Zwei Anlässe in der Schöpfungszeit

20200901_180203 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Jutta&nbsp;Wurm)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rheinfelden.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>759</div><div class='bid' style='display:none;'>9582</div><div class='usr' style='display:none;'>68</div>
Mit einer Auftaktveranstaltung Anfang September und einem Taizé-Pilgern am Ende des Monats feierten wir die Schöpfungszeit.
Andreas Fischer,
In den orthodoxen Kirchen wird der 1. September als Tag der Schöpfung begangen. Der 4. Oktober ist der Gedenktag von Franz von Assisi. Bei der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung, die im Jahr 2007 in Sibiu in Rumänien stattfand, ist die Zeit zwischen diesen Daten als Schöpfungszeit propagiert worden. Sie hat sich seither weltweit vielerorts als Zeit im Kirchenjahr etabliert, in der Themen wie „nachhaltiger Lebensstil“ und „Bewahrung der Schöpfung“ bedacht werden. In der Schweiz bedient der Verein „oeku – Kirche und Umwelt“ die Kirchgemeinden und Pfarreien mit Unterlagen jedes Jahr zur Schöpfungszeit. Ein von 2016 bis 2020 dauernder Zyklus zu den fünf Sinnen nimmt dieses Jahr abschliessend den Sehsinn in den Fokus.

„Look at this World“: Eröffnung der Schöpfungszeit

Die Auftaktveranstaltung zur Schöpfungszeit hat am 1. September in Rheinfelden stattgefunden. Der Anlass wurde von einem überregionalen ökumenischen Team unter der Leitung des reformierten ehemaligen Magdemer Pfarrers Stephan Degen-Ballmer und der katholischen Rheinfelder Seelsorgerin Monika Lauper organisiert. Stadtführerin und Katechetin Susanne Ammann und ihr Mann Simon wiesen auf einer Führung durchs Städtli auf verborgene Orte hin, in der anschliessenden liturgischen Feier sang ein kleiner Ad hoc-Chor unter der Leitung von Jutta Wurm „Look at this World“ des englischen Komponisten John Rutter (* 1945), der Jazz-Pianist Christian Gutfleisch intonierte u.a. „What a wonderful World“, in kurzen thematischen Impulsen wurden die Teilnehmenden angeleitet, die Welt wie Jesus zu betrachten: „Seht die Vögel des Himmels, seht die Lilien auf dem Feld!“, mit Daumen und Zeigefinger ein Guckloch zu bilden und so in den Kirchenraum zu schauen, den kindlichen Blick des genial-komischen Gedichts von Christian Morgenstern einzunehmen:

„Erschrocken staunt der Heide Schaf mich an,
als säh’s in mir den ersten Menschenmann.
Sein Blick steckt an; wir stehen wie im Schlaf;
Mir ist, ich säh‘ zum ersten Mal ein Schaf.“


Texte aus den oeku-Unterlagen kamen zur Sprache, solche, die einem die Augen öffnen für den rasanten Verlust an Biodiversität auf unserem Planeten und auch in der Region, und solche, die einen zum entschleunigten Betrachten anleiten wie das Gedicht des brasilianischen Befreiungstheologen Dom Helder Camara: „Schau noch einmal: / Schau / bis du das Unsichtbare siehst“. Noch lange, bis es dunkel wurde, stand man auf dem Platz vor der katholischen Kirche, tauschte aus und ass die coronagerecht zubereiteten Somosas von „Taste the World“.

„Der erste Friede“: Taizé-Pilgern nach Mariastein

Am 26. September pilgerten Leute der Taizé-Gruppen Möhlin und Kaiseraugst zum Benediktinerkloster Mariastein. An Stationen auf dem Weg, den wir im Schweigen gingen, wurde ein Text des indianischen Medizinmanns und katholischen Katecheten Black Elk (Schwarzer Hirsch; 1863-1950) gelesen:

"Der erste Friede, der wichtigste ist der, welcher in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verwandtschaft, ihr Einssein mit dem Universum begreifen und inne werden, dass im Mittelpunkt der Welt das grosse Geheimnis wohnt, und dass diese Mitte tatsächlich überall ist. Sie ist in jedem von uns.
Dies ist der wirkliche Friede, alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.
Der zweite Friede ist der, welcher zwischen Einzelnen geschlossen wird.
Und der dritte ist der zwischen Völkern.
Doch vor allem sollt ihr verstehen, dass es nie Frieden zwischen Völkern geben kann, solange nicht der erste Friede vorhanden ist, welcher innerhalb der Menschenseelen wohnt!"


Das Wetter war garstig, die Stimmung heiter. Lange verweilten wir am Ende des Wegs in der Kapelle, zu der eine in den Felsen gehauene Treppe hinabführt, wir wärmten uns auf beim Tee in der Beiz und feierten schliesslich Gottesdienst in der Basilika, mit den typischen Taizéliedern und einem Pilgersegen von Pater Ludwig Ziegerer.

In einer kurzen Predigt im Rahmen der Taizéfeier ging ich noch einmal aus vom Text von Black Elk. Dass Friede mehr ist als Abwesenheit von Krieg zwischen Völkern und Streit zwischen Einzelnen, dass er vielmehr eine Qualität dessen ist, was Black Elk das grosse Geheimnis nennt – das kommt zum Ausdruck in den folgenden Zeilen aus Psalm 85:

„Lichtglanz wohne in unserem Land.
Gnade und Treue finden zusammen,
es küssen sich Gerechtigkeit und Friede.“


Der Lichtglanz – KAVOD auf Hebräisch, was üblicherweise mit „Herrlichkeit“ übersetzt wird – ist ein überwältigendes Lichtphänomen, in dem sich die Präsenz, die Gegenwart Gottes zeigt. Diese Gegenwart ist umgeben von vier Qualitäten, die wie Personen erscheinen. Sie sind Manifestationen Gottes, eine Art göttliche Quaternität, die tief in meiner Seele wohnt und zugleich das Universum umfasst, mithin von schöpfungstheologischer Bedeutung ist:

„Treue sprosst aus der Erde,
und Gerechtigkeit schaut vom Himmel hernieder.“


Schöpfungszeit: Auftaktveranstaltung und Taizé Pilgern
29.09.2020
11 Bilder
weitere Bilder anzeigen
Fotograf/-in
Christine Frei, Jutta Wurm