Zum Abschied von Emil Aeschbach (1922-2021)

Emil Aeschbacher (re.) mit Willy Zinniker unter der Eiche (Foto: Jutta Wurm)
Emil Aeschbacher (re.) mit Willy Zinniker unter der Eiche (Foto: Jutta Wurm)
Am 25. Juli 2021 ist Emil Aeschbach in seinem hundertsten Lebensjahr gestorben, Ende August fand in der Stadtkirche Aarau die Gedenkfeier statt. Aeschbach hatte sich schon in jungen Jahren als Architekt des Schwesternhauses des Kantonsspitals Aarau einen Namen gemacht, des ersten Hochhauses in der Stadt. Vor gut einem halben Jahrhundert hat er auch das reformierte Kirchgemeindehaus Kaiseraugst desingt. Ein persönlicher Nachruf vom Pastor loci.
Andreas Fischer,
Beim Gottesdienst am 8.8. dieses Jahres mit anschliessendem Apéro wurde ich ganz melancholisch. Erinnerungen tauchten auf, wie Emil Aeschbach 2017 anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums unseres Kirchgemeindehauses zusammen mit seinem Schulfreund, Alt-Gemeindeschreiber und Alt-Kirchenpfleger Willy Zinniker, unter den Eichen sass. Zinniker hatte Aeschbach einst als Architekten des Gebäudes vermittelt.

Nun sind beide gestorben, Willy Zinniker im letzten, Emil Aeschbach in diesem Jahr, beide im ihrem hundertsten Lebensjahr. Wer weiss, vielleicht sitzen sie jetzt in einer anderen Welt unter einem Baum und fahren fort zu philosophieren über jene anderen Zeiten, als Submissionsverfahren noch nicht wirklich eine Rolle spielten und in den Architekturbüros das verbindende Prinzip lautete, keine Prinzipien zu haben – ausser Ernsthaftigkeit und Konzentration bei der Arbeit sowie Freundschaft, Generosität und Humor in den Beziehungen. So hat Emil Aeschbach mir das damals erklärt, zusammen mit seinen beiden Kollegen Felber und Kim, wobei die drei sich nicht mit dem Vor-, sondern dem Cerevis-, dem Biernamen ihrer Studentenverbindung ansprachen, dem KTV Aarau, dem Kantonsschülerverein Aarau.

Es war ein inspirierendes Gespräch. Und auch das, was Emil Aeschbach für uns Kaiseraugster in die Welt gestellt hat, ist, auch ein halbes Jahrhundert danach, höchst inspirierend. Die raumhohen vertikalen Fenster geben Licht und Luft und viel Fläche für Bilder und Bücher. Das habe auch ich, obwohl ahnungslos in Architektur, verstanden, und davon lebe ich, in Zeit und irgendwie wohl auch in Ewigkeit. Dass Emil, der sein privates Haus und unser Gotteshaus einander ähnlich, beide „chli anders“, wie er mir sagte, „chli schräg“ gebaut hat, jetzt „im Haus des Ewigen“ (Psalm 23) weilt, das wünscht man ihm von Herzen. Und seinen Nachkommen wünscht man für ihr weiteres Dasein im „Innenraum“ der Erden-Existenz, was Emil Aeschbach damals für den Innenraum unseres Kirchgemeindehauses als Programm postulierte: „Es soll hell sein, aber nicht blenden“.