Der Mann, der aus den Gräbern stieg – Gottesdienst mit Predigt über den „besessenen Gerasener“ (Mk 5, 1-20) im Rahmen des Markus-Zyklus

Evangelist Markus mit seinem Symbol, dem Löwen (Foto: Frans Vandewalle / flickr / wikiart)
Musik: Assel Abilseitova
Kollekte: Amis du Sénégal
Es ist die merkwürdigste, ausführlichste, am breitesten erzählte, am buntesten ausgemalte Wundergeschichte der Bibel, über die ich diesmal im Rahmen des » Markus-Zyklus zu predigen versuche. Fachleute vermuten dahinter einen deftigen, burlesken Schwank, der vom prahlenden Satan handelt, der dann übertölpelt wird.

Und tatsächlich: Die Erzählung vom „Besessenen von Gerasa“ (Markusevangelium 5, 1-20; Text siehe unten) hat Züge, die übertrieben und dadurch humorvoll-komisch wirken: Die Selbstbezeichnung des Dämons mit dem Fremdwort „Legion“ (was die grösste militärische Einheit der römischen Besatzungsmacht meint), die Beschwörung des „Sohns des höchsten Gottes“ „bei Gott“ (!), ihn, den Dämon, nicht zu foltern. Der suizidale Sturz von zweitausend Schweinen ins Meer. Usw.

Komik beisst sich nicht mit tiefem Ernst. Dass der Mann aus den Gräbern stieg, deutet an: Das hier ist eine Auferstehungsgeschichte. Der Humor soll den urchristlichen Risus paschalis bewirken, das Osterlachen als Reaktion darauf, dass Christus den Tod besiegt. Und zwar hier schon, heute schon, mitten in den lebensverneinenden Kräften, Mächten, Dynamiken, Strukturen, in denen wir da unten auf Erden leben.

Text: Der Besessene von Gerasa (Mk 5, 1-20; Übersetzung: Zürcher Bibel)

5, 1 Und sie kamen ans andere Ufer des Sees in das Gebiet der Gerasener. 2 Und kaum war er aus dem Boot gestiegen, lief ihm sogleich von den Gräbern her einer mit einem unreinen Geist über den Weg. 3 Der hauste in den Grabhöhlen, und niemand mehr vermochte ihn zu fesseln, auch nicht mit einer Kette. 4 Denn oft war er in Fussfesseln und Ketten gelegt worden, doch er hatte die Ketten zerrissen und die Fussfesseln zerrieben, und niemand war stark genug, ihn zu bändigen. 5 Und die ganze Zeit, Tag und Nacht, schrie er in den Grabhöhlen und auf den Bergen herum und schlug sich mit Steinen. 6 Und als er Jesus von weitem sah, lief er auf ihn zu und warf sich vor ihm nieder 7 und schrie mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott: Quäle mich nicht! 8 Er hatte nämlich zu ihm gesagt: Fahr aus, unreiner Geist, aus dem Menschen! 9 Und er fragte ihn: Wie heisst du? Und er sagt zu ihm: Legion heisse ich, denn wir sind viele. 10 Und sie flehten ihn an, sie nicht aus der Gegend zu vertreiben. 11 Nun weidete dort am Berg eine grosse Schweineherde. 12 Da baten sie ihn: Schick uns in die Schweine, lass uns in sie fahren! 13 Und er erlaubte es ihnen. Da fuhren die unreinen Geister aus und fuhren in die Schweine. Und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter in den See, an die zweitausend, und sie ertranken im See.

14 Und ihre Hirten ergriffen die Flucht und erzählten es in der Stadt und auf den Gehöften. Und die Leute kamen, um zu sehen, was geschehen war. 15 Und sie kommen zu Jesus und sehen den Besessenen dasitzen, bekleidet und bei Sinnen, ihn, der die Legion gehabt hat. Da fürchteten sie sich. 16 Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie es dem Besessenen ergangen war, und die Sache mit den Schweinen. 17 Da baten sie ihn immer dringlicher, aus ihrem Gebiet wegzuziehen.

18 Und als er ins Boot stieg, bat ihn der Besessene, bei ihm bleiben zu dürfen. 19 Aber er liess es nicht zu, sondern sagt zu ihm: Geh nach Hause zu den Deinen und erzähle ihnen, was der Herr mit dir gemacht hat und dass er Erbarmen hatte mit dir. 20 Und der ging weg und fing an, in der Dekapolis kundzutun, was Jesus mit ihm gemacht hatte. Und alle staunten.
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer