Revue auf den Chaiseraugster Familienabend

Familienabend<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rheinfelden.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>553</div><div class='bid' style='display:none;'>7119</div><div class='usr' style='display:none;'>68</div>

Am Samstag, 10. November ab 17 Uhr fand der traditionsreiche Familienabend statt, im gewohnten Zwei-Jahres-Rhythmus, aber nicht wie üblich im Violahof, sondern bei uns im Kirchgemeindehaus.
Andreas Fischer,
Man mag für einmal nicht schmürzeln mit Superlativen: Das war sooo ein schöner Abend. Unser Newcomercomedypaar „Alex und Astrid“ war schon seit Mai am Vorbereiten seiner Sketche, und seit September war das Kirchgemeindehaus dauerbeleuchtet. Jeden Abend probten die beiden! Franziska Kuhn ist, nicht nur für ihre Homebase, die beste Poetry-and-Preacher-Slammerin der Schweiz. Mit dem Applaus, den sie für ihre Produktion erntete, würde sie bei jedem Battle die Bottle gewinnen. Yolanda Hassler hat bei der Versteigerung von Dienstleistungen (sechzehn an der Zahl, mit sehr gediegenen, auch neuen Angeboten, einer Pavlova-Torte, einer Fussmassage, einem Waldspaziergang etwa in den Morgenstunden, einem Ausflug an den Neuenburgersee mit Bootsfahrt und Apero, einer Führung durch das spätrömische Kaiseraugst und so weiter) unser aller Budget überstrapaziert – zu guten Zwecken, muss man sagen: für den Rinaupark und die Amis du Sénégal. Meine Frau, Jutta Wurm, führte entspannt und charmant durch den Abend. Ursula Zuppingers Menü, herbstlich mit Kürbis, Kastanien und Wild, übertraf die hochgesteckten Erwartungen. Die Konfirmanden servierten souverän und organisierten den Triathlon im Jugendkeller mit Darts, Töggele und Blechbüchsenwerfen --- den sie auch gleich selber gewannen. So clever wie die ist nicht mal die Fifa.

Man dankt allen Mitwirkenden („Mängi Schtund simmer zämeghockt, / demit de Familieabig rockt“) und besonders Gitte Niederberger, die die Gesamtorganisation innehatte („Bei dem Wort ‚Gesamtorganisation‘ / ahnt man schon: / das isch en mega Chrampf! Für din Dampf und dini Energii söll de Whisky da es Danggschön sii…“).

Zu meinem Amtsantritt hat mir Gitte einst einen Kalender mit irischen Sprüchen und Segenswünschen geschenkt. Mit einem dieser Segenswünsche gingen wir unseres Wegs:

„Möge die Strasse dir freundlich entgegenkommen. Mögest du den Wind immer im Rücken haben.
Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen
Und der Regen sanft auf deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich fest in seiner Hand.“


Andreas Fischer

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Im Anhang der Slam von Franziska Kuhn sowie meine Büttenrede zur Eröffnung des Abends…

«Wo ein Wille ist, ist ein Weg»,
hei sie gseit. Und «der Weg ist das Ziel» hei sie gseit.
He ja, das stimmt, hani dänkt. Wille hani, hani dänkt- u ungerwägs sy gfaut mer, hani dänkt. U drum bini am sächsi los. Ufe Wäg ufe Bärg.
Dä Bärg, woni die ganz Zyt bim Zmörgele u Schaffe u Bädele ha gseh.
Aus Schwizere müesst me ne ehnder Hügu nenne. Aber wöu’s nabedrann grad nume flach isch, heisst er jitz eifach Bärg.
«der Weg ist das Ziel» und «wo ein Wille ist, ist ein Weg».
Zerst Mau drann zwiflet hani a däm, woni los donneret bi, mit däm voll gfäderete usglehnte knallrote Mountainbike- und de e rächte Schlänker ha müesse mache, für ere Schlange uszwiche. I bi abgstiege wöu- heja- s isch scho lang här, dass i säuber e Schlange gfötelet ha.
«Wo ein Wille ist, ist ein Weg», hei sie gseit.
Aber woni no ds Handy usem Rucksäckli grüble, chunnt sones spanisches Lieferwägeli derhär u zagg- d Schlange, wo vorhär no zünglet het, zuckt no einisch – u de nümm.
Wille het sie gha, d Strass ds überquere- aber der Wäg….dä nümm.
I bi du witer, uf mim Wäg zum Bärg.
«Wo ein Wille ist, ist ein Weg», hei sie gseit.
Z zwöit Mau a däm zwiflet hani, wo mir sone Hung im Wäg gstange isch. Dä het mi eifach nid düre gla. Aso, i ha’s de o nid witer versuech, wöu, hei, am Bellen a het dä scho lang kes so feins Haxli me g’ässe…
Wo ein Wille ist, da ist jetzt grad kein Weg-ke Wäg ufe Bärg, oder uf au Fäu nid dä Wäg.
Aber gäu, die Sprüch sy ja no lang nid usgschosse:
«Viele Wege führen nach Rom». Oder: «es gibt nicht nur einen Weg auf den Berg».
Drum: rechtsumkehrt gmacht, dä ganz Hoger, woni vorhär ufe gstramplet bi, ume abe gfreeset, unger links ume Egge u die nächsti Stigig gno.
Me sött grundsätzlich nid ersch i de Ferie afa mountainbike. De wird jedi Schotterstrass scho zure heftige Useforderig. Aber, getreu am Afangsspruch- «wo ein Wille ist», ist ein Weg, hani die Strass unger d Redli gno. Schliesslech isch ja vor mir o no e aute Renault ungerwägs gsi. Auso: nid blöd tue, Gring ache u id Pedale stah.
«Wo ein Wille ist, ist ein Weg», hei sie gseit- und «der Weg ist das Ziel», hei sie gseit.
Zum dritte Mau zwiiflet hani dranne, woni zwe Manne vor mir gseh loufe ufem Wäg.
«Super!», hani dänkt, «die gseh rächt local us!», hani dänkt. Die chani frage, ob i ufem richtige Wäg bi, ufem Wäg zum Bärg.
Bim nöcher cho het’s mi du nümm nume düecht, dass die «local» usgseh, sondern o fei chly gfüürchig, mit ihrne 5 magere Hüng im Schlepptou, de Stäcke i de Häng, de unrasierte Gsichter und em Verbang ume Arm.
«Vom Verprügle!», hani dänkt- aber das wär jitz eifach vermuetet – u drum – und o für mi ds beruhige, hani dä Gedanke schnäu ume la gheie.
I ha se du nachem Wäg gfragt, bi abgstiege derzue. «Todo derecho y despues à la izquierda - ging gradus, u de links», hei sie gseit.
Wöu i se grad ame soumässig steile Stück atroffe ha, hani nümm chönne afahre- u ha müesse loufe.
Eleinzi aus Frou, mit füf geifernde Hüng im Schlepptou u zwe bärtige Manne hingerdrann mit Stäcke ---tüecht mi grad kes Zuckerschläcke.
Hoffentlich isch «da wo ein Wille isch auch ein Weg», hani dänkt.
Es isch ämu du aus guet gange u i ha se chönne abhänke.
«Wo ein Wille ist, ist ein Weg», hei sie gseit.
Langsam hani a mim Wille afa zwyfle. Wotti würklech ufe Bärg, uf däm Wäg?
Wöu, hei, das schöne rote Velo hani vo dört a nume no gstosse, oder zoge.
I lah’s nid la stah, hani dänkt. I nime’s mit, hani dänkt- wöu, vielech git’s no e angere Wäg abem Bärg. De muess i nid der gliich Wäg zwöi Mau gah.
U woni achume ufem erste Vorgipfel u mer d Zunge scho liecht am Goume chläbt, merkeni:
«Mischt, ds Wasser dehei gla!». U o aus angere, wo me so id Bärge mitnimmt: Zwüscheverpflegig, Windjagge, Sunneschutz, Blasenpflaster, Zält, Sackmässer, Biwaksack, Not-Rakete….
Derfür hani aus derbi gha, wo i de valencianische Bärge eifach schlicht unabdingbar isch: Veloschloss inklusive Veloschlüssu, Portemonnaie, schwizer Fahruswiis, Handy ohni Empfang aber mit Schwizer Notgrosche, Tabak, u Papierli zum säuber Zigarette dräihe – aber kes Fürzüg.
Wöu i grad ke Lust ha gha uf Tabak frässe, bini witer,
ging gäge Gipfu zue, ging gäge Gipfu zue…
Der Wäg isch inzwüsche e Singletrail gsi. Hei, u wenn i säge singletrail und dä sich in Valencia befindet, de meineni singletrail. Singletrail heisst i däm Fau, dass entweder ds Velo oder du uf däm Wäg Platz hei. Näbedrann Dorne u süsch chratzigs Gstrüpp.
Fahre isch ja äbe nümm gange, da ds steil u ds viu Chempe u i ersch Afängerin im Metier. Drum sy entweder ds Velo oder ig i de Dorne gsi. Meistens i, wöu süsch hätt i dä Göppu gar nümm vom Fläck bracht.
«Wo ein Wille ist, ist ein Weg», hei sie gseit. Und «der Weg ist das Ziel», hei sie gseit:
Das sy eifach aues eländi Lugihüng, oder no nie in Valencia ungerwägs gsi ufem Wäg gäge Gipfu vom Serro de Bèrnia i Ferrer.
Wöu: da isch plötzlech ke Wäg me gsi. Eifach kene. Da nützt der de im Fau aue Wille nüt, we’s ke Wäg me het. We’t eifach nümm vorwärts u o nümm rückwärts chunnsch.
«Weisch, de frageni de ungerwägs nachem Wäg» hani gseit. «Cha ja d Sprach u uf ds Mul gheit bini o nid».
«Das chasch scho mache- une mords- C3-level im Spanisch ha-
aber we kene da isch wo de chönntsch frage.
S isch haut nid wie i der Schwiz, wo d au paar Minute mountain-jogger, mountainbiker, mountaintrottinettler, Alpechrüttlisammler, Senne, Usstiger, Senioregruppe, Wandervereine, Bärgfüehrer, Hündeler, SAC-ler u Wanderer gsehsch; u amänt no jede dritt kennsch.
Nei, hie isch kene ume.
Nid Mau e Wildsou. Vo dene hesch nur d Spure gseh.
He, u du merksch, du bisch am Schwitze. Ob vor Stigig vorhär oder vor Angst, isch nid ganz klar.
Uf au Fäu schmöckt der Schweiss nach Ziebele, wöu’s gester Zibele ir Paella gha het. Äuä schmöcke jitz nid nume die Schweissbäch dr Rügge z dürab sondern o die zwüsche de Brüst nach Ziebele.
Aber das interessiert im Fau jitz o grad kene, wöu ja niemer ume isch.
U du erinnerisch di dra, dass d Sunne ds Spanie scho fescht cha brännte vom Himu abe. Du hesch se ja gseh, die Fleischbärge vo Mönsche am Strand vo Benidorm, eine besser brätlet aus der anger. «Das isch jitz äuä ds Änd!», hesch de dänkt. Da, vertröchne, verdörre, u de langsam usbleiche, im Hingerland vo Valencia. Zwar mit wunderbarer Ussicht uf ds Mittumeer- aber das nützt der jitz o grad nüt, bim Stärbe.
U stärbe wär ja es Ziel und nid e Wäg u drum stimmt doch eifach grad gar nüt me.

Aber du hesch es gmerkt, gschid wie de bisch,
dass das bishär, nid aues isch.
Es chlyners Wunder, aber es isch eso:
I bi doch du no läbig vom Bärg abe cho.
Der Grund derfür isch,
so vermuete n i’s
dass i no e Uftrag ha:
I muess öich, u vor auem de Eutere, de Lehrer, Manager, Pfärrer u aune, wo mit Mönsche ds tüe hei, auso öich aune,
öppis ganz Wichtigs säge:
1. Nämet e wasserfeste Filzstift, so e richtig Fette, am liebste Schwarz
2. Sammlet aui Literatur: Büecher, Zitige, Wärbeprospäkt, Gsetzesartikel, Flyer, Iladige,.. eifach aus Gschribnige, o ds Chlydruckte u d Fuessnote…
3. De striichet au die Sätz, wie «Der Weg ist das Ziel», «wo ein Wille ist, ist ein Weg», «viele Wege führen nach Rom»,… düre
4. Ersetzet se, zum Bispiu mit:
«Chill mit Bill und Jill am Grill»
«Beim Einkaufen kannst du dich nicht verlaufen»
«Beim Stuben hocken kannst du nicht vertrocknen»
5. U de, nach getaner minutiöser Arbeit, chlopfet öich fest uf d Schultere, für öich für die läbenswichtigi und läbensrettendi Massnahm, wo dir grad tätiget heit, ds danke.

Danke

Franziska Kuhn

Einleitende philosophische Betrachtung zum Familienabend:

Als wir beide – sie Deutsche, ich Zürcher – beim Bewerbungsgespräch gefragt wurden, ob wir uns vorstellen können, einen Fasnachtsgottesdienst zu gestalten und einen Familienabend zu moderieren, antworteten wir mit Deutscher Schnauze und Züri Schnure wie aus der Pistole geschossen: Ja, natürlich. Schliesslich wollten wir die Stelle.

Beim Fasnachtsgottesdienst konnte mir Jutta helfen, sie stammt aus dem „Rheinland“, der Hochburg des Karneval.

Anders beim Familienabend. Da wussten wir beide nicht weiter. Ein Blick ins Lexikon stiftete Verwirrung. Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, heisst es da, feiere regelmässig Familienabende. Aber das sind doch nicht wir, dachten wir. Das sind doch die Mormonen. Tatsächlich, die Mormonen halten die gute alte Tradition des Familienabends seit über einem Jahrhundert aufrecht.

Wie die eisernen Verbindungen in einer Kette werde durch Familienabende die Familie zusammengehalten, sagt die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Wir aber fragen uns: Will man das wirklich, so gefesselt sein an eine Eisenkette?

Und wollen das die Kaiseraugster, die bekanntlich ein freiheitsliebendes Völkli sind. Vor allem die Reformierten, die sagen alle: Wir glauben schon, aber am Sonntag, da kommen wir nicht in die Kirche. Wir finden Gott beim Hundespaziergang. Und, ja, wir Kaiseraugster können zwar feiern, als wären dies „die letzten Tage“, aber Heilige, das sind wir nicht.

Mit „Familienabend“ muss also etwas anderes gemeint sein als das, was die Mormonen darunter verstehen.

Die Tradition des Kaiseraugster Familienabends ist nicht ganz so alt, aber immerhin halb so alt wie jene der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Sie geht, wenn ich das richtig gehört habe, auf Susi und Jürg Fahrni, das erste Chaiseraugster Pfarrpaar zurück. Die Idee war, Menschen zusammenzubringen. Und jungen Familien den Zugang zur Kirche zu ebnen. Ihnen eine Kirche ohne Schwelle zu präsentieren.

Exemplarisch dafür war der Familienabend vor etwa vierzig Jahren, der unter dem Thema LSD stand. Das Kürzel LSD stand nicht etwa für „Liebi Sind Das“, wie liebe Liebrütianer damals vermuteten.

LSD stand aber auch nicht, wie ich Zürcher mutmasste, für die berühmte Partydroge. Ich dachte, jener Familienabend habe anlässlich des bicyle day stattgefunden, des Fahrradtags, und stellte mir vor, wie Dr. Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, auf seinem Fahrradtrip von der Roche-Produktionsanlage am Wurmisweg runter ins Dorf radelte und kopfüber im Rhein landete.

Aber da, musste ich zur Kenntnis nehmen, war meine wilde Fantasie mit mir durchgegangen.

Eigentlich meint LSD: Liebrüti, Spiegelgrund, Dorf. Beim Familienabend, das war die Botschaft, gibt es keine Unterschiede zwischen oben und unten. Beim Herrgott kommt das nicht soo drufaa.

In diesem Sinn, herzlich willkomme zu dere LSD-Party, / wo jede cha debii sii! / Smiley oder suure Schtei / ist einerlei. / Happy oder trischt, / findsch, s Läbe seg en Mischt, / froo oder depro / – zum Familieabig dörf jede cho.

Ich sage das auch es bizzli zu mir selber. Mein Vater ist vor kurzem gestorben. Meine Lust auf einen lustigen Abend ist darum nicht so mega gewesen. Aber es ist mir dann auch in den Sinn gekommen, dass ich mit meinem Vater viele lustige, skurrile, komische Erinnerungen verbinde.

Eine Geschichte von meinem Vater, der, wohlbemerkt, Pfarrer war, erlaube ich mir, zum Schluss zu erzählen. Sie wird, vermute ich, den Chaiseraugster Nichtkirchengängern-Hundespaziergängern gefallen:

Als meine Eltern schon im Pflegheim waren und die dementielle Erkrankung meines Vaters schon weit fortgeschritten war, fragte ich ihn einmal, warum er eigentlich nie in die Andacht gehe. Seine Antwort lautete: „Also das wäre mir jetzt noch nie in den Sinn gekommen. Ich habe aber von solchen gehört, die schicken ihre Frauen.“

Schön, dass heute auch Männer hier sind – allen, mit und ohne Glieder, wie Godi amigs sagt, ein herzliches Willkommen zum Familienabend 2018!

Andreas Fischer


aktualisiert mit kirchenweb.ch
Erstellt von: Andreas Fischer     Bereitgestellt: 10.11.2018