"Vertraut den neuen Wegen": Pfarrerin Stefanie Schmid feierlich ins Amt eingesetzt

Amtseinsetzung Steffi Schmid<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-rheinfelden.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>685</div><div class='bid' style='display:none;'>7318</div><div class='usr' style='display:none;'>68</div>

Am Sonntag, 20. Januar, wurde Stefanie Schmid im Kirchgemeindehaus „Im Gässli“ in einem Festgottesdienst als neue Pfarrerin für den Gemeindeteil Magden und Olsberg eingesetzt.

Andreas Fischer,
Das „Gässli“ war festlich geschmückt und brätschvoll. Das Glockenspiel, Markenzeichen des Magdener Kirchgemeindehauses, erklang schon, als noch immer zusätzliche Stühle in den Raum getragen wurden.

Der Gottesdienst stand unter dem Psalmvers: „Befiehl dem Herrn deine Wege und vertrau auf ihn. Er wird’s wohl machen“ (Ps. 37, 5). In verschiedenen Variationen beschrieben Pfarrerin Christine Straberg, die als Dekanin Stefanie Schmid in ihr Amt einsetzte, Catherine Berger, Präsidentin der Kirchgemeinde Region-Rheinfelden, sowie Stefanie Schmid selber in ihren Reden die vielfältigen Aufgaben des Pfarramts und die entsprechenden, oft widersprüchlichen Anforderungen. Besonders anschaulich wurden diese in einem eingespielten Video, in dem Jungreporterin Larissa Schädeli (12 J.) von Güggel TV humorvoll einige Magdemer Gemeindeglieder nach ihren Vorstellungen von der perfekten Pfarrerin befragt.

Vor diesem Hintergrund hat das Psalmwort entlastende Kraft: All unser Schaffen, sagte Christine Straberg, ist getragen von Gottes Gnade. Catherine Berger betonte darüber hinaus, dass Stefanie Schmid auf Menschen zählen kann, die sie in ihren Aufgaben unterstützen. Das Geschenk der Kirchenpflege, ein Olivenbaum, der sich durch ein weitverzweigtes Wurzelwerk auszeichnet, unterstrich diese Botschaft symbolisch. Stefanie Schmid wies noch auf einen weiteren Aspekt hin: In der Ungewissheit, die mit grossen Entscheidungen im Leben verbunden ist, lädt der Psalmvers dazu ein, auf Gottes Weisheit zu vertrauen. „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr euch weist. Weil Leben heisst: sich regen, weil Leben wandern heisst“, heisst es in Steffi Schmids liebstem Lied, das sie am Schluss ihrer Predigt zitierte und das die Gemeinde danach sang.

Es folgten kurze und kurzweilige, humorvoll-herzliche Grussworte des Gemeindeammanns von Magden, Dr. André Schreyer, des Vize-Ammanns von Olsberg, Karl Bürgi, sowie von Seiten der römisch-katholischen und der christ-katholischen Schwesterkirchen, vorgetragen durch Monika Lauper, Manuela Petraglio-Bürgi und Peter Feenstra. Die Kirchenpflege sang ein zum Schnitzelbank umgedichtetes Kirchenlied, die Organistin Nina Haugen spielte gemeinsam mit einem Streicherensemble Musik von Mozart und Purcell, die Magdemer Kommission richtete den Apero aus, der wahrlich „riche“ war und in dessen gehobener Stimmung sich der Wunsch der Kirchenpflege an die frischgebackene Magdemer Pfarrerin zu verwirklichen schien:

„Dass dir die Arbeit Spass macht / und dass du glücklich bist. / Dass unsre Steffi oft lacht, / fröhlich und frei als Christ(in)“.

Andreas Fischer

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Für die folgenden Texte gilt allesamt, dass sie als Manuskripte für Reden, nicht als Artikel konzipiert sind. Sie haben keinerlei Anspruch auf orthografische, syntaktische und orthografische Korrektheit noch auf stilistische Schönheit. Nichtsdestotrotz werden sie hier, mit Erlaubnis der Autorinnen und Autoren, publiziert. Gerade so, "ins Unreine geschrieben", vermitteln sie einen lebendigen Eindruck des Gottesdienstes.


Ansprache der Dekanin Pfarrerin Christine Straberg

Liebe Steffi, liebe Festgemeinde!

Ich freue mich, dass ich heute mit euch allen die Installation von Steffi feiern und dich in dein Amt als Pfarrerin einsetzen darf.

Installation – so ein kirchlicher Fachbegriff sagt heute ja nicht mehr allen etwas – daher habt ihr auch in der Einladung «Amtseinsetzung» geschrieben. Das versteht wenigstens jeder!
Aber ich finde, der Begriff Installation ist insofern spannend, als er durch seine Mehrfachbedeutungen verschiedene Schlaglichter auf das Pfarramt werfen kann. Und das möchte ich jetzt tun:
Zuerst denken heute vielleicht ganz viele bei dem Begriff Installation an ein Computerprogramm, das neu auf die Festplatte installiert wird.
Und die Wünsche an eine Pfarrerin gleichen oft den Wünschen an so ein Computerprogramm:
Es soll an meine Bedürfnisse angepasst sein, es soll möglichst rasch laufen, bedienerfreundlich sein und immer wieder akutalisiert werden.
Allerdings gibt es auch noch die anderen Seiten:
Solche Programme führen oft ein Eigenleben und machen nicht immer das, was ich gerade will! Manchmal können sie einen zur Weissglut treiben! Nach jeder Aktualisierung muss ich mich wieder an die neuen Eigenheiten gewöhnen. Und manchmal stürzt es auch ab, wenn ich es überstrapaziere.

Zum Glück ist eine Pfarrerin kein Computerprogramm! Und doch: so manches ist gar nicht so anders …
Zum Glück können wir Menschen ja miteinander kommunizieren. Und wenn wir miteinander reden und uns gut kennenlernen, dann ist die Gefahr von Abstürzen oder Frustrationen gar nicht mehr so gross.

Dann gibt es den Begriff Installation aber auch in der Kunstwelt – eine Installation, das kann ein spannendes Gebilde sein, mit vielen Facetten, immer wieder neu zu entdecken. Und ich finde, es passt insofern gut, als dass Steffi in eine Kirchgemeinde installiert wird, die viel davon hat:
Ihr seid eine grosse Kirchgemeinde mit vielen verschiedenen Teilen. Und es ist eine spannende Sache und eine Herausforderung für alle, immer wieder neu das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Teilen und dem Gesamtgebilde herzustellen.
Du, Steffi, bist für die Menschen hier in Magden da, für ihre Bedürfnisse, darfst sie begleiten durch die verschiedenen Lebensstationen. Und zugleich seid ihr alle gemeinsam auf dem Weg, habt die Chance gemeinsam mit den anderen Teilen der Kirchgemeinde die Herausforderungen anzugehen, die wir als Kirche heutzutage vor uns haben. Das ist ein grosses Geschenk, dass ihr so gemeinsam mit so vielen Talenten auf dem Weg sein könnt, aber eben auch eine Herausforderung, dass diese Installation immer wieder neu gelingt!

Und schliesslich ist Installation auch noch etwas ganz Handwerkliches: Gerade im Süddeutschen ist der Installateur ein bekannter Ausdruck für den Handwerker, der sich mit den wichtigen Dingen wie Heizung, Wasser und Sanität auskennt! Ein echter Allrounder!
Und das muss eine Pfarrerin auf ihre Weise auch sein!
Sie soll gut und spritzig predigen, aber auch einfühlsam und ansprechend, je nach Anlass.
Sie soll gut zuhören können und Schweigen aushalten.
Sie soll selbstständig arbeiten und eine gute Teamplayerin sein.
Sie soll zu älteren Menschen, Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern einen guten Draht haben.
Sie soll Gruppen leiten und Einzelgespräche führen.
Sie soll Zeit haben für die Menschen vor Ort, für die Kollegen und die Kollegen, für die Kirchenpflege, aber auch für die Anlässe der Landeskirche.
Sie darf die Weiterbildung nicht vergessen, und soll mit allgemeinverständlichen Worten davon berichten.

Übertreibe ich? Das müsst ihr beurteilen!

Na ja, vielleicht bleibe ich doch lieber beim Begriff der Amtseinsetzung und lasse das mit der Installation bleiben!

Denn die Einsetzung ins Amt der Pfarrerin macht noch etwas ganz anderes deutlich:
Das Amt der Pfarrerin wird auch als verbi divini minister bezeichnet, Dienerin am Wort Gottes.
Und dieses Wort Gottes zeigt noch etwas ganz anderes und viel Entscheidenderes:
Dass all unser Tun und Handeln letztlich nicht in unserer Macht steht. All unser Schaffen ist getragen von der Gnade Gottes.
Oder wie es ein Wort aus den Psalmen sagt, dass du über diesen Gottesdienst gestellt hast:

Befiehl dem Herren deine Wege und vertraue auf ihn: er wird’s wohl machen!

Das ist doch letzlich das Einzige, dass uns als Menschen im Leben tragen kann.
Und das auch dich in deinem Amt und deinem Dienst für diese Kirchgemeinde tragen wird:
Gott geht deine Wege mit dir – und er wird es wohl machen. Vielleicht ist es nicht immer so, wie wir es uns dann wünschen. Oft sind Gottes Wege letztlich anders als die Wege, die wir uns vorgestellt haben.
Wohin auch immer unser Weg uns führt und wer diesen Weg mit uns geht – wir gehen ihn mit Gottes Geleit.
Ich wünsche dir von Herzen, dass dich dieses Vertrauen und dieser Glaube bei allem tragen wird, was vor dir liegt.
Und ich wünsche dir sehr, dass es auf diesem Weg viel Gfreuts gibt, dass es Herausforderungen geben wird, die du gerne annimmst und dass du schliesslich sagen kannst:
Ja, ich bin angekommen, hier fühle ich mich wohl, das ist mein Weg, den Gott mich geführt hat.

Und damit du die verschiedenen Wege hier ringsum im Aargau gut kennenlernen kannst, habe ich dir für deine Einführung nichts Theologisches mitgebracht, sondern einen Wanderführer für Nachmittagswanderungen im ganzen Aargau. Und eine kleine Stärkung von der anderen Seite des Dekanats Brugg, die Kraft gibt für die Steigungen, die es auch hier im Aargau gibt!

So wünsche ich dir einen wunderbaren Start hier in Magden und in der Region Rheinfelden, Ich freue mich, dich als neue Kollegin willkommen zu heissen und freue mich auf die zukünftigen Begegnungen und Anlässe!
Gott geleite dich mit seinem Segen bei allem, was an Aufgaben und Begegnungen vor dir liegt! Amen.

Segen zur Amtseinsetzung, vorgetragen durch Ruth Niklaus, Olsberg

Nach einem Beinbruch ist mir das Funktionieren des Körpers neu bewusst geworden und ich möchte dir aus Olsberg darum gerne den folgenden Segensspruch unbekannter Herkunft mit auf deinen Weg geben:

Ich wünsche Dir Augen,
mit denen Du dem Menschen ins Herz schauen kannst und die nicht blind werden, aufmerksam zu sein auf das, was er von Dir braucht.

Ich wünsche Dir Ohren,
mit denen Du auch Zwischentöne wahrnehmen kannst, und die nicht taub werden beim Horchen auf das, was das Glück und die Not des anderen ist.

Ich wünsche dir einen Mund,
der das Unrecht beim Namen nennt und der nicht verlegen ist um ein Wort des Trostes und der Liebe zur rechten Zeit.

Ich wünsche dir Hände,
mit denen du liebkosen und Versöhnung bekräftigen kannst, und die nicht festhalten, was du in Fülle hast und teilen kannst.

Ich wünsche Dir Füße,
die dich auf den Weg bringen, zu dem, was wichtig ist, und die nicht stehen bleiben vor den Schritten, die entscheidend sind.

Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht und aufrichtig leben kannst, und das sich nicht beugt vor Unterdrückung, Willkür und Macht.

Und ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind, und das nicht müde wird, Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen.

Worte der Präsidentin Catherine Berger

Liebe Stefanie
Nun bist Du also auch offiziell installiert in unserer Gemeinde, «eingesetzt in Dein Amt als Pfarrerin», verbunden mit den allerbesten Segenswünschen – und eigentlich kann jetzt ja nichts mehr schiefgehen! Und WAS für einen Start hast Du, Stefanie, bei uns hingelegt: Schon am 3. Tag von Deiner ersten Amtsperiode in unserer Gemeinde bist Du auf der Frontseite von unserer lokalen Zeitung gsi, zusammen mit «Persönlichkeiten aus Fricktaler Gemeinden» - Bereits am 3. Tag als Fricktaler Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, das will was heissen!
Und Du hast diese Plattform genutzt, Du hast den Menschen in Form von Neujahrswünschen die Botschaft des Evangeliums überbracht. Und das Interessante daran: Auf den ersten Blick fällt das gar nicht so auf: Du sprichst zuerst davon, dass Du Dir für die kommenden Zeit wünschst (ich zitiere ) «die Füsse hochzulegen bei einem guten Buch, mit den Nachbarn zu pläuscheln, usw.» Für einen Moment habe ich mir überlegt: Äh, wir haben jetzt eine junge Pfarrerin voller Energie gewählt – hat sie verstanden, was wir von ihr möchten? Engagement, Aufbau von Kinder- und Jugendarbeit, Kirche füllen, Aktivität an allen «Fronten» - und sie will die Füsse hochlegen?
Dann habe ich die Zeitung nochmals genauer gelesen und festgestellt, Du hast aus der Bibel zitiert, da steht nämlich «Denn das Beste, was der Mensch tun kann, ist, sich zu freuen und sein Leben zu geniessen, solange er es hat.» Und dann hast Du noch etwas sehr wichtiges gesagt, nämlich: «Am liebsten hätte man im kommenden Jahr doppelt so viel Zeit, dreifach soviel Energie und vierfach so viel Geduld» und dann hat es plötzlich «klick» bei mir gemacht: Unsere neue Pfarrerin nimmt sich viel Zeit, sie hat sehr viel Energie und sie will sich engagieren bei uns - aber sie weiss, dass das allein nicht ausreicht: Von allem braucht es am meisten Geduld – die Aufmerksamkeit, nicht das aus den Augen zu verlieren, was das Fundament unserer Kirche ist: Du hast es im Bibelzitat, das unseren Gottesdienst heute begleitet, formuliert: Befiehl dem Herrn Deine Wege und vertrau auf ihn: er wird’s wohl machen. Letztlich geht es darum zu vertrauen: dass Gott unsere Wege kennt und alles zum Besten gereichen lässt.
Das ist befreiend, da ruht auf Dir, liebe Stefanie, nicht die ganze Last, aus unserer Gemeinde oder zumindest aus dem Gemeindeteil Magden/Olsberg die alleraktivste mit der höchsten Anzahl Gottesdienstbesuchenden zu schaffen. Und das Gute daran ist: Es wird trotzdem so kommen: Wir glauben an Deine Energie, Dein Gespür, im richtigen Moment das richtige zu sagen und zu tun und vor allem glauben wir an Deine Leidenschaft und Begeisterung für die Kirche, die Du heute und jetzt für unsere Gemeinde einsetzt. Du darfst also ruhig fulminant darauf loslegen!

Selbstverständlich unterstützen wir Dich gerne dabei: Da sind viele aktive Kirchenmitglieder, die Du in den wenigen Tagen, die Du da bist neugierig gemacht hast, da stehen Dir aktive Kolleginnen und Kollegen sowie eine engagierte Kirchenpflege zur Seite. Wir freuen uns auf Dich und heissen Dich herzlich willkommen!
Und damit Du hier gut Wurzeln schlagen kannst, schenken wir Dir eine Pflanze mit einem ausgesprochen weitverzweigten Wurzelsystem – und die gleichzeitig zu den wichtigsten und symbolreichsten Pflanzen der Bibel gehört: einen Olivenbaum. Auch Deine Pfarrkollegin und Pfarrkollegen haben zu Ihrer Amtseinsetzung einen Olivenbaum bekommen. – In unserer Gemeinde ist dies ein Zeichen für Gemeinschaft und gute Zusammenarbeit. Der Baum soll Dich an Deine Ankunft bei uns erinnern und Dir auch die Kraft und Beharrlichkeit schenken, die in Deinem Beruf oft gefragt ist. Bhüet Di Gott.

Predigt von Pfarrerin Stefanie Schmid

Liebe Gottesdienstgemeinde,
wenn ich genügend Zeit hätte, dann würde ich gerne eine Umfrage unter ihnen starten. Mich würde interessieren: Was erwarten Sie von einem Pfarrer? Was soll er gut können?
Und auf was legen Sie keinen besonderen Wert? Soll es überhaupt ein Pfarrer sein oder doch lieber eine Pfarrerin?
Weil eine solche Umfrage unter ihnen den Gottesdienstrahmen sprengen würde, haben wir schon in den letzten Tagen Stichproben durchgeführt und einzelnen Personen diese Fragen gestellt. Das Ergebnis dieser Umfrage sehen Sie jetzt in Form eines kleinen Kurzfilms. Dazu hat sich unsere Reporterin Larissa Schädeli in Magden umgehört.
Kurzfilm wird gezeigt
Ich denke in den einzelnen Interviews wird eines deutlich: Der perfekte Pfarrer oder die perfekte Pfarrerin sieht für jeden anders aus. Es gibt Statistiken, die versucht haben, unterschiedliche Meinungen, wie in dem Film eben, zusammenzufassen und einen Mittelwert daraus zu bilden. Herausgekommen ist folgender Traumpfarrer:
Der Pfarrer ist ca. 28 Jahre alt, verheiratet und hat kleine Kinder. Er hat ein ansprechendes Äusseres und mindestens 30 Jahre Erfahrung als Prediger, Diakon, Lehrer und Seelsorger. Der perfekte Pfarrer ist auch ein guter Techniker und Sigrist und predigt genau 12 Minuten – ich werde mir Mühe geben. Er ruft täglich 15 Gemeindemitglieder an und macht Besuche in Heimen und Spitälern. Er nennt Missstände und Sünden immer und präzise beim Namen, verärgert aber niemals jemanden.
So geht die Liste noch ein ganzes Stück weiter. Als ich das gelesen habe dachte ich: Gut, du hast zwei Möglichkeiten. Entweder du wirst zur multiplen Persönlichkeit und der eine Teil in dir kann gut mit Kindern umgehen, während es der andere Persönlichkeitsteil in dir schafft, die Senioren um den Finger zu wickeln. Oder du resignierst, verzweifelst und gibst auf. Weder das eine noch das andere sind Lösungen, die mich persönlich befriedigen.
Allerdings, davon bin ich überzeugt: Nicht für jede Gemeinde muss dieser gesamte Katalog an Erwartungen zutreffen. In Gemeinde A ist vielleicht Seelsorge wichtig und damit viel Einfühlsamkeit gefragt, während in Gemeinde B wahrscheinlich etwas ganz anderes wichtig ist.
Meistens ist die Stellenausschreibung ein erster Hinweis, was sich die Gemeinde von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin wünscht und was ihr wichtig ist.
In der Stellenausschreibung für Magden und Olsberg war zum Beispiel ein Teil des Arbeitspensums reserviert für die Kinder- und Jugendarbeit. Daraus habe ich messerscharf geschlossen: Der Gemeinde ist anscheinend jemand wichtig, der ein Interesse an der jüngeren Generation hat und hier etwas aufbauen will.
Kommt es dann tatsächlich zum Bewerbungsgespräch gilt es abzugleichen, ob die jeweiligen Erwartungen zusammenpassen.
Dazu klopft die Pfarrwahlkommission ab, ob der Bewerber die Fähigkeiten mitbringt, die es für diese spezifische Stelle braucht. Dazu werden meistens die berühmten klassischen Fragen gestellt. Wo sehen Sie ihr Entwicklungspotential? Und: Was können Sie gut? Wo liegen ihre Stärken?
Zuerst war ich versucht das Internet zu Rate zu ziehen und mit Tipps zu holen, entschied mich aber schliesslich dagegen. Ich beschloss ganz authentisch zu antworten, sollten diese Frage gestellt werden.
Es kam, wie es kommen musste. Ich wurde gefragt: Was können sie besonders gut? Warum sind gerade sie geeignet für die Stelle? Ich überlegte kurz, erinnerte mich an meinen Vorsatz authentisch zu antworten und sagte: Was ich, glaube ich, ganz gut kann und was ich absolut gerne mache ist: Ich lege wirklich gerne Listen an. Also Tabellen und so etwas. Im Nachhinein dachte ich mir: Warum hast du das gesagt? Das hört sich ja so langweilig an. Aber, man mag es kaum glauben: Die Listen helfen mir Überblick über die vielfältigen Aufgaben im Pfarramt zu behalten. Darum habe ich Listen für Gottesdienstabläufe, ich erstelle Listen, wie man Veranstaltungen planen soll. Ich erstelle natürlich Terminlisten, ich schreibe To do Listen. In meinem Büro finden sich Jahresplanungslisten. Kurzum: Mein Leben und Arbeiten besteht aus Listen, die ich mit grosser Begeisterung anlege und pflege.
Natürlich musste auch eine Liste her, als es um die Frage ging: Soll ich nach Magden und Olsberg gehen? Also habe ich zwei Spalten angelegt: Links Vorteile. Rechts Nachteile – für den Fall der Fälle. Und ich habe diese Spalten mit Beobachtungen und Überlegungen gefüllt.
Das sah dann etwas so aus: In Magden bzw. Olsberg gefällt mir das Klima im Bewerbungsgespräch. Es ist gelöst, offen und herzlich. Ein grosser Pluspunkt. Oder: Meine Vorliebe für Listen und Tabellen wurde mit viel Humor aufgenommen. Auch ein Pluspunkt. So ging das noch weiter, als ich schließlich bemerkte: Meine einzelnen Punkte beruhen alle auf persönlichen und sehr emotionalen Eindrücken. Und weniger auf nachprüfbaren harten Fakten, die ich eigentlich auch noch charmant finde.
In diese Situation hinein fiel mir ein Bibelvers in die Hand. Er steht in Psalm 37 und ist ganz kurz und knackig. Der Psalmbeter fordert mich dazu auf: «Befiehl dem Herrn deine Wege und vertraue auf ihn, er wird’s richtig machen.»
Das hat gepasst, wie die Faust aufs Auge. Denn letztlich sagt dieser Satz ja nichts anderes als: Gott wird das, was ich plane und tue und wofür ich mich dann letztlich entscheide, schon richtig machen. Er wird dafür sorgen, dass es gut kommt. Das bedeutet: Ich kann mich irgendwann entspannt zurücklehnen und mir sagen: Ich habe getan, was ich konnte und mich letztlich entschieden: Mein Weg führt mich nach XY. Gott wird daraus schon das Richtige machen. Das meine ich nicht nur bezogen auf die Gemeindewahl, sondern auf die vielen Entscheidungen, die wir täglich treffen.
Diese Einstellung habe ich in dem Bild von Käthy Keller wiederentdeckt, das sie mir als Einladungskarte für diesen Gottesdienst entworfen hat.
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Ich sehe in dem Bild viele einzelne Lebenswege, hinter denen sich Menschen verbergen, die tagtäglich Entscheidungen treffen. Manchmal gravierende Entscheidungen, die das Leben für Wochen, Monate oder Jahre entscheidend prägen. Und durch die häufig nicht nur das eigene Leben tangiert wird, sondern auch das von Familie, von Freunden oder Gemeindemitgliedern.
Darum tut man sich manchmal so verflixt schwer, sich zu entscheiden. Man trägt Dinge wochenlang mit sich herum und geht, wie es so schön heisst, damit «schwanger». Man überdenkt sie, vielleicht 9 Monate, vielleicht länger.
Das sind meistens die Momente, in denen man mal wieder vergessen, sich hat an der Nase zu fassen und sich bewusst zu machen: Moment. Du hast wirklich genug überlegt und gemacht und getan. Schluss jetzt. Befiehl endlich dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es richtig machen.
Man könnte auch sagen: Vertrau endlich den neuen Wegen, auf die Gott dich weist. Weil Leben heisst: sich regen, weil Leben wandern heisst. Vertrau den neuen Wegen, auf die dich Gott gesandt. Er selbst kommt dir entgegen, denn: die Zukunft ist sein Land.
Das sind wunderschöne Sätze, die leider nicht von mir stammen, sondern aus einem Kirchenlied, das ich jetzt mit Ihnen singen möchte.

Ansprache des Magdemer Gemeindeammanns Dr. André Schreyer

Sehr geehrte Frau Pfarrerin Stefanie Schmid

Wie so viele andere Zuwanderer im letzten Jahrhundert und insbesondere den letzten Jahrzehnten haben auch Sie sich für den Weg in unser Dorf entschieden, dies als Pfarrerin der Reformierten Kirche Region Rheinfelden mit Standort Magden. Es freut mich, dass ich als Vertreter der politischen Gemein-de heute zu Ihrer Amtseinsetzung eingeladen bin.

Wie nah sich die kirchliche und politische Gemeinde schon im 19.Jahrhundert standen, zeigt die Aufzeichnung in unserem Buch „Magden“. Nach der Behandlung der üblichen Geschäfte anlässlich der Ortsbürgerversammlung vom 29. Dezember 1872 wurde beschlossen, sich zugleich als Kirchgemeindeversammlung zu betrachten und auf das Verhalten gegenüber den neuen Lehren des vatikanischen Konzils einzutreten. Mit an Einheit grenzender Mehrheit wurde das Unfehlbarkeitsdogma abgelehnt und die Lehren des 1. Vatikanums zurückgewiesen. Damit war der Grundstein einer Christkatholischen Gemeinde in Magden gelegt.
Durch die grosse Zuwanderung aus den benachbarten Kantonen und dem Aargau ennet dem Jura hat sich die Bedeutung der reformierten Kirche in Magden drastisch verändert. So erhöhte sich der Anteil der Reformierten an der Dorfbevölkerung von 1% an-lässlich der erwähnten Gründung der Christkatholischen Kirchgemeinde auf rund 40%.

Soziale Aufgaben gehören ebenso zur Aufgabe einer Kirchgemeinde, wie sie auch zur Aufgabe der politischen Gemeinde gehören. Wie beim Gemeindeammann oder beim Gemeindeschreiber finden viele einen wichtigen Gesprächspartner für seine Sorgen und Nöte bei ihrer Frau Pfarrerin. So freue ich mich, dass die Reformierte Kirche in unserem Dorf wieder diesen Ansprechpartner hat.

Sie Frau Pfarrerin kommen aus dem Ausland und werden Magden und die Bevölkerung bald kennen und schätzen lernen. Davon bin ich überzeugt. Damit Sie sich auch bald mit der Geschichte unseres Dorfes auskennen, ist es mir eine Freude, Ihnen ein Exemplar unserer Dorfchronik überreichen zu dürfen. Ich hoffe, Sie finden darin viel Spannendes und Lehrreiches zu Magden und den Magdemern, und ich freue mich, dass Sie mit ihrem Wirken ein weiteres Kapitel der Dorfgeschichte schreiben werden.

In diesem Sinne heisse ich Sie herzlich willkommen und wünsche Ihnen viel Ausdauer und Freude in Ihrem Amt.

Lied der Kirchenpflege auf die Melodie: „Befiehl du deine Wege“

Der Psalmvers, den du, liebe Steffi, für deine Amtseinsetzung ausgewählt hast: „Befiehl dem EWIGEN deine Wege und vertrau auf ihn: er wird’s wohl machen“ – dieser Psalmvers hat den deutschen Dichter Paul Gerhardt zu einem der schönsten Lieder unseres Kirchgesangbuchs inspiriert: „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt – der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuss gehen kann“.

Die Melodie dieses Lieds liegt dem Liedli zugrunde, das wir, Mitglieder der Kirchenpflege und des Konvents, dir nun singen wollen. Das Liedli steht indessen eher in der Tradition der Schweizer Schnitzelbänke als der evangelischen Kirchenlieddichtung.

Sprachlich fliessen darin die Dialekte diesseits und jenseits des Rheins zusammen. Das ist, in Entsprechung zu deiner Biografie, durchaus beabsichtigt. Indessen ist das Resultat für jene, die jenseits des Rheins leben, möglicherweise nicht durchwegs verständlich.

Aber es werden anschliessend, wie an der Basler Fasnacht üblich, Zettel aufliegen. Auf ihnen kann der Text nachgelesen werden. Und Steffi wird ihn bei Bedarf übersetzen.
Am Schluss des Lieds ist die ganze Gemeinde eingeladen, in den Gesang einzustimmen. Die letzte Strophe wird von der Orgel begleitet werden.

Willkommen, liebe Steffi,
bei uns hier im Fricktal!
Kamst über‘n Rhein geschwommen.
Du bist ein Sonnenstrahl!
Mit Herz und Hand und Köpfchen
hast du uns rasch gezeigt:
Die packt Magden am Schöpfchen
und luegt, dass es hier geigt.

Du bist in jungen Jahren
schon reif und kompetent.
Dein Charme zieht an in Scharen,
was Christ, Christin sich nennt.
Und auch die nicht so Frommen,
das wünschen wir dir sehr, ─
sie sollen z Chile kommen...
Bei dir fällt das nicht schwer.

Man sagt, dass heut die Jungen
ha'n nix mit Kirch' am Huet.
Dies Lied, schon oft gesungen,
eus ziemli närve tuet...
Mir wünsched, s mög dir glinge,
mit Charme und Geischt und Witz
i d Chile ali z bringe:
Betaagti und au Kids.

In Olsberg und in Magden
bruuchts dänk en lange Schnuuf.
Die leeren Kirch', sie nagten
am Nerv; mancher gab uuf.
Doch Steffi sagt zum Stefan
beim Einkauf im Coop:
"Will sonntags dich i'r Kirch' ha'n."
Schädeli, uufschtaa, hopp!

Wir, wir von dem Konvente,
wir haben schon bemerkt:
Bist keine lahme Ente,
eine, die gerne werkt.
Eini, wo au cha schaffe,
die's Arbeiten nicht scheut,
die nicht feil hält Muulaffe und das, Steffi, uns freut!

Indes bei allem Chrampfe,
Steffi, wünschen wir dir,
dass't öppe chasch abdampfe
ins Eden und zum Bier.
Dass dir die Arbeit Spass macht
und dass du glücklich bist,
dass unsre Steffi oft lacht,
frei, froh und fromm als Christ(in).

aktualisiert mit kirchenweb.ch
Erstellt von: Andreas Fischer     Bereitgestellt: 21.01.2019