Neujahrsgottesdienst

VaB_JL2026 (Foto: Bild von Stefanie Bahlinger)
Musik: Rani Orenstein
Mitwirkung: Mirjam Striegel, Gesang
Kollekte: Stiftung Mutter und Kind (Inlandprojekt)
Stefanie Bahlinger (Jahreslosung.eu ist ein Service des Verlag am Birnbach: //www.verlagambirnbach.de/)

«Siehe, ich mache alles neu» Offenbarung 21,5

So spricht Gott von seinem Thron im Buch der Offenbarung. Und diese Worte sollen nun als Jahreslosung 2026 über der kommenden Zeit stehen. Vor Monatsfrist habe ich die hoffnungsvolle Aussage dieser Bibelstelle als weither geholt empfunden. Warum? Weil eine Trendwende der globalen Entwicklungen nicht in Sicht ist. Weil wir ziemlich sicher noch nicht in der Talsohle angekommen sind. Weil ich momentan wenig Anlass für Optimismus sehe.

Bei einem zweiten Blick auf den Vers aus der Offenbarung des Johannes scheint mir seine Aussage doch der gegenwärtigen Weltlage angemessen. Denn diese Schrift wendet sich an Menschen, die in einer akuten Umbruchsituation leben und wenig Grund für Optimismus haben. Für die Adressaten der Johannes-Apokalypse bedeutet „Ich mache alles neu“ nicht, dass das bestehende Macht- und Unterdrückungsgebilde des Römischen Reiches einfach repariert oder verbessert werden könne. Diese Schrift vertritt die Sicht, dass dieses System – symbolisiert abwechselnd als Drache, Tier, Hure oder Babylon – unheilbar korrupt ist und von Gott selbst gestürzt werden muss. Anders gesagt, die Sehnsucht nach einer radikalen Erneuerung hat ihre Wurzeln im Pessimismus, nicht im Optimismus. Die Alternative zwischen Reparieren und Ersetzen kennen wir aus unserem alltäglichen Umgang mit kaputten Geräten. Der Autor der Offenbarung blickt auf eine Welt, die er für kaputt hält. Und mit dieser Beurteilung spricht er auch manchem Zeitgenossen im 21. Jahrhundert aus der betrübten Seele.

Aber die Offenbarung bleibt nicht bei einer illusionslosen Einschätzung der Weltlage stehen. Die Jahreslosung ist Ausdruck einer Hoffnung, die gerade in die Hoffnungslosigkeit hineingesprochen wird.

Über den Schreckensbildern steht doch die Überzeugung, dass Gott das Unrecht entmachten und die Lügen-Propheten entlarven wird. Dass für die Opfer Recht geschaffen und ein neues, gerechtes Leben möglich wird. Das alles ist etwas Neues, etwas Unerhörtes.

In der Offenbarung bedeutet „neu“ den Anbruch einer neuen Ordnung, in der jeder Götzendienst überwunden ist, während Liebe, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit regieren. Dies lässt sich auch als Hoffnung auf ein Ende der Geschichte beschreiben, um den Begriff von Francis Fukuyama in die damalige Zeit zurückzuprojizieren.

Meine Hoffnung ist eine etwas andere. Davon will ich am 1. Januar im Neujahrsgottesdienst sprechen. Und beim anschliessenden Brunch erfahre ich gerne von Ihnen, welche Hoffnung Sie ins neue Jahr begleitet.
Leszek Ruszkowski
Kontakt: Pfr. Leszek Ruszkowski