Betrachtung des Monats

Bibel im Kerzenlicht<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>203</div><div class='bid' style='display:none;'>1283</div><div class='usr' style='display:none;'>1</div>
Von Klaus-Christian Hirte. Der Herr sagt: »Ich hasse eure Feste und kann eure Feiern nicht ausstehen.[...] Sorgt lieber dafür,
dass jeder zu seinem Recht kommt! Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen wie ein Strom, der nie austrocknet.» Amos 5,21ff
Klaus-Christian Hirte,
Ein hartes Wort von Amos, dem ältesten Schriftpropheten des Alten Testaments. Was bringt ihn dazu, so zu reden?
Für Propheten wie Amos oder Hosea war völlig klar, dass Gottesdienst und Alltag, Glauben und Leben
zusammengehören. Deshalb sollen sich Gläubige für Recht und Gerechtigkeit in der Gesellschaft einsetzen. Erst das – so Amos – sei wahrer Gottesdienst. Amos hat deutlich Position bezogen und sich in Widerspruch begeben zu vielen, die anderer Meinung waren.

Letztlich lässt sich über Recht und Gerechtig- keit trefflich streiten, aber die Frage ist auch heute noch aktuell: Wie politisch, darf, muss, soll die Kirche sein? Bei unserem nördlichen Nachbarn ist darüber eine heftige Diskussion entbrannt. Auslöser ist die EKD in Hannover, der Zusammen- schluss aller evangelischer Kirchen in Deutschland. Die EKD hat beschlossen ein Schiff anzuschaffen, um Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Manche freuen sich über dieses politische Signal der Kirche, andere sind eher skeptisch ob es die Aufgabe der Kirche ist, in dieser Weise tätig zu werden.
Soll sich Kirche so klar politisch positionieren?

Wie steht sie beispielsweise zu «Fridays for future» oder zu
der Konzernverantwortungsinitiative? Egal wie die Antwort ausfällt, diese Diskussion wird in vielen reformierten Kirch- gemeinden im Moment engagiert geführt. Kirchen werden
so zu Resonanzräumen für Debatten, die in der Gesellschaft notwendig sind, um friedliches Miteinander zu ermöglichen und Zukunft zu gestalten. Dabei haben durchaus unterschiedliche Meinungen ihren Platz und ihr Recht.

Bei uns halten sich die Kirchen mit politischen Äusserungen eher zurück. Die reformierte Kirche noch stärker als die katholische. Ich finde es richtig, dass keine Parteipolitik
betrieben wird. Die Kirche ist schliesslich für alle da. Aber Nächstenliebe, Solidarität, Würde, Freiheit und Gleichheit der Menschen sind Teil des Evangeliums und der christlichen Botschaft und als solche nicht verhandelbar. Darauf muss die Kirche hinweisen. Sonst wird sie profil- und farblos. In einer Zeit, wo viele Sicherheiten ins Rutschen kommen und auch politisch manches in Schieflage gerät, braucht es einen Kompass der uns leitet. Die alttestamentlichen Propheten können uns hier durchaus als Vorbild dienen.