Gottesdienst der Gesamtgemeinde

Ludwig_Haetzer_Stich aus dem 17. Jhdt<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rheinfelden.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>553</div><div class='bid' style='display:none;'>7603</div><div class='usr' style='display:none;'>68</div>
Musik: Sebestyén Nyírő
Kollekte: Verein Anker für Psychisch Kranke
Radikale Reformation

Das Thema lässt mir keine Ruhe: Im Zusammenhang mit der Vortragsreihe zum Zwinglijahr begegnen einem Persönlichkeiten des sog. „linken“, „spiritualistischen“, „mystischen“ Flügels der Reformation. Sie wurden verketzert, starben jung und gingen vergessen. In einer zweiteiligen Predigtreihe in Rheinfelden (24. Februar, 3. März; jeweils 10 Uhr) werde ich versuchen, sie – ihre Überzeugungen, ihre Sprachkraft, ihre Aktualität – zu Wort kommen zu lassen.

Da ist, zum Beispiel, Ludwig Hätzer (1500-1529). Sein kurzes, bewegtes, gewaltsam endendes Leben wird Thema des Bildungsabends am 28. März (19.15 Uhr im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst) sein. Hätzer wiederum war befreundet mit Hans Denck (ca. 1500-1527), der im selben Jahr zur Welt gekommen war und 27-jährig in Basel an der Pest starb.

Die beiden jungen Männer übersetzten als erste überhaupt die biblischen Propheten aus dem Hebräischen ins Deutsche. Sowohl Luther als auch Zwingli kannten und verwendeten die Übersetzung als Vorlage bei der Verfassung der Luther- und der Zürcher Bibel. Das hinderte sie aber nicht daran, über das Werk und die Autoren herzuziehen. Bei der Übersetzung, kritisierte Luther, hätten Hätzer und Denck Hilfe bei jüdischen Gelehrten gesucht. Es müsse einem grausen ob dieser Verdolmetschung, wetterte Zwingli. Diese Rädelsführer von Sekten und Rotten hätten mehr Unruhe gestiftet als das gesamte Papsttum. Sie würden die Gottheit Christi verneinen und die Allversöhnung lehren, die auch die Gottlosen selig spricht.

Ja, hmm, fragt man sich: Wo liegt das Problem?

Ich kann meine Sympathie für die Denkart Dencks und des Ketzers Hätzer nicht leugnen. Und werde in zwei Predigten versuchen, dem auf die Spur zu kommen, was der Schweizer reformierte Pfarrer und Theologieprofessor Walter Nigg einst als „Heimliche Weisheit“ im Protestantismus bezeichnet hat. „Dem katholischen Heiligen“, schrieb Nigg, „wird eine lebhafte Verehrung entgegengebracht, während die evangelische Christenheit von ihren Mystikern kaum Notiz nimmt und sie einer unbegreiflichen Vergessenheit anheimfallen lässt“. Sie werden, betrüblicher noch, „als Sonderlinge, Phantasten und Schwärmer geschmäht“.
There must be another way! Versuchen wir, der message der geschmähten Schwärmer zu lauschen!

Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten, die selbstverständlich auch einzeln besucht werden können!

Andreas Fischer
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer
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