"bienensüss" - Gottesdienst mit Vernissage der Ausstellung von Doris Horvath

IMG_0523 (Groß) (Foto: Andreas Fischer)
Musik: Assel Abilseitova
Kollekte: Inlandprojekt Hospiz
Im ersten Gottesdienst nach Ostern eröffnen wir in Kaiseraugst die Ausstellung "bienensüss" der Rheinfelder Künstlerin Doris Horvath. Der Titel ist inspiriert von ihren Bienenbildern (Näheres dazu unten im Porträt). «Süsse» ist aber auch in der christlichen Mystik ein wichtiger Begriff: Das Kreuz, das Abendmahlsbrot und sogar Gott selber werden als «süss» bezeichnet. Das wird Thema der Predigt sein.

Die Ausstellung wird in den kommenden Monaten jeweils samstags und sonntags von 10-17 Uhr geöffnet sein. Die Bienenbilder können käuflich erworben werden (120 Franken, ab drei Bildern je 100 Franken).

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Bezaubernde Bilder

Die Abstraktmalerin Doris Horvath wird nach Ostern im reformierten
Kirchgemeindehaus Kaiseraugst eine Ausstellung mit aktuellen Werken eröffnen. Ein Besuch in ihrem Atelier in Rheinfelden.


Von Andreas Fischer

Draussen regnet und stürmt es an diesem Donnerstagnachmittag im März, und auch im Atelier von Doris Horvath gäbe es Grund für trübe Stimmung. Eben hatte sie ein grosses Gemälde in hellen Farben beendet, zuletzt hatte sie die Schnäbel von Vögeln mit Pastellkreide rot angemalt und einen Fixateur draufgespritzt. Doch nun hat sich dieser durch die Farbschichten durchgefressen, der Teer darunter kommt zum Vorschein. Drei Monate hat Doris Horvath an dem Bild gearbeitet. Ob sie es retten kann? «Auf jeden Fall, aber ich weiss nicht, was dabei geschieht. Vielleicht entsteht etwas ganz Neues, man muss loslassen und vorwärtsschauen.»

Doris Horvaths Bilder vermitteln jene Helligkeit, die sie selber ausstrahlt. Schockieren, sagt sie, sei nicht ihre Art von Kunst. Die Menschen sollen Freude haben, sie sollen glücklich sein im Anblick ihrer Werke. Und weiter: «Meine Arbeiten sollen in der Einfachheit bleiben. Sie sollen direkt berühren, direkt ins Herz gehen, nicht, dass man zuerst eine A4-Seite lesen muss, um sie überhaupt zu verstehen. Für den Weg über den Kopf gibt es andere Medien, besonders die Sprache.» Sie sei keine Wortkünstlerin, sie wolle mit Bildern, nicht mit Worten bezaubern.

Doris Horvath absolvierte eine vierjährige Ausbildung an der Assenza Malschule in Münchenstein. Der Name der Schule geht zurück auf Beppe Assenza (1905–1985), einen italienischen Maler, der am Goetheanum in Dornach lehrte und dessen Werke sich aus dem Spannungsfeld von gegenständlicher und gegenstandsfreier Kunst entwickelte. Das gilt auch für Doris Horvath: Sie will Gegenständliches nicht naturalistisch abbilden. «In Zeiten, wo jedes Smartphone eine Kamera hat, ist es meiner Meinung nach nicht angesagt, konkret zu bleiben», sagt sie, und: «Du kannst die Natur sowieso nicht schöner malen, als sie ist.»

Asche, Erde, Mineralien

Die Verbundenheit mit der Natur kommt anderweitig zum Tragen. Doris Horvath will Atmosphären zum Ausdruck bringen. Inspirationen dazu erhält sie auf Reisen. Schon als ganz junge Frau reiste sie viel, nach Indonesien, Australien, in viele Länder Europas. Auch heute ist Reisen eine ihrer Leidenschaften, die sie auch beruflich ausleben kann. Für das Reiseunternehmen Baumeler leitet sie Malferien auf der Nordfriesischen Insel Amrum, auf der kanarischen Insel La Gomera, im Walliser Binntal und an anderen Orten. Der Zugang zu einem Ort, erzählt sie, sei ganz anders, wenn er über die Kunst geschieht. «Du schaust anders, du siehst Kleinigkeiten, Nuancen, Spuren, und die sind überall verschieden.»

Auf Amrum etwa gibt es den Brauch des Biikebrennens: Jeweils am 21. Februar werden vertrocknete Weihnachtsbäume und -gestecke zu hohen Holzhaufen am Meer aufgeschichtet und angezündet. Das Feuer vertreibt den Winter. Doris Horvath und ihre Gruppe sammeln dann jeweils die Asche und malen damit. Auf der Vulkaninsel La Gomera und im für seine Mineralien bekannten Binntal arbeitet man mit den Materialien vor Ort. In der Erde wühlen, mit der Erde arbeiten, sie mörsern, sieben, auftragen, wegkratzen, wieder neu auftragen, das sei eine Tätigkeit, die einen mit der Natur verbindet, sagt Doris Horvath. Und die glücklich mache. Die Künstlerin zeigt mir Schubladen voll mineralischer, organischer, synthetischer Farben, alle von hoher Intensität. Das Set ist im Verlauf vieler Jahre gewachsen und wächst laufend weiter.

Magische Momente

Wenn Doris Horvath ein neues Werk beginnt, spannt sie selber die Leinwand auf den Holzrahmen. Dann fängt sie an mit Grundieren. Das sei für sie wie ein meditatives Ankommen im Bild, erklärt die Künstlerin. Ideen zu den Gemälden entstehen spontan, «ich lasse mich häufig treiben von dem, was mir vor die Füsse fällt». Auch im Malprozess selber kann es sein, dass sich eine ursprüngliche Idee verändert. «Dass es mich ganz woanders hinführt.» Dabei kommt es manchmal zu dem, was Doris Horvath «magische Momente» nennt. Es gibt sie nicht oft, doch dann «fliesst es einfach», dann «malt es». «Dann ist das Hirn abgeschaltet, der Geist komplett ruhig, und anschliessend trocknest du das Bild, hängst es auf – und es stimmt.» Und was ist das «Es», das dann malt? «Manche sagen dem vielleicht Gott, ich weiss es nicht, man ist dann einfach im Fluss.» Und oft sei es anders, da sei es ein Ringen, bis zu vierzig Schichten trägt Doris Horvath auf ihren Bildern auf.

Beim «Kirchenbild» – dem Gemälde, das vorne im Chor der Rheinfelder Kirche hängt – sei sie oft in diesem Flow gewesen. «Ich sass ein paarmal in der Kirche, stellte mir die Menschen vor, die hier verweilen, die Trauernden bei Abdankungen, die Glücklichen bei Hochzeiten und Taufen, diesen Tief- und Gipfelpunkten im Leben.» Aus dieser Empfindung heraus fing sie an zu malen, ein Gemälde, «das niemanden verletzen darf, das zum Denken anregen und glücklich machen soll».

Wabenrähmchen als Bilderrahmen

Derzeit ist Doris Horvath an einer Reihe, bei der sie Wabenrähmchen verarbeitet, also Holzrahmen, welche die Bienen mit Hilfe von Wachs zu einer Wabe ausbauen. Auch diese Rähmchen waren ihr «vor die Füsse gefallen», anfangs des Lockdowns im Frühling letzten Jahres, bei einer Wanderung oberhalb von Magden. Ein Imker wollte sie verbrennen, Doris Horvath nahm sie mit in ihr Atelier, ohne zu wissen, was daraus entstehen soll. Sie reinigte sie mit einem Lappen, schliff sie ab mit Schmirgelpapier. Einen ganzen Tag lang habe sie geschrubbt und gefeilt, erzählt sie lachend, 45 solche Rähmchen seien es. Dass sie nicht ganz sauber sind, dass an manchen Stellen noch Wachs daran klebt, das ist durchaus beabsichtigt. Irgendwann bespannte Doris Horvath einige von ihnen mit Leinwand, auf andere tackerte sie Papier. Sie fotografierte Bienen, bemalte die Flächen mit Steinmehl, Pigmenten, Acryl. Eine weitere Serie folgte, mit Blumen, gemalt mit Steinmehl und Pastellkreide. Eine dritte Serie ist geplant, das Thema ist noch offen. Wie auch die Zukunft offen ist. Die Künstlerin schaut ihr zuversichtlich entgegen. Die Pandemie hat für sie als freischaffende Künstlerin schwerwiegende Folgen, die Malreisen mussten abgesagt werden, Ausstellungen ebenso, Kurse finden keine statt. Aber auch hier gilt gemäss Doris Horvath: loslassen und vorwärtsschauen. Vielleicht entsteht etwas ganz Neues.

BILDER: PRIVATARCHIV DORIS HORVATH (WWW.DORIS-HORVATH.CH)
Kontakt: Pfr. Andreas Fischer
Ausstellung Doris Horvath
22.03.2021
11 Bilder
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Fotograf/-in
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