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LOCATION:Kirchgemeindehaus Kaiseraugst\, Mühlegasse 13\, 4303 Kaiseraugst
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DESCRIPTION:Im Kirchgemeindehaus hängen derzeit Bilder von Jemil Kemal
  Muhidin (Porträt siehe unten)\, einem jungen Äthiopier\, der im
  Kaiseraugster Asylzentrum lebt. Auf die Frage\, welche Bilder ihm am
  Wichtigsten seien\, zeigt Muhidin auf drei Porträts von Frauen. Alle
  tragen den Titel „Traurigsein“. Dazu führt Muhidin aus\, seine
  Mutter habe gesagt\, für sie sei er zum zweiten Mal zur Welt gekommen\,
  als er auf der Flucht aus Äthiopien nach Europa die Hölle der Sahara
  durchschritten hatte.\n\nIm Gottesdienst nehme ich Bezug auf Muhedins
  Bilder und Biografie – sowie auf eine symbolgeladene Passage im
  Johannesevangelium\, in der die Rede ist von der Traurigkeit einer
  Schwangeren\, die sich in Freude verwandelt\, wenn das Kind zur Welt
  gekommen ist (Joh. 16\, 16-22).\n\nIn der anschliessenden Finissage (ca.
  19.30 Uhr) wird sich der in Basel wohnhafte Künstler Christian Selig
  (stöckerselig.ch; weitere Informationen siehe unten) zu Muhidins Werken
  äussern. Musikalische Begleitung: Marta Casulleras\, Klavier.
  Fingerfood-Apero.\n\nHerzliche Einladung!\n\nAndreas Fischer\n\nMaler des
  Traurig-Seins\n\nJemil Kemal Muhidin ist Äthiopier\, 22 Jahre alt\,
  Künstler und Bewohner des Asylzentrums Kaiseraugst.\n\nNein\, Muhidin
  möchte keinen Kuchen\, keinen Kaffee\, nicht einmal ein Glas Wasser. Er
  ist gläubiger Moslem\, und es ist Ramadan\, da wird erst nach
  Sonnenuntergang gegessen und getrunken. Jeden Abend fährt Muhidin nach
  Basel in die Moschee. Dort hilft er kochen\, um Mitternacht kehrt er
  zurück ins Asylzentrum\, in den frühen Morgenstunden isst und trinkt er
  noch einmal\, bevor das Fasten wieder beginnt.\n\nDen Ramadan einzuhalten
  ist für ihn selbstverständlich\, ebenso wie die fünf täglichen
  Gebete. Kürzlich habe er im Internet gelesen\, wenn du dreimal täglich
  betest\, bringt dich das in einen Zustand von Entspannung und innerer
  Freiheit. Er als Moslem\, fügt Muhidin lächelnd hinzu\, bete sogar
  fünfmal.\n\nIn Äthiopien\, wo er aufwuchs\, leben Christen und Moslems
  meist friedlich neben- und miteinander. Am Freitag gehen die Moslems in
  die Moschee\, am Sonntagmorgen um sieben Uhr treten die Christen in
  weissen Kleidern aus ihren Häusern. Bei Festen gibt es für die
  Angehörigen beider Religionen separates Essen gemäss den jeweiligen
  Speisegeboten.\n\nSchlimme Reise\, schlimmes Haus\n\nReligion ist für
  Muhidin wichtig. Er ist überzeugt\, dass Gott ihm auf der Reise half\,
  dass er ihn vor dem Tod bewahrt hat. „Die Reise“ war\, gemäss
  Muhidins Schilderungen\, „sehr schlimm“. Vom Sudan aus durchquerte
  er\, in einem Truck zusammengepfercht mit hundert anderen Flüchtlingen\,
  die Sahara Richtung Libyen. Mitten in der Wüste wurde der Konvoi von
  Paramilitärs überfallen. Die Gangster nahmen den Flüchtlingen weg\,
  was sie auf sich trugen\, Geld\, Schmuck\, Handys. Sie vergewaltigten die
  Frauen\, als die Männer sich wehrten\, drohten sie\, sie zu erschiessen.
  Einem zertrümmerten sie das Knie.\n\nIn Libyen kam Muhidin in ein
  „schlimmes Haus“\, wie ein Gefängnis sei es gewesen. Das Wasser
  schmeckte salzig und bewirkte allergische Reaktionen. Einmal täglich gab
  es Teigwaren\, manchmal mussten die Flüchtlinge mehrere Tage ohne Essen
  auskommen. Mit den Handys der Schlepper riefen sie ihre Angehörigen an.
  Die mussten zahlen. Zirka viertausend Franken wurde für seine Reise
  verlangt\, sagt Muhidin. Sein Vater hatte glücklicherweise genug Geld.
  Andere\, deren Angehörige nicht zahlten\, wurden eingesperrt\,
  geschlagen.\n\nÜber zwei Monate steckte Muhidin in Libyen fest\, bis
  endlich das Wetter die Überfahrt nach Italien zuliess. Am 23. Juni 2016
  kam er in Catania an. Über Mailand führte der Weg in die Schweiz. Er
  habe Glück gehabt\, sagt Muhidin\, andere habe man am Zoll
  zurückgewiesen\, ihm haben die Zöllner gesagt: „Okay\, willkommen!“
  Über St. Gallen und Aarau kam er nach Kaiseraugst.\n\nAuf seiner Reise
  habe er auch Positives erlebt\, erzählt Muhidin weiter. Da war\, zum
  Beispiel\, jener Mann\, der ihm in einer kalten Nacht in der Sahara seine
  Jacke über die Schultern legte. Da war jener Schlepper\, der ihn übers
  Mittelmeer brachte. Er war freundlich\, beruhigte die Leute\,
  entschuldigte sich für das schlechte und knappe Essen. Dabei war es viel
  besser als jenes in Libyen. Mit einigen Weggefährten\, die heute in
  Deutschland\, England und an verschiedenen Orten in der Schweiz verstreut
  sind\, hat Muhidin heute noch Kontakt. Und auch hier in der Schweiz lerne
  er viele „positive“ Menschen kennen.\n\nsur le pont\, DA-SEIN\n
 \nWeder der Sudan noch Libyen noch die Schweiz seien seine Heimat\, doch
  hier\, sagt er\, sei es gut für ihn. Muhidin tut\, was er kann\, um
  anzukommen. Mithilfe von Youtube-Lehrgängen hat er angefangen\, Deutsch
  zu lernen\, hat Kontakt aufgenommen zu „sur le pont“\, einer
  Organisation\, die Brücken baut zwischen Migrantinnen und Einheimischen
  in Basel\, mit Sport\, Kultur\, gemeinsamem Essen. Auch im DA-SEIN macht
  er mit\, einem Projekt der Offenen Kirche Elisabethen\, ebenfalls in
  Basel\, wo Geflüchtete fern der Heimat Heimat finden.\n\nEbenfalls über
  einen Youtube-Kanal hat Muhidin gelernt\, mit Wasserfarbe und Acryl zu
  malen. Eine künstlerische Ader hatte er von klein auf. Als Kind bastelte
  er aus Plastik und Holz Helikopter. An Geburtstagen schrieb er Namen und
  Daten in so schöner Schrift\, dass das Geschriebene nachher wie ein
  Gemälde aufgehängt wurde. Später\, als Fünfzehnjähriger\, fertigte
  er mit Bleistift Porträtskizzen von Menschen an\, die dann auf Facebook
  gepostet wurden. Im engen Raum des Asylzentrums kann Muhidin nicht malen.
  Stattdessen hat er sein Atelier in der Wohnung eines Mitglieds des
  Vereins „Freiwilligenarbeit Asyl Kaiseraugst“ eingerichtet. Hier sind
  die Bilder entstanden\, die derzeit im lokalen reformierten
  Kirchgemeindehaus hängen. Die für Muhidin wichtigsten Bilder sind
  jene\, die er „Traurig-Sein“ nennt. Man meint\, im Titel einen
  Nachklang von „DA-SEIN“ zu hören. Traurig-Sein\, sagt Muhidin mit
  geheimnisvollen Worten\, beschreibt einen Zustand\, in dem du allein
  bist\, melancholisch\, nachdenklich. Dieser Zustand\, fährt er fort\,
  sei der beste Moment\, „da kannst du die Farbe von allem sehen. Du bist
  entspannt\, du siehst\, was du tust\, was du getan hast. Du siehst
  alles“.\n\nAndreas Fischer\n\nZur Finissage mit Worten von Christian
  Selig (stöckerselig)\n\nAuf Wunsch von Jemil Kemal Muhidin selber wird
  sich im Rahmen der Finissage der in Basel wohnhafte Künstler Christian
  Selig (stöckerselig.ch) zu den Bildern äussern. stöckerselig hat
  kürzlich in einer Kunsthalle orientalische Teppiche aufeinander
  geschichtet und die folgenden Zeilen hinein geschnitten: „...wenn hier
  ein Minenfeld wäre und ich in der Ferne das Meer hören könnte...“
  Dazu schreiben sie:\n\n„Die Schriftarbeit nimmt uns auf eine mentale
  Reise mit. Der Ort\, an dem wir uns befinden\, wird zum unsicheren
  Territorium. Der Blick ist in die Ferne gerichtet\, das Rauschen des
  Meeres ist hörbar. Dieses ist in der Erinnerung mit einer romantischen
  Schwärmerei verbunden\, doch Zustände verändern sich und das Meer
  verliert seine Unschuld.“\n\nChristian Selig sagt\, es gelte\, die
  Leute aufs Boot zu holen. Mit den „Leuten“ ist nicht nur die kleine
  Schar der Kulturbeflissenen gemeint\, die sich möglicherweise für
  Muhidins Kunst interessieren. Die Metaphorik des Boots weist darüber
  hinaus in jenes Meer\, das Muhidin überquerte. Das Tausende Toter
  birgt\, das seine Unschuld verloren hat.\n\nUnd weiter weist die
  Metaphorik hinein in jene Welt\, in der Muhedin aufgewachsen ist. Seine
  Sozialisation ist eine uns fremde. Dass er sie verliess\, generiert
  Muhidins individuelle Geschichte. Um diese Geschichte zu verstehen\, gilt
  es\, die eigenen Bewertungskriterien – als führe man selbst hinaus auf
  ein unbekanntes Meer – zu verabschieden. Es gilt\, in sich selber einen
  von überlieferten Kunstkonzepten befreiten Raum zu schaffen. Dieser Raum
  macht es allererst möglich\, die Bilder von Muhidin zu lesen.\n\n\n\n\n
 \n\nKontakt: Pfr. Andreas Fischer\n\nWeitere Infos:
  https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/8258
SUMMARY:Abend-Gottesdienst und Finissage: "Ihr habt nun Traurigkeit"
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