Rückblick auf die Vernissage, Ausblick auf die Finissage der Benefiz-Ausstellung in Kaiseraugst

"Ich lebe mein leben in wachsenden Ringen" (Foto: T Frey, Katalog)
Am Freitag, 11. November hat sich das Kirchgemeindehaus in Kaiseraugst wieder einmal in eine Galerie verwandelt. Das hat alte Tradition. Jürg Fahrni, der erste Kaiseraugster Pfarrer, sagte vor über einem halben Jahrhundert: Dies ist ein „Haus, in dem man Gottesdienst feiern und essen und trinken und diskutieren und unterrichten, Musik hören und Bilder ausstellen kann.“
Andreas Fischer,
Der Altmeister der Kunstausstellungen in Kaiseraugst, Toni Hollenstein, der frühere Sigrist, Godi Felder, und unser ukrainischer Mitbewohner im Pfarrhaus, Sergey Ovcharov, hatten gemeinsam die Bilder der Aargauer Künstlerin » Therese Frei-We gehängt.

Bei der Vernissage sprach Margrit Dieterle, die Präsidentin des im afrikanischen Benin tätigen Schulvereins „Source de Vie“, dem der Erlös des Verkaufs zugutekommt, die folgenden, berührenden Worte:

„Als ich Therese Frei-We vor mehr als 40 Jahren kennen lernte, war sie eine äusserst kreative, begabte und naturverbundene Weberin… Leider legte sich ein feiner, aber sich im Laufe des Lebens schmerzvoll verdichtender Schleier von verschiedenen Krankheiten um sie. Als ihre Kraft für die Arbeit am grossen Webstuhl nicht mehr reichte, begann sie zu malen, Aquarelle und Gouache. Später suchte sie noch feinere Techniken und vertiefte sich in die japanische Pinselmalerei. Damit verband sie auch ihre Meditationen. So schuf sie unglaublich subtile Werke, in denen sich auch der Versuch erkennen lässt, mit ihren Schmerzen umzugehen. Im Mai dieses Jahres rief sie mich an und teilte mir mit, dass sie nicht mehr lange zu leben habe. Am 9. August ist sie für immer eingeschlafen. Darum wird jetzt die Benefizausstellung für Source de Vie auch zur Gedenkausstellung für Therese Frei-We.“

Christina Dieterle, Geige, und Marcel Soldat, Gitarre und Gesang, rahmten den Anlass musikalisch. Unter anderem trugen sie eine Interpretation des Bob-Dylan-Songs „Blowin‘ in the Wind“ vor. Die offenen Fragen des Songs – „how many roads?“, „how many times?“ usw. – passten zur ausgestellten Kunst. Das Bild, das der Ausstellung ihr Thema gegeben hat, heisst: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“. Die letzten Zeilen des entsprechenden Gedichts von Rainer Maria Rilke lauten: „Ich weiss noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein grosser Gesang“. Auch hier bleiben offene Fragen.

Christine Toscano und Verena Mahler vom Vorstand von „Source de Vie“ bereiteten einen fantastischen Apero mit Aargauer Spezialitäten.

Es war ein wunderbarer, zum Nachdenken anregender, alle Sinne berührender Abend mit Gesprächen, die sich bis in die Nacht hinein zogen. Allen Mitwirkenden und Anwesenden sei herzlich gedankt für Engagement und Interesse!

Die Bilder können noch bis am 27. November besichtigt und gekauft werden.

Im » Gottesdienst am Ersten Advent (Sonntag, 27. November, um 19.15 Uhr), der zugleich die Finissage der Ausstellung bildet, findet die Erstaufführung einer Komposition unseres Kirchenmusikers Rani Orenstein statt. Mit Bezug auf "Source de Vie" hat er eigens für diesen Anlass Psalm 36, 6-10 in der hebräischen Ursprache vertont („Du, Gott, bist die Quelle des Lebens, in deinem Lichte schauen wir das Licht“). Derzeit ist ein Ad hoc-Chor dabei, das kleine, feine Werk einzustudieren. Die Predigt befasst sich mit denselben Versen. Der Apero wird von Bewohnerinnen des Asylzentrums Kaiseraugst ausgerichtet.

Herzliche Einladung!

Andreas Fischer
Ausstellung Therese Frei-We
21.11.2022
2 Bilder
Fotograf