Rückblick auf ersten Gottesdienst per Livestream

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Am Sonntag, 22. März um 10 Uhr hat in der Kirche Rheinfelden ein Gottesdienst stattgefunden, hinter verschlossenen Türen, dafür mit Live-Übertragung in viele Stuben in der Gemeinde, und, zum Beispiel, auch in Basel, Zürich und Bern. Vor und hinter der Kamera stand mein Pfarrkollege und nebenberufliche Filmemacher Leszek Ruszkowski.
Andreas Fischer,
Leszek hat schon mehrere Filme in verschiedenen Formaten produziert. Sein letzter, ein Dokumentarfilm über die Rolle der Kirchen beim Genozid in Ruanda, feierte im November letzten Jahres in Fricks Monti seine Premiere.

Die Idee von Online-Gottesdiensten trägt er seit vielen Jahren mit sich herum. «Kranke und Gebrechliche, die das Haus nicht verlassen können, ferienhalber Abwesende, wegen einer Einladung Verhinderte usw. – es gibt», sagt er, «immer wieder Menschen, die so ein Format gern in Anspruch nehmen würden».

Nun, wegen der Corona-Turbulenzen, gibt es kein anderes Format mehr als eben dieses virtuelle. Also stellt Leszek seine Kameraausrüstung in der Kirche auf. Was es zudem braucht: eine Internetverbindung, eine Webcam, einen Laptop und einen YouTube-Account.

Er ist überzeugt, dass sich der Aufwand für so einen Gemeindegottesdienst trotz der Fernsehgottesdienste lohnt: «Wir werden nicht SRF-Qualität erreichen, aber wir werden durch die Live-Übertragung auf unserer Webseite ein Gefühl gemeinschaftlichen Erlebens vermitteln können. Mitbeten, mitsingen, innehalten oder einfach vertraute Gesichter sehen, das scheint mir in dieser Zeit enorm wichtig.»

Nachdem er am Samstag alles installiert, stundenlang am Sound getüftelt und in der Nacht über der Predigt gebrütet hat, geht er am Sonntagmorgen den kurzen Weg von hinter nach vor der Kamera. Dort, gesteht er, sei er noch nicht oft gestanden. Und beides zugleich zu tun, die Kamera zu bedienen und in die Kamera zu sprechen, diese Art von Multitasking ist selbst für den vielseitig begabten und engagierten Pfarrer eine Premiere.

Live!

Kommt dazu, dass der Gottesdienst, anders als die meisten anderen Übertragungen, die an diesem Sonntagmorgen stattfinden, tatsächlich live ist. Diesen Anspruch erhebt Leszek kompromisslos: «Jeder Gottesdienst findet live statt». Da gibt es keine Delete- und keine Replay-Taste. Ausserdem ist ihm wichtig zu sagen, dass auch dieser Video-Gottesdienst „keine One-Man-Show“ ist. Tatsächlich befinden sich in der Kirche ausser ihm die Organistin Nina Haugen sowie, zur Unterstützung des Gesangs zuhause auf dem Sofa, Jutta und ich. Wir sind oben auf der Empore, im gebotenen Abstand voneinander. Wir vier bilden zusammen also so etwas wie eine Minigemeinde vor Ort.

Die Anspannung wegen der Technik verfliegt mit den ersten Orgelakkorden: «Ich wusste», sagt Leszek, «von vielen Menschen nah und fern, dass zuschauen und mitfeiern, spürte die Verbundenheit mit ihnen».

Die Predigt ist eindrücklich, in normalen Zeiten, sagt Leszek in seiner Kanzelrede, ist das Unsichtbare Sache der Religionen, Skeptiker zweifeln an dem, was sie nicht sehen. Doch die Zeiten sind nicht normal. Die Viren sind unsichtbar, aber Wissenschaftlerinnen, Politiker und überhaupt alle Menschen guten Willens und gesunden Verstands fordern dazu auf, ihre Realität für wahr zu halten. Und Skepsis ist dieser Tage, zurecht, verpönt.

Bilder des Unsichtbaren entstehen dank des Mikroskops. Das Corona-Virus gleicht dem Morgenstern, der wie es selbst einen schönen Namen trägt und eine wüste Sache meint: Eine mit Dornen bespickte Schlagkeule.

Der Bilder bedarf auch die innere Befindlichkeit. Man findet sie in der Bibel, etwa in jenem grandiosen Text des Propheten Jesaja, wo er sagt, es habe sich ein Schleier über die Menschheit gelegt, und verheisst, dass dieser Schleier gelüftet wird, dass Gott die Hülle wegnehmen und der Tod vernichtet sein wird. (Predigt und Gottesdienst sind » hier auf der Website abrufbar.)

Das Gefühl, dabei zu sein

Die Einschaltquoten übertreffen den durchschnittlichen Gottesdienstbesuch bei weitem, die Rückmeldungen sind hymnisch: «Superguet gmacht – in Ton und Inhalt». «Die Qualität des Gottesdienstes war hervorragend – sowohl technisch, als vor allem auch inhaltlich». «Wir möchten Euch ganz herzlich danken für diesen stimmungsvollen Gottesdienst, der Licht und Hoffnung in diese schwere Zeit gebracht hat». «Und vor allem: Ich hatte wirklich das Gefühl, dabei zu sein.»

Womit dieses «Gefühl, dabei zu sein» zu tun hat?

Leszek sagt, es sei eine Gratwanderung. Technische Perfektion kann steril wirken. Umgekehrt soll nicht nur im Inhalt, sondern auch im Streaming «Herzblut» spürbar sein. Eine Handyaufnahme würde seinen Ansprüchen niemals genügen. Der Gradmesser bei der Gratwanderung für ihn lautet, digital und analog, «Authentizität». Der Glaube soll glaubwürdig sein und rüberkommen.

Andreas Fischer