich dazu, mich mit Werken wie «Die Kunst des Liebens» von Erich Fromm oder «Der Alchimist» von Paolo Coelho sowie mit den Biografien jung verstorbener Komponisten auseinanderzusetzen. Und sie hat unsere Gottesdienste mit ihrem sagenhaft breiten musikalischen Spektrum nicht nur begleitet, sondern wesentlich geprägt. Sie spielte Ravel und Liszt mit unfassbarer Virtuosität und dann wieder Minimal Music, bei der man meint, nichts als die Stille zu hören. Die top three im Pfarrhaus sind das Kasachische Liebeslied, Black Earth von Fazil Say und «Native Land», ein Werk aus ihrer Heimat und über ihre Heimat Kasachstan, das Assel bei ihrer offiziellen Begrüssung am Sonntag, 13. Juni 2021 spielte. Assel selber sagte dazu:

„Man hört den Klang des freien Windes über den weiten Steppen… Das Stück ist fast so, als würde es die Not der Nomaden beschreiben, die in der Vergangenheit in diesen Steppen lebten, die harten klimatischen Bedingungen überlebten, schwierige historische Ereignisse, den Hunger zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch trotz alledem kann man auch den freien Geist des kasachischen Volkes und seine Philosophie des Tengrismus in einigen fernen Klängen hören.“


Tengrismus ist die ursprüngliche, uralte schamanische Religion in Zentralasien. Wer immer Assel hierher geführt hat, Tengri, der mongolische Himmelsgott, oder der Gott Abrahams, Hagars und Saras – sie war ein Segen für uns. Nun hat sie geheiratet und zieht weiter, ausgerechnet nach Wallisellen, das Dorf neben Schwamendingen, wo Jutta und ich herkommen. We chame nuur?, fragen wir uns augenzwinkernd.

Und im Ernst, liebe Assel: Persönlich und im Namen der Kirchenpflege und der ganzen Kirchgemeinde wünschen wir dir Gesundheit, Glück und Gelingen – und freuen uns, dich beim » Abschiedsgottesdienst noch einmal zu hören, und dann wieder bei der» Vernissage der nächsten Ausstellung und auch im kommenden Jahr im Rahmen von Konzerten in Kaiseraugst.

Andreas Fischer und Jutta Wurm
Assel
13.10.2024
3 Bilder
Fotograf/-in
Jutta Wurm, Privatarchiv