20180823_RefRheinfelden_6_sRGB_finweb (Foto: Leszek Ruszkowski): Leszek Ruzkowski
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Bereitgestellt: 14.06.2022

Israel/Palästina: Rückblick

Die Gemeindereise nach Israel-Palästina liegt nun hinter uns. Mitgenommen haben wir viele Erinnerungen, Erlebnisse, Erkenntnisse. Sicher auch viele Fragen, die uns weiterhin begleiten werden. Einige Gedanken möchten die Reise-TeilnehmerInnen hier teilen.
Dominus Flevit Jerusalem (Foto: Leszek Ruszkowski)
See Genezareth (Foto: Leszek Ruszkowski)
IMG_9307 (Foto: Leszek Ruszkowski)

Was hat mich beeindruckt, was ist mir wichtig geworden?

Christin: Der Titel heisst für mich, abtauchen, untertauchen, auftauchen. Obwohl ich mich vor Höhlen und Tunnels fürchte, vertraue ich mich der Gemeinschaft an und tauche ab in den langen Wasserkanal. Abtauchen im Toten Meer und im Jordan, ganz unterschiedliche Gewässer, beide sehr speziell. Aufgetaucht beim See Genezareth bei der Brotvermehrung. Ich habe mir das als Kind immer so vorgestellt, wie so etwas ginge. Jetzt sitze ich an diesem Platz und kann die Wunder spüren.

Brigitte: Ich war wie vor zwölf Jahren, wo ich das erste Mal Israel mit der katholischen Kirchgemeinde bereist habe, beeindruckt von der Vielfalt des Landes auf so kleiner Fläche. Die rege Bautätigkeit in Wohnbauten und Infrastruktur hat mich auch beeindruckt. Israel ist ein florierender Staat, wenn man die Palästinenserfragen ausblendet. Die Siedlerthematik und das Palästinenserelend waren mir beim ersten Besuch näher herangebracht worden, inzwischen sehe ich es differenzierter und auf den Golan-Höhen ist mir klar geworden, wie die Israelis sich bedroht fühlen müssen, wenn sie sich die Wehrkraft in den arabischen Nachbarländern vorstellen und die Angst vor dem Iran sie dazu bewegt, weiter aufzurüsten, um sich verteidigen zu können. Ob das aber so ist, dass der Iran so mächtig ist wie er dargestellt wurde und offenbar wahrgenommen wird, das ist mir nicht klar? Ich erlaube mir nicht, zu urteilen, trotzdem sind meine Sympathien dem palästinensischen Volk gegenüber nach wie vor gross. Gabbis Erläuterungen haben mich bewegt, ich habe seine Emotionen verstehen können. Er war ein guter Fürsprecher für sein Volk und ich habe seine parteilichen Worte nachvollziehen können.
Es ist mir nach wie vor wichtig, dass wir uns für die Rechte der palästinensischen Bevölkerung interessieren und sie nicht vergessen. Konkret können wir es tun, indem wir die eindrücklichen Friedensprojekte Seeds of Hope und Neve Shalom – Wahat al-Salam unterstützen. Denn nur miteinander leben und einander verstehen lernen, möglichst von klein auf, hilft dem respektvollen Umgang und einer friedlichen Konfliktlösung. Diese beiden Initiativen haben mich überzeugt.

Catherine: Vor Ort zu gehen und die «Schauplätze» der Bibel zu sehen;
Zu realisieren, dass aus manchen Plätzen einfach eine touristische Attraktion gemacht wird.Immer wieder zu realisieren, dass der Heilige Geist sich unverhofft zeigt – für mich ganz eindrücklich im zusammen Reisen mit anderen Menschen und auch bei den Andachten vor Ort, z.V. im Garten Getsehmane und am See Genezareth. Die Golan-Höhen – die Landschaft an und für sich und deren politisch-strategische Relevanz. Das tote Meer…
Dass Jerusalem eigentlich gar nicht so eine grosse Stadt ist – und Menschen wie der Palästinenser, der uns in Bethlehem führte, davon ausgeht, dass der Weltfrieden davon abhängt, ob in Jerusalem «eine gute Lösung für alle» gefunden wird; meines Erachtens «überschätzt» er sich dabei – was wiederum verständlich ist, weil er aus «seiner Welt heraus und aus seiner Perspektive heraus» denkt und agiert (wie wir alle).

Daniel: Einige Eindrücke sind geblieben und beschäftigen uns immer noch:
• Nachdem wir Jerusalem besucht haben, ist mir folgendes geblieben: Jerusalem ist eine kleine Stadt an der Peripherie der Machtzentren. Der Tempel war niemals so gross, das Reich Davids niemals so mächtig, wie es in der Bibel beschrieben wird und wie die Juden darstellen. Die Bibel wirkt politisch bis heute auch als Brandbeschleuniger. Wir müssen also vorsichtig umgehen mit den Schriften unseres Glaubens.• Ich kann mir jetzt Jesus in seiner Zeit und seiner Kultur besser vorstellen. Das Land ist karg und das Leben war sicher sehr hart. Entsprechend waren die Hoffnungen der Menschen sicher riesig, die sie mit Jesus als König verbunden haben.• Ich weiss bis jetzt nicht recht, was ich empfunden habe, als ich an derselben Stelle in den Jordan getaucht bin, an der Jesus vielleicht getauft wurde. Auf jeden Fall habe ich jetzt eigene Bilder und Erfahrungen zu den Geschichten der Bibel.• Ich habe wohl noch nie so heftige emotionale Wechsel erlebt wie in Jerusalem am Morgen in Yad Yashem und am Nachmittag bei einem Besuch hinter der Mauer auf palästinensischem Gebiet. Für beide Erfahrungen gilt, was Mishna Masechet Avot gesagt hat: «Wo es keine Menschen gibt: Versuche, Mensch zu sein.»

Erica: Das Dorf Wahrt al Salam - Neve Shalom= Oase des Friedens. In den Erklärungen und iM Rundgang durch das Dorf und im Esssaal konnte man das Miteinander der beiden Kulturen sehr spüren. Das hat mich sehr gefreut und beeindruckt und aufgezeigt, dass ich bei mir beginne, Respekt und Verständnis für Menschen anderer Kulturen aufzubringen.

Esthi: Mit welcher Beharrlichkeit Tempel immer wieder aufgebaut wurden und wir sie heute in dieser Art besuchen können. Bleibt zu hoffen, dass sie noch für viele Generationen erhalten bleiben und die biblische Geschichte mit diesen Zeitdokumenten so immer weitergetragen wird. Mit welchem Fleiss und Aufwand die zum Teil karge Landschaft, erfolgreich landwirtschaftlich genutzt werden kann.

Evelyn: Die Dichte an Geschichte (Ursprung/Bibel/Entstehung/Religion) aber auch an aktuellen Geschehnissen im Verhältnis der Grösse des Landes zum eigenen Umland.
Ein Land voller Gegensätze: sowohl kulturell als auch landschaftlich.
Fazit: Ich werde die weitere Entwicklung mit anderen Augen sehen und weiter verfolgen.
Und, das wird wahrscheinlich nicht meine einzige Reise nach Israel sein. Die Disziplin dieser grossen Reisegruppe. Das gemeinsame Ziel – Israel kennen zu lernen oder wieder zu besuchen. Und der Gemeinschaftssinn der Gruppe. Sehr eindrücklich. Toll fand ich die verschiedenen Führer, die wir hatten. Sie haben aus verschiedenen Blickwinkeln ihr Land betrachtet und mir so ermöglicht, dies ebenfalls zu tun.Dazu gehörte auch die Wut unseres Guides in Bethlehem zu spüren.

Martin: Die reformierten Gläubigen vor Ort sind sehr sympathische Leute. Mindestens so sympathisch, wie die auf der katholischen Seite. Das habe ich eigentlich schon immer gewusst, aber jetzt habe ich es noch persönlich erlebt und erfahren. Super. Ich freue mich sehr.

Carola: die Gemeinschaft, das aufeinander Achtgeben, Gespräche mit Tiefgang, Spannungsbogen, verschiedene Sichtweisen eines Problems, Konflikts...

Charlotte: Eine Andacht führte mich, Charlotte, zu einem besonderen Erlebnis: In der Morgenandacht vom Freitag sagte Catherine, dass sie bei den bekannten Jesusstätten, z.B. in der Grabeskirche, nicht unbedingt Gott nähe spüre, dagegen oft überraschend in Begegnungen in der Gemeinschaft der Gruppe oder an unerwarteten Orten. Dafür wollte auch ich offen sein und wurde bald beschenkt. In Jericho machte der Bus einen Halt bei einem alten Maulbeerbaum im Gedenken an Zachäus. Ein Palästinenser mit Souvenirs schmückte Andreas mit einem Arabertuch. Erst im Nachhinein habe ich realisiert wie wichtig doch für diesen Verkäufer unsere kurze Begegnung und der Handel war – und ich konnte in ihm einen Bruder Christi sehen, obwohl er mir eine Kette aufgeschwätzt hat, die ich gar nicht kaufen wollte. Die Kette, die mir inzwischen gefällt, wird mich immer an diesen entfernten Bruder erinnern.

Heiri: Die unmittelbare Nähe der drei Weltreligionen in Jerusalem, speziell zwischen den Judentum und dem Islam.
Dass da werden Emotionen frei werden, scheint mir sehr verständlich.
Es wirkt auf mich ähnlich wie die Dynamik von Fans und Hooligans bei einem Fussballspiel. Und auch bei einem Fussballspiel braucht es in den Fanclubs Elemente welche sicherstellen, dass es nicht zu Eskalationen kommt. Ich fand dem Umgang miteinander in unserer Reisegruppe sehr beeindruckend.
Alle haben auf einander geschaut und miteinander geredet. Es war ein herrliches und beglückendes miteinander

Andreas: Ein Höhepunkt war die Fahrt zum Friedensdorf Neve Schalom – ziemlich in der Mitte zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Diesen Ort wollten wir beide unbedingt kennen lernen. Denn nach den vielen aussichtslosen Momenten, in denen es immer hiess “WIR SEHEN KEINE LÖSUNG IM ISRAEL-PALÄSTINA-KONFLIKT“ wussten wir: HIER LEBEN SEIT ÜBER 50 JAHREN PALÄSTINENSER UND ISRAELI FRIEDLICH ZUSAMMEN. Sie kehren ihre Verschiedenheit nicht unter den Teppich, sondern versuchen in gegenseitigem Respekt und auf Augenhöhe ihre Konflikte anzugehen. Das Wichtigste ist die zweisprachige, also arabisch-hebräische Schule, zu der auch Kinder aus der Umgebung kommen. So erleben sie, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist. In diesem Dorf sind drei Religionen vertreten: JUDENTUM, CHRISTENTUM UND ISLAM, alle mit ihren Festen, was der Schule zu vielen Ferien verhilft. Obwohl das Friedensdorf heute international auf reges Interesse stösst und von Freundeskreisen unterstützt wird, wird es sowohl von der israelischen Regierung als auch von fundamentalistischen Palästinensern angefeindet, weil es die schwarz-weisse Feindbild-Ideologie radikal in Frage stellt. Wir staunten, wie geduldig und beharrlich die Dorfbewohner ihre Ziele trotz vieler Schikanen der Behörden verfolgen. Der Führer, der uns das Dorf vorstellte, ein palästinensischer Christ, stahlte eine unglaubliche Hoffnung aus.
Charlotte und ich haben dieses Friedensdorf nach diesem Besuch zu unserem neuen Friedensprojekt erkoren.

Regina: Von dem Bus aus gesegen: landwirtschaftliche Leistungen, Plantagen, Bananen, Palmen, etc.
Neubauten, Strassen, Schienen, überdimensionale Plakatwände, imposante Hochhäuser.

Ursula: Die beiden Versöhnungsprojekte, Seeds of Hope und Neve Shalom haben mich sehr beeindruckt und gezeigt, dass Hoffnung auf Frieden in kleinen Schritten möglich ist.

Was hat mich bedrückt oder was hat mir nicht gefallen?

Christin: Die verhärteten Fronten auf israelischer und palästinensischer Seite. Warum ist es nicht möglich friedliche Lösungen zu finden?

Brigitte: Sehr bedrückend, aber vor allem tief berührend, war der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Ich verstehe nun noch besser, wie es dazu kommen konnte. In Auschwitz habe ich vor allem die Gräueltaten mit den Tötungsarten mit Entsetzen wahrgenommen und mir blieben am meisten die menschlichen Überreste z.B. die Kinderschuhe, die Brillen, Haare etc. aber auch die minutiöse Datenerfassungen im Horrorgedächtnis. Nun sind mir die politischen Zuspitzungen, Propagand, die Vernichtungsindustrie und das Mitmachen der Mehrheit der Bevölkerungen in ganz Europa ausser Dänemark wieder klarer in Erinnerung.
Ich war froh, dass Daniel zusammen mit den beiden Erikas die Idee der Kibbutz mit ihren guten Erlebnissen und positiven Eindrücken uns nahe gebracht haben. Dieser Abend hat mir sehr gut gefallen, da ich «unseren» Kibbutz Degania vor allem was den Aussenraum betraf, sehr in die Jahre gekommen fand. Einen blühenden Kibbutz stelle ich mir anders vor. Aber es hat sicher auch mit dem Shabat zu tun gehabt, wir haben ja nicht viele Bewohner*innen gesehen und der Speisesaal hat auch bessere Zeiten gesehen.

Catherine: Die Sichtweise der betroffenen Konfliktparteien; angesichts der Tatsache, dass der Konflikt so lange schon besteht, sollte doch die Einsicht wachsen, dass man eine Lösung nur finden kann, wenn man die Vergangenheit hinter sich lässt. Das ist sicher enorm schwer, aber wenn man für die künftigen Generationen Frieden will, geht der Weg nur darüber, die Vergangenheit auch aus der Perspektive der anderen Parteien anzusehen, unverständliche Dinge, «stehen zu lassen» und abzuschliessen. Ich gehe davon aus, dass es hier viele helfende Menschen, Organisationen und Initiativen gibt. Offenbar sind die zentrifugalen Kräfte (welche den Streit nähren) immer noch stärker als die integrierenden. Das verstört mich. (Das sage ich aus der Sicht eines in der Schweiz aufgewachenen «behüteten» Menschen. Bedrückt hat mich das Museum zur Schoah – das sollten alles Menschen sehen müssen! So etwas darf nicht mehr vorkommen.

Erica: Die besetzten Gebiete im Westjordanland. Der Wall mit den Wachtürmen in Bethlehem war sehr bedrückend und man kann das tägliche Leben dieser Menschen nur erahnen. Der Eingang zum Flüchtlingslager mit dem symbolischen Schlüssel hat mir viele Fragen aufgeworfen.

Esthi: Bedrückt hat mich die Mauer. Muss das sein? Wann endlich können/wollen diese Menschen respektvoll und friedlich zusammenleben. Glaube, Macht und Geld hin oder her, im Endeffekt sind wir alles Menschen mit den gleichen Hoffnungen, Bedürfnissen und Wünschen.

Evelyn: Der Besuch von Yad Vashem war eine grosse Herausforderung für mich. Das hat mich selber überrascht, da ich mit der Geschichte des 2. Weltkrieges vertraut bin.nUnd bedrückt hat mich im Nachgang der Besuch von Neve Shalom. Ein tolles Projekt – aber beim Vorstellen zu Beginn spürte ich auch die Anstrengung die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Viel Arbeit und viele Menschen und die Politik, die der Entwicklung Steine in den Weg legen.

Carola: die Fahrt auf dem See Genezareth fand ich etwas überflüssig und aufdringlich. Die Gedenkstätte fand ich extrem bedrückend und traurig und entsetzlich. Ich würde sie aber unbedingt wieder besuchen. GEGEN DAS VERGESSEN!

Heiri: Mir ist in Jerusalem und auch später beim Besuch von Betlehem klar geworden, dass eine Beruhigung und Befriedung der Region nur möglich ist, wenn man die extremen Kreise auf beiden Seiten, speziell bei den orthodoxen Juden und den Moslems stark einschränkt. Leider sehe zur Zeit wenig Signale dass dies gelingen könnte. Meine Hoffnung ist daher, dass die breit abgestützte Regierung in Israel möglichst lange an der Macht bleibt. Gerade als Schweizer wissen wir, dass es sehr helfen kann, wenn man alle Parteien in die Regierung einbindet.

Regina: Weiterentwicklung wichtig, aber auch richtig?
Am Meer sind mehrere Wasseraufbereitungsanlagen, das Israel mit genügend Süsswasser versorgt. Der intensive Ausbau der Verkehrswege ist der wirklich so wichtig? Imposante Hochhäuser, Plakatwände in überdimensionalen Grössen können schon Eindruck machen.
Aber ist der Versteinerung der Vorstädte nicht auch Einhalt zu gebieten, als alles der Retabilität zu opfern.

Ursula: Obschon ich schon viel über die Shoah (den Holocaust) wusste, das Anne Frank-Museum und ein KZ besucht habe, war der Besuch im Yad Vashem für mich eine grosse Belastung und kaum auszuhalten. Gegen Schluss musste ich den Ton der Erklärungen abstellen...

Ist mir ein biblischer Text oder ein biblischer Ort wichtig geworden?

Christin: Besuch von Tabgha, das Urvertrauen von Jesus, dass er geleitet würde und daher auch genug zu essen habe. Ein Urvertrauen, dass man sich jetzt auch in Israel/ Palästina wünschte.

Brigitte: Der See Genezareth und die umliegende Gegend mit den Wundern, die Jesus und seine Jünger bewirkt haben, sind für mich nach wie vor wunderbare biblische Orte. Die Andacht direkt am See mit dem Bibeltext über das Wunder der Brotvermehrung war für mich der schönste Begegnungsort mit der Bibel und auch der Gruppe.
Dazu möchte ich noch Joh 6,27 erwähnen: Wirkt nicht auf vergängliche Nahrung hin, sondern auf die Nahrung, die bis ins ewige Leben bleibt, die der erwählte Mensch euch geben wird – denn ihn hat Gott bevollmächtigt. Die geistige Nahrung, die uns mit den spirituellen Impulsen und den Andachten begleitet hat, haben diese Reise unvergesslich gemacht und den Glauben vertieft.

Catherine: Text: Die Taufe von Jesus durch Johannes der Täufer – Joh 1,19-34
Grund: In der Gegenwart «die Taube» erkennen, die Heilige Geistkraft – geistesgegenwärtig sein und Geistesgegenwart erfahren dürfen….. Im Alltag, mit anderen Menschen zusammen und für mich ganz persönlich. Ort: Am See Genezareth das Abendmahl miteinander feiern – zum Text der Brotvermehrung (Joh 6,1 -15)

Daniel: Ich fand unsere gemeinsame Zeit im Garten Getsemaneh am eindrücklichsten. Wir waren ganz für uns, Christine hat sehr stimmungsvolle und berührende Worte mit uns geteilt und wir konnten dann in Ruhe alles nachwirken lassen. «bleibet hier und wachet mit mir», das wirkt immer noch nach.

Esthi: Die Stelle am See Genezareth, wo Jesus mit den 5 Broten und 2 Fischen des Jungen unzählige Menschen gesättigt hat. In dieser Idylle konnte man die Andacht fühlen und leben, man war einfach mittendrin. Wunderschön!

Evelyn: Tabgha und die Vermehrung des Brotes und der Fische. Das gemeinsame Abendmahl stärkt mich immer. Aber an diesem Ort, am See Genezareth eine wunderbare Kraft und Energie hat mich erfüllt. Davon werde ich noch lange zehren.

Martin: Shoa und Nakba sind wahrscheinlich je tiefe und tiefste Erfahrungen. Damit leben, dass die je eigene Katastrophe weitergeht oder jederzeit aufs Heftigste neu ausbrechen kann? Leben mit anhaltenden Bedrohungs- und Vernichtungsängsten…? Worum bitten mich die Menschen in Israel und Palästina? Ich meine auf beiden Seiten gehört zu haben: "Vergesst uns nicht. Bitte vergesst uns nicht. Besucht uns. Lasst uns erzählen". Zuhören und erzählen lassen…? Schwierig, schwierig... Unrecht… Leiden… seit Generationen… Verhärtung… Kampf…? Lauter Elend und Ohnmacht kommen bei mir auf… Hoffnungslosigkeit… …zum Davonlaufen, zum Davonlaufen ist das… nicht zum Aushalten… Die erfolglosen Jünger (Markus 9, 14 - 20 A. 28 – 29) mit der «Therapieempfehlung Jesu»: Bringt ihn zu mir! - «Der leidende Mensch hat in jedem Fall Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein», «denn nur in der Zuwendung geschieht Heilung». Aber die Zuwendung zum Leiden scheint auch im Konflikt Israel/Palästina kein Selbstläufer zu sein. Sie braucht Kraft. Sie braucht Verankerung: «Diese Art lässt sich nur durch Gebet bewältigen. Wer betet, verankert sich im Gottvertrauen und geht ohne Angst auf den Fremden zu». Also Verankerung im Gebet. Zuwendung unter Verankerung im Gebet.

Carola: Die Auslegung der Teilung der Brote und Fische beim Abendmahlgottesdienst am See.
Ein Gedanke aus allen Andachten, Das Lied "Prayer ot the mothers"

Erica: Als biblischer Ort hat mich vor allem Tabgha am See Genezareth beindruckt. Ich kann mir gut vorstellen, wie die vielen Menschen Jesus zuhörten. Seine Symbolgeste zeigt mir, es reicht für alle! Auf der ganzen Welt hat es genügend Nahrung, wenn sie fair und umweltgerecht produziert, gehandelt und verteilt wird. Unsere Herzen sind angesprochen – um zu handeln und zu teilen.

Heiri: Ich persönlich hat das Abtauchen im Jordan sehr berührt. Ich konnte mir an diesem Ort den Sinn und die Konsequenz der Taufe sehr gut vorstellen.

Regina: Garten von Gethsename. Bleibet hier, wachet mit mir. Ich erlebe eine Zeitverschiebung Kurz vor der Kopfoperation stehe ich unter der Dusche, bin total einsam und bete: Herr lass diesen Kelch vorüber gehen. Schmerz, Tränen und Trauer überwältigen mich. Am Arm von lieben Mitreisenden werde ich aus diesem biblischen und geschichtsträchtigen Ort gefüht.

Was nehme ich vor allem mit?

Christin: Wunderbare Erinnerungen, die mögliche wurden, dank der Gruppe. Obwohl die Gruppe so gross war, man hat eine Einheit gespürt.

Brigitte: Ich nehme die vielen Erklärungen von Andreas und Ali mit, auch wenn ich einen Grossteil leider nicht speichern konnte, es war sehr viel Information über das Land, die Religionen und ihre Menschen. Ebenso aber waren die Erfahrungen in der grossen Reisegruppe gut und die Begleitung durch Christine und Leszek fürsorglich und empathisch. Die beiden hatten für alle ein offenes Ohr und sorgten sich bis zum Schluss in der letzten Gruppe, dass wir gut nachhause gekommen sind, obwohl beide bereits C-positiv waren. Aber auch viele Bilder und Sinneserfahrungen sind nicht nur auf Fotos gespeichert und hinterlassen gute Erinnerungen an dieses spannende, aber doch auch widersprüchliche Land. Es gibt Fragen, die offen bleiben und weiter auf Lösungen warten! Frieden vor allem und Gerechtigkeit für die palästinensische Bevölkerung.

Catherine: Ich nehme die Erkenntnis mit, dass es ganz offensichtlich noch lange keinen Frieden gibt in Israel – und dass alle Parteien, Israeli und Palästinenser ihren Beitrag dazu leisten, indem sie ein «Regime der Abgrenzung» leben. Es ist nicht allein die sichtbare Mauer, die dies ausdrückt, sondern es ist die Haltung der einzelnen Parteien und das Unvermögen, die Sichtweise des anderen zu respektieren und irgendwann zu verstehen. Schockiert hat mich, dass eine zivile Heirat nicht möglich ist – die Heirat funktioniert nur religiös. Und wenn «Ökumene» zwischen Moslems und Juden, Christinnen und Juden, Muslima und Christen nicht möglich ist, bedeutet dies praktisch ein Heirats- oder Vermischungsverbot – oder eine Partei muss konvertieren, was unglaublich schwer ist.
Besonders beeindruckt hat mich aus diesem Grund das Projekt Wahat al-Salam/ Neve Shalom oder Oase des Friedens: «Palästinenser und Juden/Jüdinnen gemeinsam und gleichberechtigt für eine friedliche Zukunft». Hier leben «zwei Seiten» miteinander zusammen und sie schicken ihre Kinder in die gleiche Schule, sie lernen einander, ihre Geschichte und ihre Religion kennen und wertschätzen und dies von Kind auf. Geschockt hat mich die Erkenntnis, dass dieses Projekt vom Staat möglichst verhindert werden sollte, dass ihnen Steine in den Weg gelegt wurden (z.B. die Schulen Jahrzehnte nicht anerkannt) und dass der Staat dieses Projekt/diese Lebensform nicht als Leuchtturm erkennen will, als mögliche Kraft, den Frieden miteinander zu erarbeiten. Ich bewundere die Geduld und die Gelassenheit der Menschen, die dort wohnen. Sie sollten unbedingt unterstützt werden.

Daniel: Reisen in einer so tollen Gruppe mit so umsichtiger Reiseleitung ist ein riesiger Gewinn und macht diese Reise zu einer einmaligen Erfahrung.

Erica: Viele bereichernde Besichtigungen, interessante Gespräche unter den Teilnehmenden, eine bunte Farbpalette voller Formen, Gerüche und Begegnungen. Viele Fragen zu der Zukunft dieser beiden Brudervölker.

Esthi: Schwierige Frage! Ich bin nicht frommer geworden und die Erleuchtung habe ich auch nicht erfahren, aber es sind da doch plötzlich Fragen, die so vorher noch nicht bestanden haben. Viele Eindrücke, wie die Klagemauer, welche sowohl zum Beten wie zum Klagen genutzt wird. Der Jordan, ein gewaltiges Wort und dann fliesst eher ein bachähnliches Flüsschen vorbei. Und die Hoffnung, dass Projekte wie Seeds of Hope und Neve Shalom Früchte tragen werden und die heutigen Kinder und nächsten Generationen einmal mit mehr Verständnis, Toleranz und Respekt, sich den Weg in die Regierungen bahnen können und endlich Ruhe und Frieden, statt Hass und Granaten säen.

Evelyn: Ich nehme nun seit knapp zwei Jahren am Theologiekurs teil.
Israel ist in verschiedener Hinsicht immer wieder Thema. Und trotzdem blieb mir das Land ein bisschen fremd, weit weg von mir. Und nun, mit dieser Reise ist Israel präsent, lebendig und irgendwie auch wirklich geworden. Während der 8 Tage, die wir unterwegs waren, war ich öfters versucht, mich zu kneifen. Ich bin in Jerusalem – ich bin in Jericho – ich sehe den See Genezareth – ich wohnt tatsächlich in einem Kibbuz. Die gewonnenen Eindrücke werden mir den Theologiekurs und vor allem das Lesen in der Bibel noch wertvoller machen.

Carola: Corona und das Gefühl, auch so etwas zusammen durchzustehen, Angst-Abbau in meiner Lebensführung, gute Erinnerungen, Motivation

Heiri: Viele schöne und beindruckende Erinnerungen an ein Land, welches ich regelmässig Besuche und über welches ich während der Reise viel gelernt habe. Auf der Rückfahrt per Taxi vom Kibbuz zum Flughafen haben ich mit dem Taxifahrer gesprochen. Seine Familie ist eine der wenigen Christlichen Familien in Magdala. Er sei geschickt worden, weil er Englisch spricht. Er hat mir erzählt, dass er sich eindeutig als Israeli fühlt. Er findet die Region Haifa viel besser findet, da dort alle Familien unabhängig von der Religion friedlich neben einander leben. Seine Grosseltern hatten viert Kinder, einen Sohn und drei Töchter. Sein Vater sei Christ geblieben, zwei seiner Tanten hätten jüdisch geheitatet, eine islamisch. Er fand auch die neue Regierung besser, da die jüdischen Extremisten weniger Einfluss hätten. Da war er wieder, mein Hoffnungsschimmer ! Besonders herzlich bedanken möchte ich mich bei Euch Christine und Leszek führt die Reiseleitung und Organisation. Ihr habt diese sehr gut gemacht und es hat alles sehr gut geklappt. Mir haben auch die Andachten und das Singen sehr gut gefallen, es war immer wieder ein Moment der Besinnung und des Spürens der Gruppe.

Claudia: Ich bin dankbar, für die Eindrücke, welche ich aus der Reise nach Israel mitnehmen konnte. Ich habe erfahren und mir wurde bewusst, ich finde Gott in der Gemeinschaft mit anderen oder im Gebet, aber nicht in Steinen und Kirchen. Ich erkenne Gott in der Landschaft, ich habe biblische Szenen erlebt, so erinnere ich mich eindrücklich ans Abendmahl am See Genezareth. An den Wind in den Bäumen, an die Wellen des Sees und Gott war mit uns. Fassungs-, sprach- und ratlos lässt mich aber die politische Situation werden. Die Frage, wer ist Schuld, wird zwischen vielen Parteien hin und her geschoben. Die Frage, wie finden wir gemeinsam eine Lösung, wird kaum gestellt. Alle Parteien stellen Bedingungen an eine Lösung und Vertrauen zwischen den Parteien gibt es keines. Diesen Konflikt werden wir nicht von Aussen von Europa her lösen können. Auch UNO-Missionen müssen im Moment scheitern. Dieser Konflikt wird weiter schwelen und es werden viele Menschen Leid erfahren, auf allen Seiten. Er wird solange schwelen, bis die Menschen vor Ort sich gemeinsam in eine Zukunft begeben und nicht mehr die Klärung der Schuld in der Vergangenheit suchen und an die Lösung Bedingungen stellen. Dass die meisten Kinder in Israel in ihrer jeweiligen ethnischen oder religiösen Gruppe beschult werden, also Beduinenkinder in den Beduinendörfern, Palästinenserkinder in den Palästinensergebieten und jüdisch Kinder in jüdischen Schulen, diese Erkenntnis erschreckte mich zu tiefst. Dies führt zu einer Trennung der Menschen, sie erfahren die anderen Religionen und Ethnien von Kindsbeinen an als Bedrohung und nicht als Teil ihrer gemeinsamen Welt. Das Projekt Neve Shalom hat mir gezeigt, dass es Kräfte vor Ort gibt, die in der Co-Existenz und der Co-Edukation eine Lösung sehen, für mich ein Licht der Hoffnung im ganzen Wahnsinn. Ich habe Vertrauen in die Liebe Gottes und ich habe Vertrauen in die Menschen und deren Handelns. Ich weiss und habe erfahren, mein Vertrauen in Gott kann nicht enttäuscht werden, von Menschen kann ich enttäuscht werden. Das gehört zum menschlichen Leben und Dasein und dennoch ist Vertrauen in andere Menschen, ist die Liebe in andere Menschen, zwingend notwendig, damit wir miteinander leben können. Ich bange um Israel, um das Leid, welches viele Menschen dort erleben und noch erleben werden. Wann hat dieser Wahnsinn ein Ende.

Regina: Unser letzter Besuch in einem religiösen Tempel, war das Gotteshaus der Seligpreisungen, der von dn Franziskanern gebaut wurde. Ich ging umher, versuchte das Gesehene aufzunehmen, fühlte mich aber in dem wuchtigen Gebäude nicht richtig wohl.So ging ich dann bald wieder nach draussen. Beim Hinuntergehen fällt mir eine liegend in grobes Tuch gehüllte Skulptur auf. Halte inne, und sehe das ist der Leichnahm Christi. An den Füssen, die unten aus dem Tuch schauen, erkenne ich ihn. Die Wundmale sind überdeutdlich. Wahrscheinlich ist es die Situation vor der Einbalsamierung. Ich bin im Gegensatz zu dem Tempel fasziniert. Was sagt es mir, Was soll die Provokation. Dieser Christus, dieses erschütternde Bild eine Schlüsselstelle für die Christenheit. Was haben sie aus dir gemacht? Wie verfügbar bist du geworden? Nichts von Auferstehung, nichts von kitschigem Ostermorgen, nichts von weggerolltem Stein mit den süssen Engeln. Ich habe die Antwort nicht, eines weiss ich aber, die Christenheit braucht einen Christus, der uns auferweckt.

Ursula: Die wunderbare Gemeinschaft unserer Reisegruppe und ein grosses Verständnis für die komplexe. schwierige Situation von Israel/Palästina.


Israel-Palästina-Rückblick
14.06.2022
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Harald Müller und Weitere