"Ewigkeit fliesst in alle Wesenheiten hinein" - Gottesdienst im Advent, in Gedenken an Nelly Sachs

Maren Beßler_pixelio (Foto: Maren Beßler_pixelio)
Musik: Rani Orenstein
Kollekte: Peace Watch
Vor 130 Jahren, am 10. Dezember 1891 kam die grosse deutsch-jüdische Lyrikerin Nelly Sachs zur Welt. Vor 55 Jahren, am 10. Dezember 1966, Nelly Sachs‘ 75. Geburtstag, wurde sie mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Nelly Sachs wuchs in Berlin auf. Mit einem der letzten zivilen Flugzeuge konnte sie 1944 nach Schweden emigrieren.

Dort, im Exil begann sie, sich mit jüdischer Mystik zu befassen, mit den Schriften von Martin Buber und anderen. In diesen Schriften begegnete ihr die Lehre von den Funken, die sie faszinierte und die ihr Denken und Schreiben wesentlich prägte.

Diese Lehre von den Funken lässt sich in etwa so zusammenfassen: Im Anfang der Zeit, als die Welt geschaffen wurde und die Engel und Menschen fielen, da zerbrachen die göttlichen Gefässe. Das Licht, das in diesen Gefässen aufbewahrt war, vergoss sich in die materielle Schöpfung.

Seither finden sich in der Erde und all ihren Geschöpfen überall göttliche Funken; sie sind gleichsam fern von ihrer himmlischen Heimat im Exil.

„O die Lehre von den Funken!“, so schreibt staunend die Sachs:

„O die Lehre von den Funken! Wie einfach und natürlich fliesst das von Ewigkeit Gespeiste in alle Wesenheiten hinein…“

Aus der Ewigkeit fliessen, fallen also die Funken hinein in alle Wesen der Welt – es ist dieselbe Bewegung, die wir in unseren Adventsliedern besingen: Der Heiland kommt vom Himmel hoch, er öffnet Tor und Tür. Der Morgenstern geht auf und lässt die Nacht schwinden. Usw.

Herzliche Einladung zu diesem Gottesdienst im Advent, in Gedenken an Nelly Sachs!

Andreas Fischer
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer