Gottesdienst und Grillfest zum 50-jährigen Bestehen des Kirchgemeindehauses Kaiseraugst

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Pfarrperson: Pfr. Andreas Fischer
Musik: Rani Orenstein
Kollekte: KIK Patenschaften
Im Jahr 1967, also vor fünfzig Jahren, wurde das reformierte Kirchgemeindehaus in Kaiseraugst eingeweiht. Am kommenden Sonntag, den 13. August begehen wir das Jubiläum mit Gottesdienst (Beginn 10 Uhr, mit Kinderbetreuung) und anschliessendem Grillfest (mit Salat- und Kuchenbuffet, Büchsenstand, Bastelecke, Buttonmaschine etc., sowie einer Ausstellung mit Bauplänen und Fotos aus guten alten Zeiten!).

Der kleine Jubiläumsanlass steht selbstverständlich allen, Kaiseraugstern und Nichtkaiseraugsterinnen, Reformierten und Nichtreformierten offen. Herzliche Einladung – um es mit Pfr. Jürg Fahrni zu sagen – „zum Singen und zum Beten, aber auch zum Essen und sich Freuen“! Dass sowohl Architekt Emil Aeschbach als auch Kirchenpfleger und Gemeindeschreiber Willy Zinniker zugegen sein werden, ist den Einladenden eine Freude und Ehre.

Im Namen des Vorbereitungsteams: Pfr. Andreas Fischer


Der Bauherr der Seelenabschussrampe

Auf der Suche nach Informationen über die Entstehung des Gebäudes findet man zunächst ein Predigtmanuskript des damaligen Pfarrers Jürg Fahrni. Darin beschreibt er das Konzept des Kirchgemeindehauses. Dieses sei in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts aufgekommen und habe sich von „eigentlichen Kirchen mit Schiff und Chor und Glocken“ bewusst abheben wollen. „Es waren reine Zweckbauten, die in sich selber nichts Heiliges hatten“, schreibt Fahrni, oft seien sie „absichtlich hässlich“ gebaut worden. Davon sei man im Verlauf der folgenden Jahrzehnte aber glücklicherweise wieder abgekommen. Das Kaiseraugster Kirchgemeindehaus ist gemäss Fahrni eine gelungene Kombination aus Form und Funktion: „Ich meine, unser Kirchgemeindehaus ist ein schönes Haus und dient dem Zweck, Menschen zusammenzuführen zum Singen und zum Beten, aber auch zum Essen und sich Freuen.“

Den Architekten, der dieses Gebäude einst konzipiert hatte, findet man dank der Recherchen des Präsidenten des reformierten Gemeindevereins Kaiseraugst, Jos van der Marel, der selber Architekt ist, in Küttigen in der Nähe von Aarau. Emil Aeschbach, inzwischen 95-jährig, erfreut sich bester Gesundheit. Wir sitzen im Garten, es ist früher Nachmittag, „zum Anfang“, sagt er, „nehmen wir einen Weissen“. Kurz darauf tauchen seine ehemaligen Partner im Architekturbüro „Aeschbach Felber Kim“ auf. Beide wohnen in der Nähe, die drei sind seit der Kantonsschulzeit und weit über die Pensionierung hinaus miteinander befreundet. Eigentlich habe er immer allein arbeiten wollen, erzählt Aeschbach, „aber die beiden waren ausgesprochene Glücksfälle. Die waren vom KTV Aarau, dem Kantonsschüler Turnverein, unserer Studentenverbindung.“

Es waren andere Zeiten, damals, und es scheinen nicht die schlechtesten gewesen zu sein. Streit im Team gab es nicht, sagen die drei unisono. Das verbindende Prinzip des Büros lautete, „keine Prinzipien zu haben“. „Beziehungsweise“, präzisiert Aeschbach nach kurzem Nachdenken, „Ernsthaftigkeit und Konzentration bei der Arbeit, das waren natürlich schon gemeinsame Werte, und eben auch Freundschaft, Generosität, Humor.“ Bis heute spricht man sich nicht mit dem Vor-, sondern dem Cerevis-, dem Biernamen an. Der eine heisst Simba, der andere Tschupp, der dritte Tusch, weil er zu Gymizeiten gut zeichnen konnte.

Das erste Hochhaus und le Choix du Roi

Nach Aktivdienst, Abschluss des ETH-Studiums, Praktika, ersten Anstellungen und einer Studienreise in den Norden Europas machte sich Emil Aeschbach selbständig. Nun wollte er, von den Filmen Marcel Pagnols fasziniert, nach Südfrankreich auswandern. Die Lebensweise und das Klima dort, vermutet er, hätten ihm besser behagt. Doch just jetzt, kurz vor der Abreise, gewann er den Wettbewerb für das Schwesternhaus des Kantonsspitals und baute, gerade mal 34-jährig, das erste Hochhaus in Aarau. „Mach nöd s Chalb“, sagte er am Telefon, als er den Zuschlag bekam, „wer bisch eigentli?“ Er sei der Adjunkt des Kantonsbaumeisters, antwortete der andere. Schliesslich konnte er ihn davon überzeugen, dass er keinen Chabis erzähle. Aeschbach blieb in der Schweiz, heiratete, wurde Vater eines Buben, eines Meitli, wieder eines Buben und nochmals eines Meitli. Le choix du Roi nenne man diese Reihenfolge.

Nach dem Zuschlag für’s Schwesternhaus kaufte Emil Aeschbach kurz vor Ladenschluss eine Schweizerfahne und entrollte sie aus dem Bürofenster im 3. Stock an der Bahnhofstrasse. Wenn die Fahne fortan dort raushing, fragten die anderen Architekten: „So, was händ er wieder gwunne?“ Das Architekturbüro hat bis heute Bestand, nur die Namen haben zum Teil gewechselt, statt „Aeschbach Felber Kim“ heisst man heute „Felber Widmer Schweizer“.

Dass Emil Aeschbach das Kaiseraugster Kirchgemeindehaus baute, hatte ebenfalls mit Aarauer Beziehungen zu tun. Der Vorschlag eines lokalen Architekten befriedigte die hiesige Baukommission nicht. Da erinnerte sich Willy Zinniker, damals Kaiseraugster Gemeindeschreiber und Kirchenpfleger, an den ehemaligen Schulkollegen aus der Bezirksschule in der Kantonshauptstadt. Emil Aeschbach reichte dann auch ein Modell ein. Auch dieses fand keinen Anklang, jedenfalls nicht in seiner professionellen Version aus Balsaholz. Also bastelte man für die Baukommission ein sogenanntes Laienmodell, „mit einer Umgebung mit Blüemli und einem Dach, das mit Papierziegeln beklebt war“. Nun war die Baukommission begeistert, und Herr Felber alias Tschupp, damals noch Praktikant bei Aeschbach, meint sich sogar noch an „etwas Mysteriöses“ zu erinnern, eine Art Beweis dafür, dass der liebe Gott selber wollte, dass das Büro den Zuschlag erhielt: Das Modell fiel nämlich vom obersten Tablar im Schrank runter und landete unbeschädigt auf dem untersten Tablar. Das sei quasi ein Wunder gewesen, das Projekt schien wirklich in Gottes Hand zu liegen, erzählt Felber lachend. Er habe davon nichts mitgekriegt, lautet Aeschbachs lakonischer Kommentar.

Ein Direktauftrag von oben

Der Bau orientierte sich, wie das damals en vogue war, an der Architektur der nordischen Länder. Das Pultdach gefiel der Baukommission – „sonst stünde es ja nicht hier“ –, aber nicht der ganzen Bevölkerung. Eine „Seelenabschussrampe“ sei das, knurrten manche. Vielleicht sei es nicht so schlecht gewesen, dass „einer von weiter weg“ das Gebäude zu verantworten hatte. Der Kirchturm aber, betont Aeschbach, sei später dazugekommen und von einem anderen Architekturbüro entworfen worden.

Unterdessen hat’s angefangen zu regnen. Wir gehen ins Haus, dessen Pultdach ans Kaiseraugster Kirchgemeindehaus erinnert, die Wände sind behängt mit Gemälden. Eine Sammlung sei das aber nicht, sagt Emil Aeschbach, eine Sammlung hätte ein inneres Ziel und eine Begrenzung. Er habe alles durcheinander, auch hier drinnen gelte das Prinzip, keine Prinzipien zu haben. Das Haus kommt der Kunst zupass. Da sind hohe Fenster und Wände, da ist viel Licht und viel Luft, „raumhohe vertikale Fenster“ erläutert Aeschbach das Raumkonzept, „geben bei gleicher Helligkeit mehr Wandfläche für Bilder und Bücher.“

Ganz zum Schluss wagt man, die religiösen Fragen zu stellen. Was das Gebäude angeht, entspricht die Antwort jener, die nach Jürg Fahrnis Predigt zu erwarten war: Da war keine religiöse Botschaft beabsichtigt. Oder doch? Der Innenraum sollte „hell sein, aber nicht blenden“. Und: „Es wurde nicht gestritten“. Das wären doch, denkt man, durchaus religiöse Botschaften. Was den eigenen religiösen Bezug anbelangt, sagt Emil Aeschbach, sei er „weder Kirchgänger noch –sänger“. Er habe durchaus seinen Glauben, aber der sei chli anders. Schöne Kirchen schaue er gern an, wenn sie denn offen stehen. Und das Kirchgemeindehaus zu bauen, das sei eine schöne Aufgabe gewesen, gleichsam ein „Direktauftrag“ von oben.

Andreas Fischer
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer
aktualisiert mit kirchenweb.ch
Autor: Andreas Fischer