Chnulleri und Theobald machen Fasnacht

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Schon zum 16. Mal fand in den heiligen Hallen des reformierten Kaiseraugster Kirchgemeindehauses der Fasnachtsgottesdienst statt, mit Sounds der lokalen Gugge Grossschtadtchnulleri und Weisheiten von Theobald, em Pfaff sin Aff.
Andreas Fischer,
Die Welt stand Kopf an diesem Morgen. Der Pfarrer stand hilflos hinten in der Kirche. Vorne auf der Kanzel trumpfte Plüschaffe Theobald gross auf. Die Chnulleri präsentierten ihre Kostüme. Assortiert zum diesjährigen Sujet, „Wald“, traten sie als Waldschrate auf. Auch Theobald war, von seiner Hofschneiderin Gerda Hollenstein, eigens für diesen Anlass entsprechend eingekleidet worden. Er durchforstete eine veritable Froschauer-Bibel aus dem Jahr 1531 nach einer zu „Wald“ passenden Passage. Das erwies sich als schwierig: „In Palästina gibt’s keinen Wald / drum kommt das Wort in der Bibel auch nicht vor – halt“, stellte er zunächst fest. Dann fand er doch noch eine Stelle. Zwei Bärinnen, heisst es da, tauchen auf Geheiss des Propheten Elisa aus einem Wald auf und zerreissen 42 Kinder.

Die hässliche Geschichte brachte den klugen Affen zur Einsicht, dass nicht alles, was in der Bibel steht, wortwörtlich genommen werden darf. Doch die wichtigste Botschaft der Bibel, „Habt keine Angst - Gott ist mit uns“, die gilt im Leben und im Sterben. Zu dieser Botschaft passte das Stück, das die Chnulleri im Nachklang der Predigt spielten: Ds Hippygspängstli, das Peter Räber einst schrieb, um seinem vierjährigen Sohn die Angst vor Gespenstern zu nehmen.

Gebet für Camino

Als sich danach der Pfarrer schon auf den Apero freute, legte Theobald noch eine Schippe drauf. Auch im Neuen Testament hatte er eine Stelle gefunden, in der der „Wald“ vorkommt: Da wird die Zunge, die ein kleines Glied ist und grossen Schaden anrichten kann, mit einem kleinen Feuer verglichen, das einen ganzen Wald abfackeln kann. Diese Stelle, befand Theobald, gilt besonders für den Pfarrer – der die Botschaft verstand: „Ich halt’s Maul eilends / wir hören Sound of Silence.“ Den Song von Simon & Garfunkel haben die Chnulleri ebenso wie Ds Hippygschpängstli neu einstudiert und anlässlich des Gottesdienstes erstmals öffentlich aufgeführt.

Nach den Fürbitten – Theobald dachte darin u.a. an den ums Leben gekommenen Chaiseraugschter Stoorch Camino: / „Er söll in Himmel choo“ – spielte die Gugge ihren Kultsong, Leonard Cohens Halleluja. Zu guter Letzt entdeckten Aff und Pfaff gemeinsam den tiefen Sinn der drei Strophen des Chaiseraugschters, des hiesigen Dorfmarschs: „Mir si vo Chaiseraugscht“ bezieht sich auf die Geburt. „Mir suufe groossi Bier“ beschreibt das Leben. „Mir säge Danggeschön“ sind Worte für’s Sterbebett. Der Segen gilt also für all unsere Wege. Nach dem Song der Chnulleri / war’s verbii. Die gut gelaunte Gottesdienstgemeinde, der mit seiner Gugge zufriedene Major Kimon Sorg, Pfaff und Aff und Pfarrfrau Jutta Wurm, die Theobald ihre Stimme geliehen hatte, trafen sich bei strahlendem Wetter vor der Kirche zum Apero mit Mehlsuppe und groosse Bier.

Andreas Fischer, em Aff sin Pfaff
Fasnacht 2019
4 Bilder
Fotograf/-innen Hans Berger, Andreas Fischer
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aktualisiert mit kirchenweb.ch
Bereitgestellt: 20.02.2019