Sonntagsbrief

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Liebe Leserin, lieber Leser
Witze über gehamstertes Klopapier gehen derzeit in den sozialen Netzwerken viral. Umgekehrt mangelt es in den Spitälern an Beatmungsgeräten, Schutzanzügen, Desinfektionsmittel. Zu beidem, dem sinnlosen Hamstern und dem Mangel an Vorsorge, kommen einem die berühmten Worte aus der Bergpredigt Jesu in den Sinn: «Seht die Lilien auf dem Feld, seht die Vögel des Himmels – und sorget euch nicht!» Ich hoffe, meine Gedanken dazu seien für Sie anregend. Im Namen der Kirchenpflege und des Pfarrteams wünsche ich Ihnen gesegnete Kar- und Ostertage. Bleiben Sie gesund, bhüet Sie Gott, und seien Sie herzlich gegrüsst von
Andreas Fischer

Andreas Fischer,
Matthäus 6, 25-30: Vom Sorgen

Jesus sagt:«Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen werdet, noch um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen - euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie? Wer von euch vermag durch Sorgen seiner Lebenszeit auch nur eine Elle hinzuzufügen?
Und was sorgt ihr euch um die Kleidung? Lernt von den Lilien auf dem Feld, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht, ich sage euch aber: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn Gott aber das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!»

Johannes Weiss (1863-1914), ein ansonsten besonnener Theologieprofessor, ist angesichts dieser Worte Jesu geradezu in Rage geraten. Er sagte sinngemäss, die Rätschläge Jesu mögen vielleicht zu einem im sonnigen Süden herumvagabundierenden Single passen. Glücklicherweise biete die Bibel uns aber noch andere Vorbilder als Vögel und Lilien – echte, hilfreiche Vorbilder für Menschen, die sich bemühen, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen und auf ehrliche Weise das tägliche Brot für sich und ihre Kinder zu verdienen.
Ein solches biblisches Vorbild ist zum Beispiel Josef. Er findet als Flüchtling in Ägypten Aufnahme und wird vom Pharao zum Regierungschef über das ganze Land eingesetzt. Grund für die Erhöhung ist gerade dies: dass Josef sich um die Zukunft sorgt. Der Pharao träumt von sieben fetten und sieben mageren Kühen, die aus dem Nil herauf steigen. Josef versteht: Es werden sieben fette und dann sieben magere Jahre kommen. In den sieben fetten Jahren soll man sparen, damit das Volk nicht hungert, wenn anschliessend die grosse Dürrezeit folgt. Solch umsichtige Regenten, die sich sorgen fürs Volk und «in Scheunen sammeln», wünscht man sich doch – auch und gerade heute, in dieser von Corona-Turbulenzen aufgewühlten Zeit. Josef, könnte man sagen, sei weiser als Jesus. Indessen vermute ich, dass man die Worte von Jesus nicht in ihrer wahren Tiefe erfasst hat, wenn wir hier stehen bleiben.
Wir stehen am Anfang der Karwoche. Zu dieser Woche gehört die Szene im Garten Getsemani. Dort, heisst es in der Bibel, sei Jesu Schweiss wie Blutstropfen zur Erde gefallen. Kurz darauf wird er verhaftet, abgeurteilt und am Kreuzgalgen hingerichtet.
Spätestens hier, in den letzten Tagen Jesu, wird deutlich, dass der Gottessohn selber nicht so sorglos durchs Leben ging, wie es in den oben zitierten Worten aus der Bergpredigt den Anschein macht. Spätestens im Garten Getsemani wandelt sich die Leichtigkeit des Seins in schiere Verzweiflung.
Und nun: Nehmen wir an, der zitternde, weinende Mann im Garten sei Gott – so lautet ja der zentrale Gedanke des christlichen Glaubens: Dieser Mensch sei Gott. Dann dürften wir doch weiter annehmen, dass Gott all unsere Sorgen aus eigener Anschauung kennt. Und das hiesse: Gott ist da, mit uns auch in den Stunden der Sorge. Auch im Getsemani unserer je eigenen Seelen. Wir sind nie allein.
Das ist das eine. Doch die Karwoche ist am Gründonnerstag nicht zu Ende. Die Geschichte geht weiter. Gott wird verhaftet, gefoltert, gekreuzigt. Gott stirbt. Gott ist tot.
Und dann, berichtet die Bibel, am dritten Tag, da sei Gott auferstanden von den Toten. Was damit gemeint ist, wird für uns Geheimnis bleiben, solange wir im begrenzten menschlichen Bewusstsein unser Dasein fristen. Indessen gibt es Augenblicke, in denen man meint, hinter den Schleier und die Verkleidung zu blicken. Auf einen solchen Augenblick sei abschliessend hingewiesen:
Vermutlich kennen Sie diesen Mann: Martin Luther King, Baptistenpfarrer und Bürgerrechtler, Lichtgestalt der Befreiung der Schwarzen in den USA. King wurde am 4. April 1968 ermordet – möglicherweise lesen Sie diesen Sonntagsbrief also genau an seinem Todestag.
Am Vorabend seines Ablebens hielt Martin Luther King eine Rede. Darin ist spürbar, dass er um seine Gefährdung wusste und mit seinem baldigen Tod rechnete. In dieser Situation sagt er Folgendes:
«Nun, ich weiss nicht, was jetzt geschehen wird. Schwierige Tage liegen vor uns. Aber das macht mir jetzt wirklich nichts aus. Denn ich bin auf dem Gipfel des Berges gewesen. Ich mache mir keine Sorgen. Wie jeder andere würde ich gern lange leben. Ein langes Leben hat seinen Wert. Aber darum bin ich jetzt nicht besorgt. Ich möchte nur Gottes Willen tun. Er hat mir erlaubt, auf den Berg zu steigen. Und ich habe hinübergesehen. Ich habe das Gelobte Land gesehen. Vielleicht gelange ich nicht dorthin mit euch. Aber ihr sollt heute Abend wissen, dass wir, als ein Volk, in das Gelobte Land gelangen werden. Und deshalb bin ich glücklich heute Abend. Ich mache mir keine Sorgen wegen irgendetwas. Ich fürchte niemanden. Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen.»
Wie Mose und Jesus besteigt Martin Luther King den Berg. Er schaut über den Fluss hinaus in eine andere Welt, eine andere Zeit. Der tief menschliche Wunsch nach einem langen und glücklichen Leben bleibt. Dennoch macht sich King darüber keine Sorgen mehr. Er betrachtet das Leben hier auf Erden aus einer anderen Dimension, die unendlich weit und unendlich hell ist. Das irdische Leben ist eingetaucht in ein neues Licht, das Osterlicht, das Licht der Auferstehung. King selber nennt es den «Glanz des kommenden Gottes».
In diesem Licht verschieben sich die Prioritäten. Dieser Mensch ist frei geworden. Zwar ist King bei seiner Rede emotional aufgewühlt, und seine Augen blicken traurig. Manchmal bewegen sie sich verängstigt wie die eines gejagten Tiers. Doch in der Tiefe der Seele, da ist keine Angst mehr, die Sorgen sind abgefallen, verflogen, verweht.
Wenn ich diesem Menschen in die Augen schaue, dann meine ich zu verstehen, was Jesus meint mit einem Leben so weit wie die Vögel unter dem Himmel, so hell wie die Blumen des Feldes. So sind wir gedacht. So werden wir eines Tages sein, dort drüben im Gelobten Land, eingetaucht in den Glanz des kommenden Gottes.
Nicht nur die Vögel und Lilien werden wir dann ganz neu sehen, sondern auch uns selber, so wie wir gemeint sind: Ecce homo, seht da, der Mensch.
(Die letzte Rede von Martin Luther King, «I‘ve Been To The Mountaintop», kann mit wenigen Klicks im Internet gefunden werden, auch die Übersetzung. Besonders eindrücklich ist die Aufnahme der letzten Minuten der Rede: » Martin Luther King's Last Speech


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