Ökumenischer Bettags-Gottesdienst im Freien

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Musik: Vox Raurica, Bläserensemble
Kollekte: oeku - Kirche und Umwelt
Auch dieses Jahr versuchen wir, unter Corona-Bedingungen, den Gottesdienst am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag ökumenisch zu feiern. Bei gutem Wetter findet er im Freien vor der römisch-katholischen Kirche St. Gallus und Othmar statt, musikalisch gestaltet von der Vox Raurica, die, begleitet von einem Bläser-Ensemble, Sätze aus der Deutschen Messe von Franz Schubert singen wird, teils gemeinsam mit der Gemeinde.

Der Bettag fällt in die Schöpfungszeit, die dieses Jahr thematisch dem Sehsinn gewidmet ist. Dazu passend wird sich die Predigt mit dem schönen Gedicht „Deine Augen sind Tauben“ aus dem Hohelied der Liebe befassen (eine kurze Betrachtung dazu ist unten angehängt).

Herzliche Einladung zum Gottesdienst!

Pfr. Andreas Fischer und Diakon Stephan Kochinky

(Bei – was Petrus verhüten möge – schlechtem Wetter würden wir den Gottesdienst, coronabedingt, separat in den je eigenen Kirchen feiern.)

„Deine Augen sind Tauben.“ (Hohelied 1, 15)

Die Zeile aus dem Hohelied der Liebe zeichnet sich aus durch äusserste Reduktion. Nicht einmal die Vergleichspartikel „wie“ hat da noch Platz. Geschweige denn eine Erläuterung, worin denn die Ähnlichkeit, die Einheit gar von Auge und Taube eigentlich bestehen soll. Der Satz „Deine Augen sind Tauben“ führt zurück in die ursprünglich-unmittelbare Sprach- und Vorstellungswelt des Kleinkinds. Man könnte ihn dort, im vorbewussten Raum einfach ruhen lassen. Doch ist es auch interessant, einen Blick auf die Erklärungen zu werfen, die in der Forschung gefunden worden sind für den seltsamen Vergleich. Sind die Augen der Freundin schön wie jene einer Taube? Nein, denn diese sind eher matt. Ist es die graublaue Farbe? Nein, denn die Augen der Orientalinnen sind dunkel. Ist es die Form? Kaum. Es steht jedenfalls nirgends geschrieben, dass der Umriss einer Taube in der Antike als besonders schön empfunden worden wäre.

Der Schweizer Alttestamentler Othmar Keel weist darauf hin, dass der Vergleichspunkt zwischen Auge und Taube nicht in der Gestalt, sondern in der Dynamik liegt. Mit den Augen sind eigentlich die Blicke gemeint: „Deine Blicke sind Tauben.“ Die Taube wiederum ist in der Antike das Tier der Liebesgöttin, der Ischtar, der Astarte, der Aphrodite. Grund dafür ist wohl ihr Liebesspiel, ihr Schnäbeln, das ans Küssen erinnert. Weiter ist die Taube Botin, etwa bei Noah, dem sie das frische Ölblatt überbringt als Zeichen des Endes der Sintflut. „Deine Augen sind Tauben“ würde dann – sinngemäss und unter Verlust der Poesie – bedeuten: „Deine Blicke sind Botinnen der Liebe“.

Wir befinden uns, jetzt im September, in der Schöpfungszeit. Sie ist dieses Jahr dem Sehsinn gewidmet. Die amerikanische Religionswissenschaftlerin und Ökoaktivistin Joanna Macy (* 1929) plädiert dafür, die Erde nicht als Selbstbedienungsladen und Müllhalde, sondern als Geliebte zu sehen: „Wenn du die Welt als Geliebte erfährst, kann alles Erscheinende Ausdruck dieses erotischen Impulses sein – sofern du ein kluges, sehendes Auge dafür hast. Er nimmt eben jetzt in jedem von uns Gestalt an, in allem und jedem, dem wir begegnen.“ Unsere Beziehung zur Erde würde eine andere, wenn wir sie mit Augen der Liebe betrachteten. Und ihren liebenden Blick in allen Wesen sähen.

Kontakt: Pfr. Andreas Fischer