Predigt über den Namen Jesus

jeschua.001 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Leszek&nbsp;Ruszkowski)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rheinfelden.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>177</div><div class='bid' style='display:none;'>9894</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>
In dieser Zeit, in der einige Menschen aus Vorsicht auf den Kirchenbesuch verzichten, kann Predigtlesen eine gangbare alternative sein. Hier nun die Predigt vom 3. Januar – auch mit einem pdf-Dokument zum Download.
Leszek Ruszkowski,
Predigt-Text
Matthäus 1,21 [Der Engel sprach zu Joseph im Traum] Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von ihren Sünden retten.
22 Dies alles ist geschehen, damit in Erfüllung gehe, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
23 Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben. Das heisst: ‹Gott mit uns›.
24 Als Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
25 Er erkannte sie aber nicht, bis sie einen Sohn geboren hatte; und er gab ihm den Namen Jesus.


Predigt

1. "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein." Gott ruft dich bei Namen. Machen Sie doch einen Moment die Augen zu. Hören Sie im Herzen den eigenen Namen, von Gott gesprochen? Und wenn ja, wie geht es Ihnen dabei? Ich fühle mich beachtet, wertvoll, verstanden, glücklich. Dieser Name wird zwar auch von anderen Personen getragen, aber wenn ich ihn so höre, denn gibt es für mich keinen Zweifel: ich bin gemeint.

2. Ein Kind erhält seinen Namen. So war es auch bei Jesus. Der Name kommt bei ihm direkt von Gott- bei der Voraussage seiner Geburt, der Name bringt das Wesen einer Person zum Ausdruck: das Wesen von Jesus ist Gott bekannt – auch mein Wesen ist ihm bekannt. Der Name allein, kann dies nicht ausschöpfen.

3. Bei Jesus ist die Bedeutung "Gott rettet". Und diese Bedeutung verbindet sich ganz stark mit dem Wesen seiner Person und seiner Mission. Der Name wurde nämlich sowohl nach Matthäus wie nach Lukas von Gott selber ausgewählt, was ein Engel bekannt gibt. Es gibt aber auch Unterschiede. Bei Lukas spricht der Engel Gabriel zu Maria. Bei Matthäus spricht ein Engel zu Joseph im Traum. "Er gab ihm den Namen Jesus."

Joseph nimmt hier seine Vaterrolle wahr und gibt dem Kind eben jenen Namen. Bei Matthäus bleibt dem Mann die Hauptrolle erhalten. Interessant in diesem Evangelium, dass sich mit der Geburt des Messias zwei Namen verbinden: Jesus und Immanuel. Die Erfüllung der Prophetie würde eigentlich danach verlangen, dass der Neugeborene den Namen Immanuel trägt. Darüber habe ich am Weihnachtstag gepredigt. Aber Gotteswille wird so festgehalten: "Du, Joseph sollst ihm den Namen Jesus geben." Und das tat Joseph auch.

Bei Lukas ist der Moment der Namensgebung klar definiert – nämlich bei der Beschneidung am achten Tag – was bis heute dem jüdischen Brauch entspricht. Lukas lässt aber offen, wer den Namen vergibt. "Da wurde ihm der Name Jesus gegeben, der von dem Engel genannt worden war". Maria kann es nicht gewesen sein, denn Mutter ist bei der Beschneidung nicht anwesend. Lukas hütet sich hier Joseph ins Spiel zu bringen. Vielleicht soll dieses "Es wurde der Name gegeben" nochmals betonen, dass dieser Name nicht von den Menschen vergeben worden ist?

Aber wie jedes Menschenkind erhält auch Jesus seinen Namen. Und mit der Zeit wird ihm bewusst, dass er mit dem Namen gemeint ist: von Menschen um ihn herum und von Gott. Wie es beim Propheten steht: "ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir."

Wenn der Engel sagt, das Kind soll Jesus heissen, so wird in dem Moment der Welt die Rettung versprochen.

"Du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von ihren Sünden retten." schreibt Matthäus ausdrücklich. Er ist der Retter. Er rettet uns aber nicht in erster Linie von den äusseren Bedrohungen. Er rettet uns nicht von anderen Menschen oder von Naturkatastrophen, vielleicht auch nicht von Viren und Bakterien, sondern von unseren Sünden, das heisst im Klartext: er rettet uns von uns selber, von dem was wir dieser Welt, einander und uns selber antun. Von dem, was uns innerlich gefangen hält: von Egoismus, von Gleichgültigkeit und Unbarmherzigkeit.

4. Aber die Bedeutung des Namens liegt nicht allein in der Übersetzung aus dem Hebräischen. Beim Vergeben eines Namens wird auch an die Geschichte eines früheren Namensträgers angeknüpft. Das ist im Fall von Jesus ganz deutlich. Vor ihm haben einige bekannte Persönlichkeiten und wahrscheinlich unzählige normale Junge diesen Namen erhalten. Der wichtigste Vorgänger: Jehoschua, in der griechischen Übersetzung JESOUS. Leider hat die Lateinische Übersetzung diesen Namen als Josue wiedergegeben und auf Deutsch Josua. Für unsere Ohren ist nicht erkennbar, dass dies dem Namen Jesus entspricht. Im Namen Jesus klingt symbolisch die Geschichte Josuas nach. Das Wichtigste an dieser Person ist seine Rolle als Nachfolger von Moses. Mose ist derjenige, der aus der Sklaverei in Ägypten herausführt. Er führt das Volk in den Bund mit Gott und gibt ihm die Gesetze als Leitplanken und Orientierung. Und er kommt mit diesem Volk bis an den Rand des verheissenen Landes, stirbt aber ohne je einen Fuss in das Land gesetzt zu haben. Es ist sein Nachfolger Josua, der das Volk über das letzte Hindernis, den Jordan-Fluss in das Land der Verheissung führt und dort angekommen das Passa-Mahl feiert. Und bei Jesus, da haben wir mit einem Gesandten Gottes zu tun, der nicht nur über Gottes Reich spricht, sondern mit einem, der uns dort hineinführt und haltet ein Mahl mit uns. Wir brauchen nichts mehr zu tun als ihm zu folgen – wie das Volk in der Wüste brauchte nur Josua, dem ersten Mann mit dem gleichen Namen wie Jesus zu folgen, um in das gelobte Land zu gelangen.

5. Wer den Namen Jeschua ausspricht, den Namen Jesus, der sagt: Gott rettet und legt spricht damit so etwas wie ein ultra kurzes Glaubensbekenntnis ab: Gott rettet.

Und es gibt Menschen, die das Aussprechen dieses Namens wirklich als Bekenntnis und als Gebet verstehen und nicht einfach als ein Verwunderungsausdruck (Jesus Gott!)

Besonders in der Ostkirche betet man seit Jahrunderten das Jesus-Gebet. Und damit ist verbunden die Geschichte des russischen Pilgers, der mitte des 19. Jahrhunderts jemanden suchte, der im das unablässige Gebet im Sinn der Bibel beibringen konnte. Diese Schrift hat auch im Westen, auch bei uns Verbreitung gefunden.

Der russische Pilger erklärt darin:
„Das unablässige innere Jesusgebet ist das ununterbrochene Anrufen des göttlichen Namens Jesu, wobei man sich seine ständige Anwesenheit vorstellt und ihn, bei jeder Handlung, überall, zu jeder Zeit, sogar während des Schlafs um sein Erbarmen bittet.“

Der Starez, ein alter erfahrener Mönch, erklärte mir, dass das Erlernen dieses Gebets vor allem eine Gewöhnungssache sei, und wenn man sich einmal daran gewöhnt habe, würde es einem eine außerordentliche Freude geben. Man hätte dann den Wunsch, es ständig zu verrichten, und das würde sich wie von selbst tun. Konkrete Anweisungen las er mir aus einem Buch vor, das den seltsamen Titel trug: Philokalia, oder die Liebe zur geistlichen Schönheit derer, die die Wachsamkeit des Geistes üben. Dort hiess es:

"Setze dich in der Stille und Einsamkeit hin, schließe die Augen und lasse den Atem ganz leicht fließen. Führe dann deine Aufmerksamkeit aus dem Kopf ins Herz, so dass dein Vorstellungsvermögen, Denken und Fühlen vom Herz ausgehen. Im Rhythmus des Atems sprich in Gedanken — oder auch leise die Lippen bewegend — folgendes: »Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.« Vertreibe alle fremden Gedanken, sei nur still und habe Geduld und übe dieses Gebet sehr häufig."

Es gibt also eine mystische Tradition, die sich aus dem Namen Jesus ableitet, dieser Name, der eine Heilsgeschichte und ein Bekenntnis in zwei bis drei Silben beinhaltet.

Dass dies nicht erst auf dem Berg Athos oder in den sibirischen Landschaften passiert, zeigen uns die Schriften des Neuen Testaments, aus denen ich zum Schluss dieser Predigt zwei Stellen zitieren möchte:

Apostel 4,12 Und in keinem anderen ist das Heil; denn uns Menschen ist kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Phil 2,9 Deshalb hat Gott ihn auch über alles erhöht und ihm den Namen verliehen, der über allen Namen ist,
Phil 2,10 damit im Namen Jesu sich beuge jedes Knie, all derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
Phil 2,11 und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Amen.

Dokumente