Gute Wünsche fürs Wasser

Rolf Bürgi erzählt vom Leben im Wasser (Foto: Willi Baldinger)
Zum fünften Mal fand die Auftaktveranstaltung zur ökumenischen SchöpfungsZeit * in Rheinfelden statt. Ein Stationenweg unter dem Thema „Ströme lebendigen Wassers“ führte von der römisch-katholischen Kirche den Rhein hoch bis zum Kraftwerk.
Andreas Fischer,
Eine Gruppe von dreissig Frauen und Männern folgte Rolf Bürgi, Präsident des Fischereivereins Bezirk Rheinfelden, dem schmalen Rheinweg entlang vom Städtli flussaufwärts. Zwischendurch machte Bürgi Halt und erzählte aus seinem grossen Fundus an Erfahrung und Wissen über das Leben am und im Wasser, von der sensiblen Äsche, die in den heissen Sommern 2003 und 2018 fast ausgestorben wäre, dem Aal, der an den Turbinen der Kraftwerke leidet, dem Lachs, der darauf wartet, dass bei drei Kraftwerken im Elsass endlich auch Fischtreppen eingebaut werden, damit er wieder wie früher seine Reise vom Meer den Fluss hoch antreten kann. 2027 soll es soweit sein. Bürgi schilderte, wie bei den Treppen Fische gezählt, gewogen, mit Sendern versehen werden, wies darauf hin, dass die Flüsse in Bezug auf Plankton oft zu sauber, in Bezug auf chemische Substanzen zu schmutzig seien, und dass die Rückstände von Antibiotika und Antibabypille die Fische unfruchtbar mache.

Ausgangspunkt der Exkursion war die römisch-katholische Kirche Rheinfelden. Dort hatte Pfarrer Stephan Degen-Ballmer von der reformierten Aargauer Landeskirche in den Anlass eingeführt: Die Auftaktveranstaltung zur Schöpfungszeit 2021 (siehe Kasten), sagte er, finde seit einer halben Dekade jeweils in Rheinfelden statt. „Dieses Jahr passt der Ort thematisch besonders gut: ‚Damit Ströme lebendigen Wassers fliessen‘, lautet die Überschrift, die poetischen Worte stammen aus dem Johannesevangelium im Neuen Testament.“

Anderthalb Stunden später stand man, im warmen Licht dieses wunderbaren frühherbstlichen Abends, beim Kraftwerk am Fluss. Dort fand die abschliessende liturgische Feier statt. Daniel Frei vom Pfarramt für weltweite Kirche beider Basel sprach über die Geschichte von Mara, dem „Bitterbrunnen“ in der Wüste, wie sie im Buch Exodus im Alten Testament überliefert ist: Mose wirft ein Stück Holz ins Wasser, worauf dieses trinkbar wird. Frei setzte die Geschichte in Beziehung zu eigenen Erfahrungen damals, beim Unfall von Schweizerhalle 1986, als Fische bis hinunter nach Mannheim starben, das Wasser sich rot färbte und eine dunkle Wolke über Basel hing. Dass das Rheinwasser heute trinkbar ist und Fische im Fluss schwimmen, sei keine Selbstverständlichkeit, ebenso wenig wie die Wandlung von bitterem in süsses Wasser in der märchenhaften biblischen Geschichte. „Es gilt“, schloss Frei, „daraus Kraft und Hoffnung für die weitere Wanderung zu schöpfen.“

Diese Worte wie zuvor auch jene von Stephan Degen-Ballmer und Rolf Bürgi klangen nach in Musik von Tamar Eskenian, die als Querflötistin schon in den grossen Konzerthäusern Europas und Südamerikas aufgetreten ist, an diesem Abend aber auf ihrer schlichten armenischen Hirtenflöte Shvi spielte, deren geheimnisvolle Naturtonklänge wunderbar zum Anlass passten. Jutta Wurm von der reformierten Kirche Region Rheinfelden leitete einen Kanon an, den sie eigens für diesen Anlass geschrieben hatte: „Damit Ströme lebendigen Wassers fliessen… Ströme fliessen…“ Das Lied stimmte ein ins Ritual, das Claudia Nothelfer von der römisch-katholischen Landeskirche Aargau anschliessend einführte: Die Teilnehmenden waren eingeladen, einen Stein, ein Stück Holz etc. in den Fluss zu werfen, verbunden mit guten Wünschen fürs Wasser und die Lebewesen, die darin wohnen. Schliesslich wies Monika Lauper, Seelsorgerin der römisch-katholischen Pfarrei Rheinfelden, die den Anlass federführend organisierte, auf die Kollekte zugunsten von „oeku – Kirchen für die Umwelt“ und den bereitstehenden Apéro hin. Man verweilte noch lange, im Gespräch, im Nachklang der Worte und Melodien, im Lauschen auf das Rauschen des Rheins.

Andreas Fischer, Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Region Rheinfelden und Mitglied des ökumenischen Vorbereitungsteams

* Vom 1. September (Schöpfungstag der orthodoxen Kirchen) bis zum 4. Oktober (Gedenktag des Schöpfungsheiligen Franz von Assisi) feiern die Kirchen schweiz- und weltweit die SchöpfungsZeit. Sie ist dem Gebet für die Erde und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet. Der Verein „oeku – Kirchen für die Umwelt“ erarbeitet jeweils Informationsmaterial und liturgische Unterlagen. Seit 2017 findet der Anlass der Landeskirchen Aargau und beider Basel zur Eröffnung der SchöpfungsZeit jeweils in Rheinfelden statt.
Auftakt zur Schöpfungszeit 2021
06.09.2021
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Fotograf/-in
Willi Baldinger und Weitere