2026
Veranstaltungen für
Verantwortlich für diese Seite: Andreas Fischer
Bereitgestellt: 06.05.2024
Musik: Assel Abilseitova
Kollekte: Kantonal: Protestantisch-kirchlicher Hilfsverein
Ich kenne die Geschichte seit Kindesbeinen, als mein Vater, wenn ich verschlafen hatte, mich dem Spruch zur Schule schickte: „Nimm dein Bett und geh!“ Und gerade eben, beim Gottesdienst mit Begrüssung unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden, habe ich darüber gepredigt.
Doch man entdeckt bei dieser wie bei jeder guten Geschichte immer wieder Neues. Und so werde ich anlässlich eines schlichten Sonntagmorgengottesdienstes im kleinen Kreis ganz ohne „Event“-Charakter ("richtig reformiert, radikal reduziert") noch einmal Bezug nehmen auf die „Heilung eines Gelähmten“, wie sie im Markusevangelium 2, 1-12 überliefert ist:
Die Heilung eines Gelähmten (Mk 2, 1-12)
1 Und als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum ging, wurde bekannt, dass er in einem Haus sei. 2 Und viele versammelten sich, so dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war. Und er sagte ihnen das Wort. 3 Da kommen einige, die einen Gelähmten zu ihm bringen; vier von ihnen trugen ihn. 4 Und weil sie ihn wegen des Gedränges nicht bis zu ihm hinbringen konnten, deckten sie dort, wo er war, das Dach ab, rissen es auf und liessen die Bahre, auf der der Gelähmte lag, hinab. 5 Und als Jesus ihren Glauben sieht, sagt er zu dem Gelähmten: Kind, dir sind die Sünden vergeben!
6 Es sassen dort aber einige Schriftgelehrte, die dachten bei sich: 7 Was redet der so? Er lästert! Wer kann Sünden vergeben ausser Gott? 8 Und sogleich erkennt Jesus in seinem Geist, dass sie solche Gedanken hegen, und spricht zu ihnen: Warum hegt ihr solche Gedanken? 9 Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind die Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Bahre und geh umher? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben - sagt er zu dem Gelähmten:
11 Ich sage dir, steh auf, nimm deine Bahre und geh nach Hause! 12 Und der stand auf, nahm sogleich die Bahre und ging vor aller Augen hinaus, und alle waren fassungslos und priesen Gott und sagten: Nie haben wir solches gesehen!
In der Predigt werden „ketzerische“ Einsichten der wissenschaftlichen Theologie eine Rolle spielen, wie jene, dass die Geschichte offenbar nicht aus einem Guss geschrieben ist. Lassen Sie versuchsweise die Verse 6-10 weg – die Story wird so doch viel kohärenter, oder? Offenbar ist eine ursprünglich einfach gestrickte Wundergeschichte durch ein theologisch stark aufgeladenes Streitgespräch mit den Schriftgelehrten ergänzt worden. Doch gerade so, scheint mir, wird die Geschichte richtig interessant!
Ebenfalls eine Rolle spielen werden Überlegungen des zeitgenössischen Theologen und Psychoanalytikers Eugen Drewermann. Drewermann verweist auf Sigmund Freud, der die Heilung einer gelähmten Frau im psychoanalytischen Prozess beschreibt. Die biblische Geschichte, die auf den ersten Blick mirakulös und auch befremdlich wirkt, schildere, sagt Drewermann, „die Heilung von einer Krankheit, die wir alle kennen, weil wir alle mehr oder minder unter ihr leiden“. Wenn Jesus zum Gelähmten sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben!“, dann meint das nichts Moralisches, es meint die „Schuld des ungelebten Lebens“. Es gelte, sagt Drewermann, mit der Geschichte und den darin handelnden Personen, „gleichzeitig“ zu werden, als wäre ich selber hier und heute in die Geschichte involviert, sei es
- als Gelähmter,
- als dessen Freunde, welche „die Hindernisse wegzuräumen helfen, die einen anderen Menschen daran hindern, im eigentlichen seinem Heil zu begegnen“
- als „Menschensohn, der Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben“ (V. 10): Drewermann kommt zum radikalen Schluss, dass Jesus mit dem „Menschensohn“ nicht nur sich selbst, sondern potenziell jedes Menschenkind meine: „Jeder, der von ihm etwas begriffen hat, verfügt über die Macht, im Namen Gottes Menschen von der Angst und der Last ihrer Schuld zu befreien.“
Herzliche Einladung zu diesem Gottesdienst mit Predigt zu „Nimm dein Bett und geh" 2.0!
Doch man entdeckt bei dieser wie bei jeder guten Geschichte immer wieder Neues. Und so werde ich anlässlich eines schlichten Sonntagmorgengottesdienstes im kleinen Kreis ganz ohne „Event“-Charakter ("richtig reformiert, radikal reduziert") noch einmal Bezug nehmen auf die „Heilung eines Gelähmten“, wie sie im Markusevangelium 2, 1-12 überliefert ist:
Die Heilung eines Gelähmten (Mk 2, 1-12)
1 Und als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum ging, wurde bekannt, dass er in einem Haus sei. 2 Und viele versammelten sich, so dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war. Und er sagte ihnen das Wort. 3 Da kommen einige, die einen Gelähmten zu ihm bringen; vier von ihnen trugen ihn. 4 Und weil sie ihn wegen des Gedränges nicht bis zu ihm hinbringen konnten, deckten sie dort, wo er war, das Dach ab, rissen es auf und liessen die Bahre, auf der der Gelähmte lag, hinab. 5 Und als Jesus ihren Glauben sieht, sagt er zu dem Gelähmten: Kind, dir sind die Sünden vergeben!
6 Es sassen dort aber einige Schriftgelehrte, die dachten bei sich: 7 Was redet der so? Er lästert! Wer kann Sünden vergeben ausser Gott? 8 Und sogleich erkennt Jesus in seinem Geist, dass sie solche Gedanken hegen, und spricht zu ihnen: Warum hegt ihr solche Gedanken? 9 Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind die Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Bahre und geh umher? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben - sagt er zu dem Gelähmten:
11 Ich sage dir, steh auf, nimm deine Bahre und geh nach Hause! 12 Und der stand auf, nahm sogleich die Bahre und ging vor aller Augen hinaus, und alle waren fassungslos und priesen Gott und sagten: Nie haben wir solches gesehen!
In der Predigt werden „ketzerische“ Einsichten der wissenschaftlichen Theologie eine Rolle spielen, wie jene, dass die Geschichte offenbar nicht aus einem Guss geschrieben ist. Lassen Sie versuchsweise die Verse 6-10 weg – die Story wird so doch viel kohärenter, oder? Offenbar ist eine ursprünglich einfach gestrickte Wundergeschichte durch ein theologisch stark aufgeladenes Streitgespräch mit den Schriftgelehrten ergänzt worden. Doch gerade so, scheint mir, wird die Geschichte richtig interessant!
Ebenfalls eine Rolle spielen werden Überlegungen des zeitgenössischen Theologen und Psychoanalytikers Eugen Drewermann. Drewermann verweist auf Sigmund Freud, der die Heilung einer gelähmten Frau im psychoanalytischen Prozess beschreibt. Die biblische Geschichte, die auf den ersten Blick mirakulös und auch befremdlich wirkt, schildere, sagt Drewermann, „die Heilung von einer Krankheit, die wir alle kennen, weil wir alle mehr oder minder unter ihr leiden“. Wenn Jesus zum Gelähmten sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben!“, dann meint das nichts Moralisches, es meint die „Schuld des ungelebten Lebens“. Es gelte, sagt Drewermann, mit der Geschichte und den darin handelnden Personen, „gleichzeitig“ zu werden, als wäre ich selber hier und heute in die Geschichte involviert, sei es
- als Gelähmter,
- als dessen Freunde, welche „die Hindernisse wegzuräumen helfen, die einen anderen Menschen daran hindern, im eigentlichen seinem Heil zu begegnen“
- als „Menschensohn, der Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben“ (V. 10): Drewermann kommt zum radikalen Schluss, dass Jesus mit dem „Menschensohn“ nicht nur sich selbst, sondern potenziell jedes Menschenkind meine: „Jeder, der von ihm etwas begriffen hat, verfügt über die Macht, im Namen Gottes Menschen von der Angst und der Last ihrer Schuld zu befreien.“
Herzliche Einladung zu diesem Gottesdienst mit Predigt zu „Nimm dein Bett und geh" 2.0!
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer



