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LOCATION:Kirchgemeindehaus Kaiseraugst\, Mühlegasse 13\, 4303 Kaiseraugst
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DESCRIPTION:Am Freitag\, 1. Dezember um 19 Uhr findet im reformierten
  Kirchgemeindehaus Kaiseraugst die Vernissage einer Ausstellung statt\, in
  der Werke von Bewohnern des Asylzentrums (Reza Saba und Raja Dibeh) in
  einen stillen Dialog mit jenen hiesiger Künstlerinnen (Sybille
  Krauer-Büttiker\, Jacqueline Rotzinger\, Katharina Siewert-Rotzinger)
  treten. Eine Einführung in die Exposition gibt der Schriftsteller und
  Satiriker Jan Peters\, musikalisch umrahmt wird die Vernissage durch den
  Gitarristen Gamai Saifi. Die Ausstellung ist am Wochenende von 14-17
  Uhr\, unter der Woche von 17-20 Uhr geöffnet. Die Finissage findet am
  Sonntag\, 10. Dezember im Anschluss an den Gottesdienst (Beginn: 10 Uhr)
  statt.\n\n---\n\nUnsere Kirche als Kunsthaus\n\nDie altehrwürdige
  Tradition\, das Kaiseraugster Kirchgemeindehaus als Kunstgalerie zu
  nutzen\, feiert jetzt im Advent Urständ. Neben zwei lokal bekannten
  Künstlerinnen werden auch zwei Künstler aus dem Asylzentrum ausstellen.
 \n\nReza und Raja heissen die beiden\, der eine stammt aus dem Iran\, der
  andere aus Syrien. Der eine zeichnet mit Bleistift präzise Porträts\,
  der andere malt grandiose Stilleben. Vor seiner Flucht war Raja Dibeh
  Vorstehender der "Union of Fine Arts in Syria" und arbeitete als Lehrer
  für bildende Kunst. Er war v.a. für seine Kreide-Zeichnungen bekannt\,
  die er im ganzen arabischen Raum verkaufte. Er machte auch
  Renovationsarbeiten von alten Malereien in den Häusern der Altstadt von
  Damaskus.\n\nDie Werke von Reza und Raja treten im Kirchgemeindehaus in
  einen stillen inneren Dialog mit jenen hiesiger Künstlerinnen. Jaqueline
  Rotzinger malt seit vielen Jahren in Collagen-Mischtechnik\, Sybille
  Krauer-Büttiker malt – abstrakt\, grossflächig – Acryl auf
  Leinwand\, Aquarelle auf Papier\, Pigmentfarben. Einen Einblick in ihr
  Oevre und ihre Biografie\, die weit ausgreift nach Zimbabwe und in den
  Nahen Osten\, nach Israel\, Jordanien und Syrien\, gibt die Website
  krauer-art.ch.\n\n---\n\nReza Saba\n\nAnfang Advent findet im
  reformierten Kirchgemeindehaus Kaiseraugst eine Ausstellung statt. Einer
  der Ausstellenden ist Reza Saba\, ein iranischer Künstler\, der zurzeit
  im hiesigen Asylzentrum lebt. Wir treffen uns spätabends im Pfarrhaus
  zum Gespräch. Die Verständigung erfolgt teils in Englisch\, teils in
  unseren Muttersprachen\, Farsi und Deutsch\, mittels einer iranischen
  Übersetzerin.\n\nReza kam 1962 zur Welt\, wuchs mit vier Geschwistern in
  Teheran auf\, städtisch\, mittelständisch\, liberal. Der Vater war
  Offizier unter dem Schah\, später Beamter im Bereich Import-Export.
  Reza\, dessen Name an den Schah sowie an einen bedeutenden schiitischen
  Imam erinnert und übersetzt „Zufriedenheit“ bedeutet\, hatte eine
  glückliche Kindheit\, er wollte immer nur zeichnen\, erzählt er\, statt
  Hausaufgaben zu machen\, kritzelte er Zeichnungen ins Heft.\n\nDann\,
  1979\, kamen die Mullahs. Reza ahmt mit seinen Händen einen langen Bart
  nach. Zur Zeit der Revolution Khomeinis war er 17 Jahre alt. Zwei Jahre
  lang war er Soldat im Krieg gegen den Irak\, glücklicherweise nicht an
  der Front\, sondern am Telefon. Die Universität war in jener Zeit
  geschlossen. Als Reza endlich studieren konnte\, wurde sein Talent bald
  entdeckt.\n\nMosaik\, Krawatte\, Fussabdruck\n\nEr wurde Assistent des
  Professors\, bald hielt er eigene Vorlesungen. Und er arbeitete für
  Zeitschriften – für die renommierten Zeitschriften jener Zeit\,
  ergänzt die Übersetzerin. Seine Arbeiten waren provokativ. Auf einem
  Cover ist im Hintergrund ein antikes Mosaik zu sehen. Es symbolisiert die
  uralte persische Geschichte. Darin Krawatten\, Symbole einer säkularen\,
  weltoffenen Gesellschaft. Und auf alles drauf ein schwarzer Fussabdruck.
  Hier\, so lautet die nicht zu übersehende Botschaft des Bilds\, werden
  Kultur und Geschichte eines Landes mit Füssen getreten\, zerstampft.\n
 \n„Zukunft des Irans“ lautete der Name der Zeitschrift. Nach der
  Ausgabe mit besagtem Cover wurde das Büro gestürmt\, die Redakteure
  wurden festgenommen\, Reza\, der Illustrator\, befand sich zufällig
  zuhause. Er flüchtete in die Türkei. Doch all dies war nur ein
  Vorspiel. Das wirkliche Problem Rezas ist ein religiöses. Ein intimes\,
  persönliches. Seit drei Jahrzehnten ist er Mitglied eines Sufi-Ordens.\n
 \nPrügelstrafe für Stille\n\nDer Sufismus ist die mystische Ausprägung
  des Islam\, er befasst sich\, statt mit dem Äusseren\, mit dem Inneren
  des Menschen. Reza beschreibt den Unterschied zwischen einem Sufi und
  einem Mullah so: Der Sufi versucht\, Kontrolle über sich selber zu
  gewinnen. Der Mullah kontrolliert die anderen. Wenn alle Menschen lernen
  würden\, sich selber zu kontrollieren\, wäre unsere Welt eine bessere\,
  ist Reza überzeugt. Die Kritik des Sufismus an den Mullahs ist scharf.
  Die Leute\, die auf Gebetsteppichen sitzen\, sagen die Sufis
  sinngemäss\, sind Diebe der Religion. Der Teppich symbolisiert
  Äusserlichkeit.\n\nSufis sind stille Leute. Sie treffen sich in ihren
  Gebetshäusern\, lesen Gedichte – zum Beispiel jene des grossen
  persischen Mystikers Rumi\, der auch hierzulande bekannt ist –\,
  praktizieren Dhikr\, eine Form von Meditation. Doch eben das wird von den
  Mullahs als Bedrohung erlebt. In regelmässigen Abständen berichtet
  Amnesty International von der Zerstörung von Versammlungsorten der
  Sufis\, von Prügel- und Haftstrafen für Anhänger dieser religiösen
  Richtung.\n\nReza würde im Iran lebenslängliches Gefängnis drohen.
  Grund dafür sind Gemälde\, die er von Rumi und anderen Sufi-Meistern
  gemalt hat. Sie wurden bei der Räumung des Gebetsraums seines Ordens
  gefunden. Inzwischen hat er sich auch über die sozialen Medien zu seiner
  Zugehörigkeit zum Sufismus bekannt. Als einer seiner Glaubensbrüder
  inhaftiert wurde\, sagte er in einem auf Facebook publizierten Video\,
  wenn der Sufismus ein Verbrechen sei\, dann sei auch er ein Krimineller\,
  er\, Reza Saba. Das Video\, obwohl nur auf Farsi gesprochen\, ist schon
  mehrere zehntausend Mal angeklickt worden.\n\nNot good\, not bad\n\nReza
  lebt im Asylzentrum Kaiseraugst. Er flüchtete damals\, 2015\, als die
  Balkanroute noch nicht durch Grenzzäune gesperrt war\, aus der Türkei
  über Griechenland\, Mazedonien\, Serbien\, Bosnien-Herzegowina\,
  Slowenien\, Österreich in die Schweiz. Ein Afghane\, den er unterwegs
  kennengelernt hatte\, empfahl ihm\, in der Schweiz und nicht in
  Deutschland Asyl zu beantragen. Von Yverdon wurde er in den Aargau
  verlegt\, ein Freund nach Zürich. Vieles ist zufällig. Das Leben hier
  sei not good\, not bad\, sagt Reza. Er würde sich wünschen\, dass er
  arbeiten könnte. Reza liebt seine Arbeit\, doch derzeit könne er nur
  malen\, wenn seine Zimmergenossen schlafen.\n\nAlso bricht er um
  Mitternacht von unserem Interview auf. Ich bleibe zurück mit der
  Übersetzerin\, einer mir befreundeten iranischen Chemikerin\, die an der
  ETH Zürich als Postdoktorandin arbeitet. Ich frage sie nach ihren
  Gedanken zum Gespräch. Sie sagt\, sie sei froh\, Chemie studiert zu
  haben. Das habe nichts mit Religion zu tun\, ihre Wege haben sich nicht
  mit jenen der Mullahs gekreuzt\, jene von Reza schon. Dass
  politisch-kritische Bilder wie jenes mit dem Fussabdruck Reza weniger
  gefährden als ein intimes Porträt von Rumi\, das erschüttere sie. Und
  dass Reza im ganzen Spektrum von Öl- und Wasserfarben\, Bleistift und
  Acryl\, Photoshop und CorelDraw ein grosser Künstler sei\, das sei für
  sie gar keine Frage.\n\nAndreas Fischer\n\n\nKontakt: Pfr. Andreas
  Fischer\n\nWeitere Infos:
  https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/7534
SUMMARY:Vernissage der Kunstausstellung im Kaiseraugster Kirchgemeindehaus
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