«Den Schöpfer im Geschöpf ehren»: Hubertusfeier mit den Jagdhornbläsern Ergolz

20251109_104323-1 (Foto: Jutta Wurm)
Mehrmals schon hatte die Jagdhornbläsergruppe Ergolz bei Abdankungen hier in Kaiseraugst gespielt. Was ursprünglich Jagdsignale sind, gewinnt auf dem Friedhof symbolische Bedeutung: «Jägerabschied», «Wiedersehn» usw. Die archaischen Klänge aus den Naturtrompeten gehen unter die Haut. Im Gottesdienst am 9. November im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst nun hat die hochkarätige Formation unter der Leitung von Julia Benz Stücke aus der «Hubertusmesse» vorgetragen.
Andreas Fischer,
Von Hubertus, der von 655-727 lebte und Bischof von Lüttich war, wird überliefert, dass er einst im Geweih eines Hirschs Christus gesehen habe. Das habe ihn, wie es in einem Jägerlied heisst, gelehrt, den Schöpfer im Geschöpf zu ehren:

„Das ist des Jägers wahres Bild,
Dass er beschützt und hegt sein Wild,
Waidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!“

In der untenstehenden Predigt habe ich versucht, dieses Thema zu entfalten.

Auszüge aus Liturgie und Predigt des Gottesdienstes:


Eingangsspiel: „Introitus“ (Bläser)

Begrüssung und Gebet


Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören.
Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf,
lasset den Lobgesang hören.

Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen.
Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen.
Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht.
Lob ihn in Ewigkeit! Amen.

Mit diesen Worten aus dem bekannten Lied des deutschen Pfarrers und Dichters Joachim Neander begrüssen wir Sie und euch herzlich zum Gottesdienst am heutigen Sonntagmorgen hier im reformierten Kirchgemeindehaus Kaiseraugst.

„Lobe den Herren“ – dieses Lied war ursprünglich nicht für den Gottesdienst gedacht, sondern sollte, wie Neander schrieb, „bei Christen-Ergetzungen im Grünen“ gesungen werden, also bei Andachten im Freien, in einer Waldlichtung zum Beispiel.

Von daher passt das Lied gut zu unserem Anlass: Wir feiern heute Morgen einen Hubertus-Gottesdienst, musikalisch gestaltet von der Jagdhornbläsergruppe Ergolz unter der Leitung von Julia Benz.

Zum Eingang haben sie das Stück „Introitus“ gespielt.

Julia selber, hat sie mir gesagt, ist keine Jägerin, aber die meisten Mitglieder der Formation seien tatsächlich auch Jäger und spielen ihre Instrumente also nicht nur in Konzertsälen und Kirchen, sondern auch „im Grünen“.

Bevor wir das Lied singen, erlaube ich mir noch die folgende Bemerkung. Der Gründer der Jagdhornbläsergruppe Ergolz, » Chläusi Schmid, der heute seinen sagenhaften 87. Hubertusgottesdienst feiert – „Chläusi liebt das Archaische, Ursprüngliche“. So heisst es im Titel über dem Porträt, das kürzlich in der NFZ erschienen ist (https://www.nfz.ch/dieses-ursprngliche-archaische-das-fasziniert-ihn).

Von Joachim Neander – und das ist nun kein Witz – stammt der Name „Neandertal“, dem Tal in der Nähe von Düsseldorf. Pfarrer Neander habe in jenem Tal oft Gottesdienste „im Grünen“ gefeiert.

Ich hoffe, dass Chläusi mir den kleinen Scherz verzeiht: Es passt doch irgendwie zum Archaischen, Ursprünglichen, das Chläusi und den Jägern zugeschrieben wird, dass man in jenem Tal im Jahr 1856 den berühmten Neandertaler, den Homo neanderthalensis gefunden hat.

Wie dem auch sei – beten wir und singen wir anschliessend vom Lied von Joachim Neander, „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ bei der Nummer 242 die Strophen 1 und 5.

Gebet

Gott
Dich zu loben, mit ganzer Seele zu loben, sind wir hier vor dir.
Psalter und Harfe, Parforcehörner und Waldhörner, Seelen und Kehlen – alles erwacht und stimmt ein in den Lobgesang der himmlischen Chöre:
Du bist unser Licht. Dein Licht leuchtet über uns,
immer und jetzt, in dieser Feier.
Danke, dass du da bist, du, unser Gott
Amen.

Lied: „Lobe den Herren“ (242, 1.5)

Einleitung


Am 28. Oktober 2020, also vor ziemlich genau fünf Jahren, nahmen wir unten auf dem Friedhof Abschied von H.B., dem allseits bekannten und geschätzten Jäger und Jagdhornbläser. Es war Corona-Zeit, wir sassen in der Abdankungshalle, die Fenster wurden geöffnet, und von draussen spielte die Jagdhornbläsergruppe Ergolz. Es war das erste Mal, dass ich diese Art von Musik hörte, und sie machte mich tschudere.

Dieses Jahr, am 19. März, nahmen wir Abschied von H.s Bruder E.B. Auch er war Jäger, vor allem als Treiber soll er mit seiner Jack Russel-Hündin Evi ein super eingespieltes Team gewesen sein.

Auch bei der Abdankung von Ängge spielte die Jagdhornbläser, und weil Corona inzwischen vorbei war, kam man anschliessend ins Gespräch, und Chläusi Schmid erzählte mir von den Hubertusmessen mit dieser besonderen Art von Musik.

Für mich protestantisches Stadtkind, ausserdem mit einem starken Hang zum Vegetarismus, war das eine fremde Welt, doch, wie erwähnt, die Musik berührte mich.

Und auch die Legende vom Jagdheiligen Hubertus ist eindrücklich.

Von Hubertus, der von 655-727 lebte und Bischof von Lüttich war, wird überliefert, dass er einst im Geweih eines Hirschs das Christus-Kreuz gesehen habe. Das habe ihn, wie es in einem Jägerlied heisst, gelehrt, den Schöpfer im Geschöpf zu ehren:

„Das ist des Jägers wahres Bild,
Dass er beschützt und hegt sein Wild,
Waidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!“

Wir hören die Hubertus-Legende, eingebettet in Musik der Jagdhornbläser, zuerst das «Offertorium» und im Nachklang der Legende dann «Andacht im Walde».

„Offertorium“ (Bläser)

Hubertuslegende
(Quelle: https://www.christentum.ch/hubertusfeier.htm)

Hubertus stammte aus einem fürstlichen Haus. Dem Stand entsprechend, wurde der Knabe früh in die Kunst des Bogenschiessens eingeweiht und dem Waffendienst zugeführt. Mit besonderer Tüchtigkeit erklomm er Rang um Rang und gelangte bald in die höchsten Stellungen des Reiches. Für den in jungen Jahren geleisteten Kriegsdienst bedachte ihn der König von Frankreich mit ausgedehnten Ländereien.

Hubertus vermählte sich mit der schönen Floribana von Löwen. Doch den beiden war nur ein kurzes Eheglück beschieden, da sie nach der Geburt des ersten Kindes, Floribertus, dahinwelkte...
Darüber empfand der zurückgebliebene Gatte einen dermassen unsäglichen Schmerz, dass er sich umso heftiger in weltliche Ablenkungen stürzte. Mit besonderer Leidenschaft widmete er sich der Jagd. An den Adelshöfen war damals gerade die Hetzjagd in Mode gekommen, die Hetzjagd auf Sau, Reh und Hirsch.

Graf Hubertus war mit seinen scharfen Hunden an Grausamkeit nicht zu überbieten. Sein Eifer machte auch vor den heiligen Tagen, den Sonntagen, den Christustagen, nicht Halt.

Da spürte er an einem hohen Feiertag, dem Karfreitag, einen kapitalen Hirsch auf. Zu seiner Verwunderung blieb dieser vor ihm ruhig stehen. Schon hatte Hubertus den Bogen gespannt, um ihn zu erlegen, da erblickte er zwischen den Geweihstangen des prächtigen Tieres ein golden strahlendes Kreuz. Erschrocken sprang der Jäger vom Pferd, fiel auf die Knie und fragte zu der Stimme hin, die ihn beim Namen gerufen hatte: "Herr, was willst du, das ich tun soll?" Und die Stimme mahnte ihn, über den Dingen dieser Welt das ewige Leben nicht zu vergessen.

Dieses Erlebnis liess Hubertus nicht mehr los. Es beschäftigte ihn derart, dass er sich mit ganzer Seele Gott zuwandte. Er legte den Grafentitel ab, verschenkte sein Vermögen den Armen und begab sich für einige Zeit in die Einsamkeit der Ardennen...

Dann fand er den Weg zu Bischof Lambert von Maastricht, der den veränderten Hubertus im Glauben unterrichtete und zum Priester weihte. Später wurde Hubertus nach anfänglichem Zittern und Zagen, aber schliesslich durch einen Engel bestärkt, zu dessen Nachfolger im Bischofsamt.

Hubertus starb im Jahre 727. Er gilt als Patron der Jäger, der Forstleute und der Schützen. Sein Tag ist der 3. November.

„Andacht im Walde“ (Bläser)

Predigt I


„Ein Jäger aus Kurpfalz, der reitet durch den grünen Wald und schiesst das Wild daher, gleich wie es ihm gefällt. Juja juja, gar lustig ist die Jägerei, allhier auf grüner Heid“ – so heisst es in einem deutschen Volkslied, welches wir als Kinder, begleitet von meinem Vater selig auf der Gitarre, mit Begeisterung sangen.

Vermutlich hat man sich Hubertus vor seinem Christuserlebnis etwa so vorzustellen: „Er schiesst das Wild daher, gleich wie es ihm gefällt“. Juja, die Jägerei ist lustig, sie lässt ihn den Schmerz vergessen, den tiefen Schmerz über seine geliebte Frau, die schöne Floribana, die bei der Geburt ihres Sohnes Floribertus starb.

Doch es ist nicht dieser Jäger aus Kurpfalz, der zur Lichtgestalt der Jägerei geworden ist. Sondern der heilige Hubertus, der in dem Hirsch Christus gesehen hat.

Es war Karfreitag, der Tag, an dem man sich an den Kreuzestod von Jesus Christus erinnert. Im Geweih des Hirschs erschien Hubertus ein Kreuz.

Das Kreuz symbolisiert den Schmerz, welcher die ganze Schöpfung durchzieht: „Leid ist in der Welt“, so schrieb der deutsche Schriftsteller Alfred Döblin in das Tagebuch seiner Polenreise, nachdem er in einer Kirche einen Kruzifix gesehen hatte, der ihn zutiefst erschütterte:

„Leid ist in der Welt, Schmerz, menschlich-tierisches ringendes Gefühl ist in der Welt. Das ist der tote Mann oben, Christus. Seine Wunden, seine Hinrichtung, seine durchbohrten Knochen… Zu ihm beten sie. Zu ihm, nicht zu den Marmorsäulen, den goldenen Pfeilern, den bunten Farben. … Was bekommen diese Menschen für Gesichter? Empfinden sie es wie ich. Steinerne Herzen aus der Brust genommen, fleischerne eingesetzt, und nun können sie sehen. Man sieht nicht mit den Augen.“ (nach Nigg, Büsser, 174f.)

Man sieht nicht mit den Augen, sagt Döblin, in Anspielung an die Worte des kleinen Prinzen von Antoine de Saint Exupéry: Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Man sieht nur mit dem Herzen gut --- mit dem Herzen, das nun nicht mehr aus Stein ist, sondern ein Herz aus Fleisch und Blut, ein lebendiges, ein menschliches Herz, ein Herz, das fühlt, den eigenen Schmerz fühlt und jenen anderer Wesen.

Ich stelle mir vor, dass eben dies geschehen ist mit Hubertus, als er das Kreuz im Geweih des Hirsches sah: Er kam in Kontakt mit dem eigenen Schmerz über den Verlust seiner Frau, dem Schmerz unter seinem oberflächlichen Lebensstil. Und hier, in der Tiefe, spürte er den Schmerz des Hirschs, der ihm gegenüberstand, todgeweiht, und ihn anschaute, und den Schmerz aller Lebewesen der Welt.

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Albert Schweitzer, der berühmte Urwalddoktor, der auch ein bedeutender Philosoph und Theologe war und überdies ein begnadeter Organist, lebte von 1875-1965. Das heisst, er kam vor genau 150 Jahren zur Welt; wir haben uns in diesem Jahr in unserer Kirchgemeinde mit einer Ausstellung und einer ausgedehnten Predigtreihe an Albert Schweitzer erinnert und uns von ihm inspirieren lassen.

Auch heute möchte ich noch einmal Bezug auf ihn nehmen, bzw. auf sein berühmtes ethisches Prinzip der „Ehrfurcht vor dem Leben“.

Der Grundsatz dieser „Ehrfurcht vor dem Leben“ heisst:

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ (Gesammelte Werke, Band V, S. 181)

Der Satz bringt die Ur-Not, das Ur-Dilemma unseres menschlichen Daseins zum Ausdruck:

„Die Ehrfurcht vor allem Leben öffnet uns zunächst in schonungsloser Weise die Augen dafür, in wie vielfacher Weise wir uns in der Notwendigkeit befinden, Leben zu vernichten…“ (nach 141): „Wir sind alle dem rätselhaften Schicksal unterworfen, unser Leben nur auf Kosten andern Lebens erhalten zu können.“ (nach 182)

In einem langen Gespräch mit Chläusi Schmid und seiner Frau Marguerite sagten die beiden zu mir, dem Zürcher, gesagt: „Weisst du, wir sind Bauernkinder. Wir haben eine andere Beziehung zum Tod als ihr Städter. Der Tod ist integraler Bestandteil des Lebens. Der Tod und auch das Töten gehören zum Leben. Man habe als Kind miterlebt, wie Säue und Rinder geschlachtet werden, habe selber Hühnern den Kopf abgeschlagen, habe Mäuse gefangen, pro Mäuseschwanz habe es einen Zwanziger gegeben, damit habe man sich das Chilbigeld verdient. Und natürlich habe man gefischt, hier am Rhein.

Wer wie ich als Vegetarier unterwegs ist, täuscht sich, wenn er meint, er könne sich diesem „rätselhaften Schicksal“ entziehen, von dem Albert Schweitzer spricht.

„Du gehst auf einem Waldpfad; die Sonne scheint durch die Wipfel hindurch; die Vögel singen; tausend Insekten summen froh in der Luft. Aber dein Weg, ohne dass du etwas dafür kannst, ist Tod. Da quält sich eine Ameise, die du zertreten, dort ein Käfer, den du zerquetscht, dort windet sich ein Wurm, über den dein Fuss gegangen ist. In das Lied vom Leben klingt die Melodie von Weh und Tod hinein. Sie kommt von dir.“ (nach 131f.)

Und noch an einem anderen Beispiel zeigt Albert Schweitzer auf, dass wir alle in diesem Dilemma drin sind, welches im Grundsatz drinsteckt: „Ich bin Leben, das Leben will, inmitten von Leben, das Leben will“. Schweitzer fragt:

„In welcher Weise ist es berechtigt, einen Vogel zu unterhalten, Insekten zu fangen und sie ihm zum Futter zu geben? Nach welchem Prinzip entscheiden wir uns, eine Vielheit anderer Existenzen zu opfern, um die eine zu erhalten?“ (141)

Ja, in diesem Dilemma leben wir. Und aus diesem Dilemma können wir uns, solange wir hier unten auf Erden, im Leib, in der Materie, in der Begrenzung und Trennung leben, nicht lösen.
Das wird einem bewusst, wenn man über diesen Satz nachdenkt: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Doch der Satz hat eine zweite, eine tiefere Ebene. Das Leben, das leben will, sagt Schweitzer, ist eins. Und zwar nicht nur unser menschliches Leben, sondern alles Leben, auch jenes der Tiere, auch jenes der Pflanzen. Leben, sagt er, ist unendlich, ist universal, ist grenzenlos. Es gilt, „das Fremdsein aufzuheben“, es gilt, „das andere Leben im eigenen zu erleben“:

„Der tiefste Sinn des Lebens ist erreicht, wo Leben zugleich Miterleben ist, wo in einer Existenz der Wellenschlag der ganzen Welt gefühlt wird, wo das Einzeldasein aufhört, wo das Dasein ausser mir in das unsrige hereinflutet. Wir leben in der Welt, und die Welt lebt in uns.“ (nach 130)

Das ist es, glaube ich, was Hubertus aufgegangen ist in der Vision vom Christus-Kreuz im Hirschgeweih: Allüberall ist Christus, in meiner eigenen Seele, im Gegenüber, in der ganzen Welt. Der Schöpfer ist in der Schöpfung, in jedem Geschöpf. Darum gilt es, jedes Geschöpf zu ehren. Es gilt, Ehrfurcht vor allem Leben zu haben…

„Waldesgruss“ (mit Waldhorn; Bläser)

Predigt II


„Waldesgruss“ heisst das Stück, das die Jagdhornbläser gespielt haben.

Klänge führen tief in jene Erfahrung der Ehrfurcht vor dem Leben hinein. Davon hat der wunderbare, schon über achtzig Jahre alte Toggenburger Musiker, Komponist und Dirigent Peter Roth heute vor einer Woche in der Sendung „Perspektiven“ am Schweizer Radio erzählt (https://www.srf.ch/audio/perspektiven/klangpionier-peter-roth-mit-den-ohren-nach-innen-schauen?id=AUDI20251101_NR_0011).

Insbesondere Naturtöne haben diese Fähigkeit, die „Fremdheit“ zu überwinden, so dass das Leben ausser mir in mich hineinströmt, ja hineinflutet, wie Schweitzer sagt.

Er habe in der Mongolei dasselbe gehört und erlebt wie im Toggenburg und im Appenzellerland, erzählt Peter Roth: Die Naturtöne verbinden uns mit dem Kreislauf des Lebens, mit dem grossen Ganzen:

„Wenn ein Mensch, der den Alpsegen hört, Hühnerhaut hat oder wenn Tränen fliessen, kommt darin eine Ganzheitserfahrung zum Ausdruck. Die Überwindung der Abtrennung. Der Klang bringt uns dazu, die Abtrennung loszulassen. Das kann auch durch eine Bachsuite, von Pablo Casals gespielt, geschehen oder durch eine Ballade von John Coltrane.“ (Quelle: https://www.vrgs.ch/article/peter-roth-und-seine-klangphilosophie/)

Oder durch den Waldesgruss, möchte man hinzufügen, gespielt auf Parforcehörnern und Waldhörnern von der Jagdhornbläsergruppe Ergolz.

„Es muss nicht der Alpsegen sein. Letztlich geht es um die Erfahrung, Teil des Ganzen zu sein.“

Klang hat eine verbindende, grenzüberwindende Kraft. Klang überschreitet, transzendiert die Grenzen zwischen Religionen und Konfessionen. Klang ist an kein Dogma gebunden. Klang, sagt Peter Roth schön, hat nach oben keine Grenze. Er verbindet Diesseits und Jenseits, Immanenz und Transzendenz. Klang, von Stimmen gesungen oder mit Hörnern gespielt, ist physisch, körperlich, entsteht aus unserem atmenden Leib. Zugleich führt er hinaus, der Klang, hinüber ins Transzendente, ins Änedraa. Er führt in die Erfahrung, Teil des Ganzen zu sein.

Im Diesseits und im Jenseits, in der Trennung und im grossen Ganzen: Bhüet eus, Gott! Amen.

„Kurfürsten-Fanfare“ (Bläser)

Fürbitten


Als er ein kleiner Bub war, erzählt Albert Schweitzer, habe seine Mutter vor dem Schlafengehen jeweils mit ihm gebetet und ihm anschliessend einen Gutenachtkuss gegeben. Und dann habe er heimlich noch ein von ihm selber verfasstes Zusatzgebet gesprochen für alle lebendigen Wesen.

Dieses Gebet ist so umfassend und so rührend, dass wir es nun als Fürbitte sprechen wollen. In der anschliessenden Stille bitte ich euch, eure je eigenen Anliegen vor Gott zu bringen. Im Nachklang der Stille spielen die Jagdhornbläser das Stück „Ferne Glockenklänge“. Dieser Klang der Glocken möge sich als Segen über all unsere Gebete ausbreiten.

„Lieber Gott, schütze und segne alles, was Odem hat, bewahre es vor allem Übel und lass es ruhig schlafen.“

STILLE


Amen.

„Ferne Glockenklänge“ (Bläser)