Konfstart in Kaiseraugst

20190511_151822(0).bak<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rheinfelden.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>706</div><div class='bid' style='display:none;'>7897</div><div class='usr' style='display:none;'>68</div>

Eine Woche nach Rheinfelden und Magden, am 11./12. Mai begann auch in Kaiseraugst der neue Konfzyklus.
Andreas Fischer,
Zu zweit schwärmten die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus, um ein paar Gemeindeglieder zu interviewen: den ehemaligen Präsidenten des Kaiseraugster Gemeindevereins und dessen Frau, ein junges Paar, das bald einmal sein drittes Kind zur Taufe bringen wird, eine betagte Frau im Rinau-Park, die Eltern eines früheren Konfirmanden. Warum sie reformiert seien, wie sie ihren eigenen Konfunterricht erlebt haben, was ihnen von ihrer Konfirmation in Erinnerung sei.

Und weiter: Wie sie sich zum Absolutheitsanspruch der Worte Jesu stellen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich“. Die Ergebnisse verknüpften die Konfirmanden mit ihren eigenen Überzeugungen und präsentierten diese – ernsthaft, witzig und erstaunlich relaxt – im Gottesdienst. Der Gospelchor sang jene Songs, die mich auf das Thema gebracht hatten: „I’m on my way to Canaanland“ (das WEG-Motiv), „I’m a child of God“ (das Kind-Vater-Motiv).

Die Gedanken der Gemeindeglieder und der Konfirmanden zum Thema sowie meine Predigt können unten nachgelesen werden. Zum Schluss der Feier sangen wir jenes Lied, das einige Gemeindeglieder und ehemalige Konfirmanden im Voraus mit der diesjährigen Gruppe eingeübt hatten und das uns als Segen in das bevorstehende Jahr begleitet:

„Möge die Strasse uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein.
Sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein“


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Präsentation der Konfirmanden:

Peter und Anna-Mengia:


Anna-Mengia:
Ich bin Anna-Mengia, 13 Jahre alt.

Peter:
Ich bin Peter, 14 Jahre alt.
Gestern haben wir Beatrice und Bruno Wartmann besucht und wir haben sie ein paar Sachen gefragt.

Anna-Mengia:
Wie sie ihre Konfirmation erlebt habe?
Beatrice hatte ein Jahr Konf, Bruno 2 Jahre. Sie fanden den Konfunterricht sehr interessant und finden Konfirmation sehr wichtig.

Peter:
Warum reformiert? Ämtli?
Ihre Vorfahren waren schon reformiert.
Beatrice ist im reformierten Frauenverein. Da machen sie anderen Freude, z.B. mit Weihnachtsgeschenken für alle Frauen über 70.
Bruno war 7 Jahre läng Präsident vom reformierten Gemeindeverein Kaiseraugst. Der unterstützt das gemeinschaftliche Leben in Kaiseraugst.
Den Satz „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben …
finden sie sehr schwierig. Er erinnert sie aber daran, dass es wichtig ist zu glauben.
Unsere Meinung dazu: Wir finden den Satz nicht so gut, weil er es darstellt als hätte man nur einen Weg, der richtig ist. Wir finden aber, dass es mehr als nur einen Weg gibt.

Fiona und Sven:


Sven:
Ich bin Sven und ich bin 14 Jahre alt.

Fiona:
Ich heisse Fiona und ich bin auch 14 Jahre alt.
Mir händ Frau und Herrn Lambrigger bsuecht, und sie händ uns über ihri Konfziit verzällt.

Sven:
Beidi sind reformiert und sind konfirmiert worde. Fritigs händ sie de Konfunterricht bsuecht. Dort händ sie in de Bible gläse und Gottesdienscht vorbereitet.
Ans Konflager können sie sich no guet erinnere. Es het ihne viel Spass gemacht. Für Frau Lambrigger isch d Konfirmation de Abschluss vo de Schuelziit und de Afang vom Erwachse werde.
Über d Ussaag vom Jesus händ sie folgendes gseit:

Fiona:
Es ist schwierig.
Me kanns vo verschiedene Siite gsee.
Me sött niemer wäg siinere Religion verurteile.
Alli dörfe an das glaube, an das sie wänd.
Mir sind do absolut der sälbe Meinig.

Antoine und Sebastian:

Sebastian:
Wir zwei sind gestern zum Altersheim Rinau gegangen. Dort haben wir der sehr netten Dame Olga Rotzler ein paar Fragen gestellt. Sie hat uns sehr spannende Geschichten erzählt, zum Beispiel, warum sie überhaupt konfirmiert wurde. Für Olga bedeutete der Konfuntericht sehr viel. Über Themen, die zur damaligen Zeit den Jugendlichen meist verwehrt wurden, zum Beispiel Sexualunterricht, wurde sie aufgeklärt. Der Konfuntericht war für sie wie eine zweite Schule. Noch heute besucht Olga den Gottesdient, wenn möglich, regelmässig. Im Altersheim gibt es auch oft tolle Anlässe der Kirche. Manchmal hält sie sogar Predigten auf der Kanzel. Es macht ihr Spass.

Antoine:
Unter anderem hat sie uns erzählt, dass sie es schade gefunden hat, dass nach der Konfirmation so wenig Weiteres stattfand. Es sollte weitere Zusammenkünfte geben. Zudem haben wir sie gefragt was der Satz „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zu Gott, es sei denn durch mich“ für sie bedeutet. Olga findet den Satz positiv, denn Jesus sei für alle da. Den zweiten Teil des Satzes findet sie dennoch etwas fragwürdig. Ich selber finde, dass Jesus sich auf diesen Satz bezogen über alles stellt. Der Satz zählt sicherlich zu den eher Konservativeren.

Corinne und Timo:

Timo:
Ich heisse Timo und bin 14 Jahre alt.
Corinne:
Ich vertrete Corinne, die auch 14 Jahre alt ist.

Timo:
Gestern sind wir bim Christoph Frutiger und de Tanja Kettner gsi und händ ihnen es paar Frage zu Konfirmation und Kirche gestellt.
Corinne:
Christophs Konfunterricht war seiner Meinung nach sehr langweilig, sie führten praktisch nur Diskussionen. Das Einzige, was ihm in Erinnerung geblieben ist, war das Konflager. Da waren sie auf einem Segelschiff.

Timo:
Tanja hatte keinen Konfunterricht, dafür aber Firm-Unterricht. Sie sagt, das war der Weg, den ihre Eltern mit der Taufe angefangen haben, und den sie dann weiterging.
Corinne:
Zum Zitat aus der Bibel sagen sie, dass man dies nicht wörtlich nehmen soll, sondern dass man die Ausschmückungen und Übersetzung des Textes berücksichtigen soll.

Timo:
Sie sagen, dass das Christentum nicht die einzige Religion ist und jeder selbst seinen Glauben und seine Religion bestimmen kann. Jeder hat andere Meinungen und Ansichten zu diesem Thema.
Ich selber bin auch dieser Meinung.

I’m On My Way To Caananland (Gospelchor)

Einleitung Lesung:

Ich bin auf dem Weg ins Land Kanaan, also: ins Gelobte Land, in das Land, wo Milch und Honig fliessen. Bin auf dem Weg ins Paradies, das Reich Gottes…

…I’m on my way to Canaanland

So heisst der Song, den der Gospelchor soeben gesungen hat. Es klingen darin Motive an aus der biblischen Lesung, die wir gleich anschliessend hören: Das Motiv des Weges. Das Motiv der Himmlischen Heimat, dem „Haus des Vaters“, wie es in der Lesung heisst.

Die Lesung stammt aus den sogenannten Abschiedsreden im Johannesevangelium. Jesus weiss darum, dass er bald sterben wird und macht daraus auch kein Geheimnis.

Die Jüngerinnen und Jünger reagieren erschreckt und verängstigt. Jesus beruhigt sie: Er wird, auch wenn er weggeht, nicht getrennt sein von uns.

Im Gegenteil: Wenn einst unser Weg hier auf Erden zu Ende geht, wird in einer anderen Dimension ein Ort, eine „Stätte“ für uns bereitet sein.

Und heute schon, hier unten auf Erden, gehen wir unseren Weg nicht allein, sind wir nie getrennt von Gott.

Das Staunen darüber, dass das so ist, kommt in dem Lied zum Ausdruck, das wir im Anschluss an die Lesung ohne weitere Ankündigung singen; es steht auf dem Blatt:

„Who am I“, „Wer bin ich, dass der Herr der ganzen Welt sich darum kümmert, meinen Namen zu kennen, meinen Schmerz zu fühlen. Wer bin ich, dass der helle Morgenstern den Weg meines ewig suchenden Herzens zu erleuchtet.“

Und nun hören wir also, von Sven und Anna-Mengia gelesen, aus dem Johannesevangelium, Kapitel 14 die Verse 1-6.

Johannes 14, 1-6: "Der Weg, die Wahrheit, das Leben“


Jesus sagt:
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wäre es nicht so, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um euch eine Stätte zu bereiten? Und wenn ich gegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - ihr wisst den Weg.

Thomas sagt zu ihm:
Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir da den Weg kennen?

Jesus sagt zu ihm:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich.

Lied: „Who am I“

Predigt:

„Die Glaubens- und Gewissensfreiheit ist gewährleistet.“

So heisst es in Artikel 15 der Schweizer Bundesverfassung. Und weiter:

„Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen.“


Diese Paragraphen sichern uns in der Schweiz die Religionsfreiheit. In den Statements der Gemeindeglieder, die unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden gestern besucht haben, und in den Statements der Konfirmanden selber ist deutlich geworden: das ist gut so. Man muss nicht reformiert sein, um den Slogan, mit dem die reformierte Kirche für sich wirbt, gut zu finden: SELBER DENKEN. Einer der Konfirmanden sagte gestern sinngemäss:

„Jeder darf seine eigene Meinung haben. Es ist nicht besser oder schlechter, reformiert oder katholisch zu sein, Christ oder Jüdin oder Moslem.“

Wenn das so ist, wird die Behauptung Jesu fragwürdig:

„Niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich.“


Mit dem „Vater“ meint Jesus jeweils Gott – wie zum Beispiel in seinem Gebet: „Unser Vater im Himmel“.

Warum um Himmelswillen soll es nicht auch andere Wege zu Gott geben? Warum soll nicht jeder nach seiner Façon selig werden, wie es einst im Zeitalter der Aufklärung der Preussenkönig Friedrich II. vorgeschlagen hat?

Es gilt, Jesus zu widersprechen, wenn seine Worte der Glaubens- und Gewissensfreiheit widersprechen. Dass die Konfirmanden das gestern getan haben, hat mich gefreut.

Oder aber es gilt, die Worte Jesu nicht wörtlich, sondern in einem anderen, einem symbolischen Sinn zu verstehen. Auch dieser Vorschlag ist gestern gemacht worden.

Ich möchte also versuchen, die Worte von Jesus auf dieser symbolischen Ebene noch einmal neu zu hören. Ganz am Anfang des Johannesevangeliums heisst es, das Wort sei Fleisch geworden und habe unter uns gewohnt. Das heisst: Gott ist Mensch geworden, der göttliche Geist Materie geworden, das Grenzenlose ist hineingegangen in die Begrenztheit des Körpers, die Ewigkeit tief eingetaucht in die Zeit.

Und dann weiter: In Jesus Christus ist Gott hinabgestiegen bis in die tiefsten Tiefen der Erde, hinabgefahren zur Hölle, wie es in den alten Glaubensbekenntnissen heisst, hineingegangen in den grausamsten Tod der Antike, den Tod am Kreuzgalgen, hineingegangen in die Folterkeller und Konzentrationslager auch der Gegenwart.

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Und jetzt sagt dieses materiegewordene Wort, dieser menschgewordene Gott weiter: Ich gehe weg, zurück, heim ins Änedraa, in die Ewigkeit, eine andere Dimension und bereite euch dort eine Stätte, einen Ort.

Das hebräische Wort für „Ort“, haMaqom, ist ein Name Gottes – so wie „Erbarmerin“, „Höchster“, „König“ Namen Gottes sind. Dort drüben wird also Gott selber auf uns warten, wird ein Raum sein, der gottvoll ist, ganz erfüllt von göttlicher Energie. Ein Ort von Licht, von Wahrheit, von unbegrenzter Lebendigkeit.

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Weiter: dieses sagenhafte Drüben, das Jenseits ist nicht einfach getrennt vom Diesseits. Jesus sagt in dem Spitzensatz der heutigen Lesung:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“.

Wer sich in der Bibel auskennt, wird bei diesem ICH BIN hellhörig. So hat Gott sich dem Mose vorgestellt in jenem Dornbusch, der brannte, aber nicht verbrannte. ICH BIN DER ICH BIN, sagte er, auf Hebräisch: ECHJE ASCHER ECHJE. In diesen Worten klingt der der heilige Name an, der im Judentum nicht ausgesprochen werden darf: JHWE --- ECHJE ASCHER ECHJE --- JHWH.

Jesus sagt diese ICH BIN-Worte, wie erwähnt, in seinen Abschiedsreden. Kurz bevor sein Weg ins absolute Dunkel führt, ins Verstummen, in den Tod am Kreuz, in die Hölle.

Das heisst: Unser Weg hier unten auf Erden ist nie, absolut nie getrennt vom göttlichen ICH BIN, jenem Ort, vom göttlichen Ort, haMaqom, dem Jenseits, wo die Wahrheit unverstellt und das Leben unbegrenzt ist.

Wohin immer euer Weg führt, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, in diesem Jahr und alle Jahre eures Lebens; wohin immer unser aller Weg führt --- wir werden nie aus Gottes Wirklichkeit fallen. Wir werden immer geborgen, geliebt, gesegnet sein.

Die letzten Worte der Lesung, die problematischen Worte: „Niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich“ – diese Worte sind nicht gegen andere Religionen gerichtet.

Sie bedeuten schlicht und einfach: Wir Menschenkinder werden nicht verschont bleiben vor Schmerz und Enttäuschung. Wir werden nicht verschont bleiben davor, uns die Hände schmutzig zu machen. Wir sind Söhne und Töchter der Erde.

Gerade so gilt, was der Gospelchor jetzt singt: „You’re a child of God“, „Du bist ein Kind Gottes“.

In allen Höhen und Tiefen, in guten und schweren Tagen sind wir geborgen in Gott, der uns Vater ist und Mutter.

A Child Of God (Gospelchor)
aktualisiert mit kirchenweb.ch
Erstellt von: Andreas Fischer     Bereitgestellt: 12.05.2019