Leises, letztes Glück: Gottesdienst in der Osterzeit, mit Liedern des Gospelchors, Improvisationen von Christian Gutfleisch und einer Predigt in der Kohelet-Reihe

Momente (Foto: Jutta Wurm) — Wandbehang im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst
Musik: Gospelchor Rheinfelden, Christian Gutfleisch
Kollekte: CEVI Basel
8, 10 Ich sah, wie Ungerechte begraben wurden und zur Ruhe eingingen; die aber Recht getan hatten, mussten von der heiligen Stätte weichen und wurden in der Stadt vergessen. Auch das ist nichtig. 11 Weil das Urteil über die böse Tat nicht sogleich vollstreckt wird, wächst in den Menschen die Lust, Böses zu tun. 12 Denn ein Sünder tut hundertmal Böses und lebt doch lange.

Ich aber weiss: Es ist gut für die Gottesfürchtigen, dass sie sich fürchten vor Gott. 13 Und es ist nicht gut für den Frevler, und er wird nicht länger leben als ein Schatten, wenn er sich nicht fürchtet vor Gott.

14 Es gibt Nichtiges, das auf Erden geschieht: Es gibt Gerechte, denen es ergeht, als hätten sie gehandelt wie Frevler, und es gibt Frevler, denen es ergeht, als hätten sie gehandelt wie Gerechte. Ich dachte: Auch dies ist nichtig.

(Koh 8, 10-14)


Da ist also die Rede von „Ungerechten“, die jede religiöse Bindung abschütteln, es zu Reichtum bringen und zuletzt ein ehrenvolles Begräbnis erhalten. Und da ist die Rede von „Gerechten“, d.h. frommen, einfachen Menschen, die im Dorf keine Beachtung finden, zuletzt kein Grab auf dem Friedhof erhalten und rasch in Vergessenheit gehen.

Durch die Bestattung wurde nach antikem Verständnis der Verstorbene in eine Lebende und Tote umfassende Gemeinschaft hineingenommen. Kein Grab zu erhalten, bedeutete entsprechend: totalen Tod, vollkommene Auslöschung der Identität.

Dass dies ausgerechnet den „Gerechten“ wiederfährt, ist gemäss Kohelet „nichtig“, „Windhauch“. Was meint er damit?

In älteren Kommentaren ist zu lesen, „nichtig“ bedeute „absurd“. Kohelet weise auf einen absurden Missstand hin, ja, sein Windhauch-Urteil beweise, dass das Leben insgesamt widersinnig und sinnlos sei.

In neueren Kommentaren ist die Deutung von „Windhauch“ eine andere: Dass die offensichtliche Ungerechtigkeit „Windhauch“ sei, bedeute, dass die Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort hat.

Was sich hingegen in guten und schlechten Zeiten und vielleicht auch in Ewigkeit als tragfähig erweist, ist die „Gottesfurcht“. Sie meint gemäss Kohelet nicht „Angst vor Gott“, sondern „Religiosität“, „Verbundenheit mit dem göttlichen Ursprung“. Solche „Gottesfurcht“ trägt den Wert in sich selber, unabhängig von äusserem Erfolg und Wohlergehen und manchmal sogar wider den Augenschein:

„Es geht dem Gottesfürchtigen nicht deshalb gut, weil er durch Gottesfurcht ein (äusserlich beobachtbares) Wohlergehen erringen könnte. Vielmehr haben die, die Gott fürchten, in sich eine Dimension des Göttlichen, die ihnen eine andere Art von Wohlergehen beschert, ein Wohlergehen abseits eines äusserlich beobachtbaren Ergehens.“ (nach Schwienhorst-Schönberger und Birnbaum)

Ungerechtigkeit hat nicht das letzte Wort, und es gibt ein letztes Glück, das nicht vom Erfolg in dieser Welt abhängt: Das ist - leise angedeutet und ohne weggerückten Stein und geheimnisvolle Erscheinungen des Auferstandenen auskommend - nichts anderes als die Osterbotschaft.

Herzliche Einladung zum Gottdienst in der Osterzeit, mit einer nachdenklichen Predigt in der » Kohelet-Reihe, Improvisationen des Jazz-Pianisten Christian Gutfleisch und Liedern des Gospelchors unter der Leitung von Akira Tachikawa, die den österlichen Glanz aufscheinen lassen:

Andreas Fischer
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer