Ökumenischer Bettagsgottesdienst: "Gott hat das erste Wort"

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Musik: Marta Casulleras
Kollekte: Cartons du Coeur
Der diesjährige ökumenische Bettags-Gottesdienst findet im reformierten Kirchgemeindehaus statt (Beginn: 10 Uhr). Er steht unter dem Thema „Gott hat das erste Wort“, dem Titel jenes Lieds, das im katholischen Kirchgesangbuch an erster Stelle steht (im RG: 260).

Vox Raurica, der katholische Kirchenchor hat dieses Lied mehrstimmig einstudiert und wird es gemeinsam mit der Gemeinde singen. Auch sonst gestaltet die Vox Raurica den Gottesdienst musikalisch mit, unter der Leitung von Angelika Hirsch und begleitet von unserer Pianistin Marta Casulleras. Unter anderem bringt der Chor J.S. Bachs „Jesus bleibet meine Freude“ zur Aufführung.

Zum Schluss singen wir die Nationalhymne, in guter alter Tradition vierhändig begeistert begleitet von Angelika Hirsch (deutsche Wurzeln) und Marta Casulleras (katalanische Wurzeln). Inhaltlich gestalten den Gottesdienst Diakon Stephan Kochinky (römisch-katholisch) und Andreas Fischer (reformiert). Die Predigt befasst sich, passend zum Thema, mit dem Johannesprolog: „Im Anfang war das Wort“.

Anschliessend Apero.

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Und voilà ein paar Prolegomena zur Predigt:

Ein klitzekleinwenig kommt man sich vor wie Goethes Dr. Heinrich Faust, bei weitem nicht so gebildet, natürlich, doch beinah so entnervt. Faust versucht in seiner Studierstube, den Anfang des Johannesevangeliums zu übersetzen:

Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?


Er könne, sinniert der Doktor, „so hoch das Wort unmöglich schätzen“, / er müsse „anders übersetzen“.

Grundsätzlich gilt es - mit diesem Prolegomenon (Vor-Satz) hat Faust zweifellos recht - bei den Anfängen besonders sorgfältig zu sein:

Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!


Der Druck auf den armen Doktoren wächst. Er erwägt, statt mit „Wort“ mit „Sinn“ oder „Kraft“ zu übersetzen. Schliesslich landet er bei der „Tat“. Im nächsten Moment erscheint ihm der Teufel, wie Karl Barth (1886-1968), der grösste Theologe des letzten Jahrhunderts, mit bissigem Basler Humor konstatiert.

Die Streitereien, die sich in Fausts Hirn abspielen, setzen sich in der Theologie fort bis zum heutigen Tag. Der eine behauptet, das griechische Wort „Logos“, das zumeist mit „Wort“ übersetzt wird, bedeute eigentlich „fast alles ausser ‚Wort‘“. Es bedeute viel eher „Plan“, „Zweck“, „Sinn“. Der andere wettert, das sei ein bedenklicher Rückschritt hinter das biblisch bezeugte „Sprechen“ Gottes „in die eher heidnischen Gefilde irgendwelcher ‚Zwecke‘ oder ‚Pläne‘ Gottes“.

Eine interessante und wiederum nicht humorlose Lösung des Dilemmas hat Karl Barth gefunden. Barth erinnert an den apokalyptischen Reiter in der Johannesoffenbarung, auf dessen Haupt „ein Name geschrieben steht, den niemand kennt“ (Apk. 19, 12). Eine Zeile später heisst es, der Name laute: „Wort (Logos) Gottes“. Der Name „Logos“ ist also wohl leserlich, aber nicht verständlich. Er steht als Leerstelle da, als Platzhalter für den, der am Ende des Johannesprologs auftaucht: Jesus Christus (V. 17).

Es gilt also, leer zu werden wie der Logos. Auf dass der Messias die Leerstelle füllt. Der Christus den Platz des Platzhalters einnimmt.
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer
aktualisiert mit kirchenweb.ch
Autor: Andreas Fischer