„Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar werden soll“: Gesamtgemeinde-Gottesdienst mit Predigt über Markus 4, 22

Evangelist Markus mit seinem Symbol, dem Löwen (Foto: Andreas Fischer)
Musik: Rani Orenstein
Kollekte: "Source de Vie": Bildungs-Projekt in Bénin/Westafrika; die Gründerin, die Aarauerin Margrit Dieterle, wird "Source de Vie" im Gottesdienst selber vorstellen.
„Keine Tangobeleuchtung, kein Zwielicht“, stellt der Berner Dichterpfarrer Kurt Marti in seiner Predigt zu diesem Vers im Markusevangelium fest. Sondern „eine Sonne, die alle Finsternis auflöst!“ Die Sonne, sagt Marti, ist Jesus Christus. In seinem Licht werden „unsere höchsteigenen Hintergedanken aufgedeckt“. Mit unseren Seelen sei es wie mit dem Mond: Da sei immer nur die eine Hälft sichtbar. Die andere, die „dunkle Seite“ verbleibe im Dunkeln:

„Im martialischen Obersten versteckt sich ein Kind, das am liebsten Johanna Spyri liest; in der sittenstrengen Dame ein munteres Mädchen, das tanzen möchte.“

Doch nun erhellt das Licht der Christus-Sonne das Ganze. Was dabei sichtbar wird, kann ziemlich peinlich sein:

„Es zeigt sich der Gottlose, der sich im Frommen verbirgt; es zeigt sich hinter freundlichem Lächeln der heimliche Hass; im Glauben wird Unglaube sichtbar, in Züchtigkeit Unzucht, im Erfolg die Verzweiflung, in der Kirche der Atheismus.“

Der Vers, über den Kurt Marti hier spricht, hat mich in den vergangenen Tagen begleitet, als ich an einem Meditationsretreat in einem Kloster teilnahm. Ich sass viele Stunden auf dem Kissen, ohne Aussenkontakt, durchaus im Halbdunkel, nachts im Mondlicht. Die Meditationslehrerin gab mir dieses „Schlüsselwort“, um darüber zu brüten, es wiederzukäuen, gleichsam zu mümmeln. Der auf einen Vers reduzierte Textbestand begann in mir zu arbeiten, grub sich hinab in tiefere Schichten, tauchte ein in den Urgrund:

"Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar werden, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll."

Zurück im Alltag, lässt mich der Vers nicht mehr los. Und so habe ich angefangen, Predigten wie jene von Kurt Marti, Textmeditationen und wissenschaftliche Kommentare dazu zu lesen. Nun hoffe ich, dass das alles zusammenfliesst in einer Predigt am kommenden Sonntag. Weil der Vers im Markus-Evangelium steht, fügt sich die Predigt bestens in den » Markus-Zyklus ein. Ansonsten wird sie möglicherweise eine etwas andere Qualität haben, eben: weil der Predigttext sich auf einen Vers beschränkt und weil ich ihn lange gemümmelt habe.

Was immer rauskommt in den kommenden Tagen: Herzliche Einladung zum Gottesdienst der Gesamtgemeinde!

Andreas Fischer
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer