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LOCATION:Kirchgemeindehaus Kaiseraugst\, Kraftwerkstrasse 13\, 4303
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DESCRIPTION:«Der Tag geht zu Ende und die Ausstellung auch» (Viktor
  Hottinger).\n\nIm letzten Gottesdienst im Rahmen der
  «indigo»-Ausstellung von Viktor Hottinger nehmen wir noch einmal Bezug
  auf das «Abendlied» von Matthias Claudius. Ihm ist das Triptychon des
  Rheinfelder Kunstmalers gewidmet\, welches seit dem 12. April vorn in
  unserem Kirchenraum steht.\n\nIn der Predigt werde ich ein paar "Sachen"
  zum "Abendlied" sagen\, die im Abendgottesdienst vom 31. Mai (Manuskript
  siehe unten) noch nicht zur Sprache gekommen sind.\n\nIm Anschluss an den
  Gottesdienst feiern wir Finissage: Ab 18.30 Uhr gibt es ein Konzert mit
  dem Jazz-Trio «BRANDNEW STRINGS». Mit dabei Hottinger selbst\, der auch
  Jazz-Kornettist ist!\n\nHerzliche Einladung!\n\n---\n\nAus dem Manuskript
  für den Abendgottesdienst vom 31. Mai zum „Abendlied“ von Matthias
  Claudius:\n\nEinleitung\n\nUm die Abendlieder zu verstehen\, muss man
  sich gleichsam auf die Sichthöhe des inneren Kindes begeben\, muss sie
  einfach\, «einfältig»\, wie Matthias Claudius sagt\, mit reiner Seele.
 \n\nSonst wirken sie rasch einmal lächerlich und werden zur Zielscheibe
  von Hohn und Spott. Friedrich Schleiermacher\, der grosse Philosoph und
  Theologe des 19. Jahrhunderts\, wollte «Nun ruhen alle Wälder» aus dem
  Kirchengesangbuch werfen mit der Begründung\, Gerhardt habe da lauter
  «Unsinn» geschrieben\, das Lied sei eine «verworrene Aufzählung
  leerer Worte». Es könne eigentlich nicht in der Kirche gesungen
  werden\, sondern genau genommen nur zuhause im Schlafzimmer beim
  Ausziehen.\n\nUnd ein anderer Rationalist schrieb:\n\n«Wie kann man in
  unseren aufgeklärten Zeiten noch singen: Es ruht die ganze Welt\, wenn
  man weiss\, dass grade\, wenn wir uns schlafen legen\, unsere Antipoden
  wach werden\, also höchstens die halbe Welt schläft...»\n\nMan hat
  allen Ernstes die ersten Zeilen umgeschrieben und gesungen:\n\n«Nun ruht
  und schläft im Friede\,\nvon Tagsgeschäften müde\,\nein grosser Teil
  der Welt…»\n\n(alles nach Albrecht Beutel\, Spurensicherung)\n\nDass
  damit die poetische Schönheit hopps geht\, aber nicht nur: auch der
  Friede\, der sich in der inneren Welt\, der Seelenwelt ausbreitet\, geht
  hopps --- das haben die Rationalisten nicht bemerkt.\n\nVersuchen wir
  also\, «einfältig»\, «wie Kinder» die Worte des Abendlieds zu
  hören. Nach einer Überleitung werden wir es ein wenig später dann auch
  singen…\n\nAbendlied\n\nDer Mond ist aufgegangen\,\nDie goldnen
  Sternlein prangen\nAm Himmel hell und klar.\nDer Wald steht schwarz und
  schweiget\,\nUnd aus den Wiesen steiget\nDer weiße Nebel wunderbar.\n
 \nWie ist die Welt so stille\,\nUnd in der Dämmrung Hülle\nSo traulich
  und so hold!\nAls eine stille Kammer\,\nWo ihr des Tages Jammer
 \nVerschlafen und vergessen sollt.\n\nSeht ihr den Mond dort stehen? –
 \nEr ist nur halb zu sehen\,\nUnd ist doch rund und schön!\nSo sind wohl
  manche Sachen\,\nDie wir getrost belachen\,\nWeil unsre Augen sie nicht
  sehn.\n\nWir stolze Menschenkinder\nSind eitel arme Sünder\,\nUnd wissen
  gar nicht viel.\nWir spinnen Luftgespinnste\nUnd suchen viele Künste\,
 \nUnd kommen weiter von dem Ziel.\n\nGott\, laß uns dein Heil schauen\,
 \nAuf nichts Vergänglichs trauen\,\nNicht Eitelkeit uns freun!\nLaß uns
  einfältig werden\,\nUnd vor dir hier auf Erden\nWie Kinder fromm und
  fröhlich seyn!\n\nWollst endlich sonder Grämen\nAus dieser Welt uns
  nehmen\nDurch einen sanften Tod!\nUnd\, wenn du uns genommen\,\nLaß uns
  im Himmel kommen\,\nDu unser Herr und unser Gott!\n\nSo legt euch denn\,
  ihr Brüder\,\nIn Gottes Namen nieder;\nKalt ist der Abendhauch.
 \nVerschon’ uns\, Gott! mit Strafen\,\nUnd laß uns ruhig schlafen!\nUnd
  unsern kranken Nachbar auch!\n\nÜberleitung\n\nIm Vorfeld dieses
  Gottesdienstes sagte jemand salopp zu mir\, statt sich an so einem Abend
  in der Kirche Bilder vom Mond anzuschauen und ein Gedicht über den Mond
  anzuhören\, gehe er lieber in den Wald und schaue das Original an.\n
 \nDieselbe Thema bringt der deutsche Schriftsteller Franz Fühmann in
  einem Text über das Abendlied zur Sprache:\n\n„Die Abendstille kann
  unzweifelhaft ein bewegendes Erlebnis sein\, ein jeder von uns hat das
  erfahren\, allein es ist nicht einzusehen\, dass man dieses Erlebnis
  durch ein Gedicht statt durch die Natur selber erneuern sollte.“ (154)
 \n\nWenn man dem Stadtqualm entrinnen wolle\, sagt Fühmann weiter\, wäre
  es doch eigentlich näherliegend\, dass man in den Wald geht als in die
  Bibliothek – oder eben in die Kirche.\n\nDoch dann kommt Fühmann in
  einem langen\, tiefschürfenden Essay zur Einsicht\, dass Kunst – sei
  es Musik\, sei es Malerei\, sei es Poesie – etwas zu leisten imstande
  ist\, was die unmittelbare Naturbetrachtung so nicht leisten kann.\n
 \nKunst\, ich sage das jetzt verkürzt und hoffentlich verständlich\,
  schafft eine Verbindung von der äusseren mit der inneren Welt\, der
  Seele\, von „Menschenaussen und Menscheninnen“\, wie Fühmann
  schreibt\, Kunst schafft „die Verschränkung dessen\, was sowohl
  draussen wie drinnen ist\, von physischen wie von psychischen
  Realitäten.“ (nach 198f.)\n\nDas Triptychon hier vorn ist nicht
  einfach das Abbild des Monds draussen\, sind nicht Kopien des Originals\,
  das man besichtigen könnte\, wenn man nur aus der Kirche raus gehen
  würde.\n\nViktor Hottinger hat mir erzählt\, dass vor zehn Jahren seine
  Frau Käthi\, erst sechzigjährig\, gestorben sei:\n\n„Danach habe er
  zwei Jahre lang nichts mehr in die Hand genommen\, keinen Pinsel\, kein
  Kornett. Doch dann sagte etwas in ihm: «Jetzt musst du einfach!»
  «Bilder aus dem richtigen Leben» lautete der Titel der viel beachteten
  Ausstellung in der Rheinfelder Johanniterkapelle\, mit der er 2019 in die
  Öffentlichkeit zurückkehrte.“ \n\nIm Zentrum jener Ausstellung stand
  eben dieses Triptychon zum «Abendlied»:\n\n„Eine Zeile war es\, die
  Viktor Hottinger damals\, beim Tod seiner Frau\, besonders berührte –
  «und unsern kranken Nachbarn auch». Auch wenn Käthi\, Mutter seiner
  beiden Söhne und die Liebe seines Lebens\, für ihn mehr war als ein
  Nachbar: Die Zeile wirkte tröstlich.“\n\nWas Viktor Hottinger mir da
  erzählt hat – und was so im
  https://www.ref-rheinfelden.ch/bericht/1611 nachzulesen ist –\, das
  lässt einen ahnen: Dieses Triptychon\, das ist viel mehr als die
  Abbildung einer Landschaft mit Mond draussen. In diesen Bildern ist
  Liebe\, ist gemeinsame Lebensgeschichte\, ist Abschied\, sind all die
  damit verbundenen Emotionen hineingemalt.\n\n„Menschheitssubstanz“
  ist da hineingemalt\, um es mit dem schon erwähnten Schriftsteller Franz
  Fühmann zu sagen:\n\n„Je mehr Menschheitssubstanz erfahrener Welt in
  ein Kunstwerk eingegangen ist\, um so grösser ist seine Mächtigkeit.
  Hier liegt der Grund\, warum Kunst nicht auf Befehl herbeischaffbar ist:
  Dort\, wo die Substanz der Erfahrung fehlt\, hilft auch der beste Wille
  nicht weiter.“\n\nDoch\, sagt Fühmann weiter\, auch das Umgekehrte
  gilt: Es kann etwas ganz und gar Individuelles\, Persönliches\, wenn es
  aus dieser „Menschheitssubstanz erfahrener Welt“ geschaffen ist\, zu
  einer „Menschheitsaussage“ wachsen. Und wenn andere das dann sehen
  oder hören oder lesen\, dann denken sie: Dieser Komponist\, diese
  Dichterin\, dieser Maler hat mir aus der Seele gesprochen. SO IST ES;
  Fühmann schreibt:\n\n„SO IST ES – man hat es ja schon immer
  gewusst\, es hat einem auf der Seele gebrannt\, nur konnte man’s nicht
  in Worte fassen\, darum hat der Menschenbruder\, hat die
  Menschenschwester für einen gesprochen\, und siehe… man könnte es
  nicht einfacher sagen\, aber eben darum auch gültiger nicht.“ (198)\n
 \nDiese Worte von Franz Fühmann scheinen mir in besonderem Mass für das
  „Abendlied“ von Matthias Claudius zu gelten: „Man könnte es nicht
  einfacher sagen\, aber eben darum auch nicht gültiger.“ Es gilt für
  diese letzte Zeile von unfassbarer Schlichtheit und Tiefe: „und unseren
  kranken Nachbarn auch“\, es gilt für die erste Strophe\, es gilt für
  das ganze Gedicht\, für das ganze Abendlied. Singen wir es!\n\nLied:
  „Der Mond ist aufgegangen“ (599\, 1-7)\n\nPredigt\n\nDas Abendlied
  von Matthias Claudius ist das bekannteste deutsche Gedicht überhaupt\,
  bekannter noch als „Wandrers Nachtlied“ und der „Erlkönig“ von
  Johann Wolfgang von Goethe.\n\nDas ist nicht nur gefühlt so\, das lässt
  sich auch an Zahlen zeigen (Andreas Mauz). Es gibt eine statistische
  Auswertung von zweihundert deutschsprachigen Gedichtsammlungen\, die das
  nachweist. Den Dichterfürsten Goethe dürfte das im Grab noch plagen –
  er verachtete Claudius\, bezeichnete ihn als „Narren und
  Einfaltspinsel“ («Narr[en]“ „voller Einfaltsprätensionen»).\n
 \nGoethe ist mit seinem Urteil nicht allein. Matthias Claudius war
  zeitlebens ein Aussenseiter\, den Theologen war er zu poetisch\, den
  Literaten war er zu fromm\, hier und dort eine Randfigur (nach Beutel).
  Treffend hat ihn der grosse Schriftsteller der Romantik\, Joseph von
  Eichendorff\, beschrieben als einen\, „der zwischen Diesseits und
  Jenseits unermüdlich auf- und abgeht“.\n\nDieses „Auf- und Abgehen
  zwischen Diesseits und Jenseits“ zeigt sich schön in unserem
  Abendlied. Schon dieser Titel\, „Abendlied“\, der auf Matthias
  Claudius selber zurückgeht – schon dieser Titel bezeichnet ein
  Dazwischen:\n\nEin Abendlied ist einerseits ein Volkslied\, andererseits
  ist es religiöse Dichtung. Das Abendlied von Matthias Claudius ist ganz
  früh schon (von Johann Gottfried Herder) in eine zeitgenössische
  Sammlung von Volksliedern aufgenommen worden – bezeichnenderweise hat
  man dabei allerdings die fünfte und die sechste Strophe weggelassen\,
  also jene Strophen\, in denen Gott direkt angesprochen wird und sich das
  Gedicht in ein Gebet verwandelt.\n\nDas war nicht im Sinn von Matthias
  Claudius\, der sich\, wie eingangs erwähnt\, bewusst auf das Lied von
  Paul Gerhardt bezogen hat: „Nun ruhen alle Wälder“. Damit machte
  Claudius deutlich: Für ihn ist das Abendlied wesentlich ein religiöses
  Lied.\n\nAlso: schon bei dieser Überschrift\, dieser Gattungsbezeichnung
  „Abendlied“ befinden wir uns am Rand\, auf der Grenze\, in einem
  Zwischenbereich.\n\n„Zwischen Licht“\, mit dieser schönen
  Formulierung beschreibt Viktor Hottinger die blaue Stunde\, diese Zeit\,
  wo es nicht mehr Tag ist und noch nicht Nacht. Die Zeit „zwischen
  Licht“ ist die Zeit des Abendlieds.\n\nIch möchte mich in zwei
  Gedankengängen zwei der drei Strophen des Abendlieds zuwenden\, die hier
  vorn auf dem Triptychon stehen – mit der dritten (Cliffhanger!)
  befassen wir uns dann bei der Finissage 😊.\n\nGehen wir zur ersten:\n
 \nDer Mond ist aufgegangen\,\nDie goldnen Sternlein prangen\nAm Himmel
  hell und klar.\nDer Wald steht schwarz und schweiget\,\nUnd aus den
  Wiesen steiget\nDer weiße Nebel wunderbar.\n\nMan bezeichnet diese erste
  Strophe in der Literaturwissenschaft als „Natureingang“. Es ist die
  Schilderung einer Landschaft\, die wir alle schon gesehen haben. Ganz
  leise aber deutet sich in dieser Landschaft ein Änedraa an\, ein
  Jenseits mitten im Diesseits.\n\nDer geheimnisvolle Nebel\, der
  aufsteigt\, könnte ein Hinweis sein auf diese Transzendenz. Und dann das
  Wort „wunderbar“ ganz am Schluss der Strophe.\n\nUnd wenn wir uns
  tiefer in die poetische Struktur des Gedichts hinein versenken\, dann
  sehen wir: Das „Abendlied“ ist in sogenannten Schweifreimen
  geschrieben. Die ersten beiden Zeilen reimen sich: „aufgegangen“ –
  „prangen“. Ebenso bilden die vierte und die fünfte Zeile einen Reim:
  „schweiget“ – „steiget“. Die dritte Zeile aber\, die bleibt in
  der Schwebe – auf „klar“ reimt sich zunächst nichts. Es bildet
  einen Schweif\, einen Bogen hin zu „wunderbar“ am Schluss der
  Strophe. Dadurch entstehen zwei Teile in dieser Strophe à je drei
  Zeilen\, zwei sogenannte Terzette.\n\nHören wir noch einmal das zweite
  Terzett:\n\nDer Wald steht schwarz und schweiget\,\nUnd aus den Wiesen
  steiget\nDer weiße Nebel wunderbar.\n\nIn diesem zweiten Teil senkt sich
  der Blick des Dichters\, wendet sich der Erde zu; klanglich sind die
  Zeilen zusammengehalten durch viele W’s: Wald\, Wiesen\, weiss\,
  wunderbar; besonders eindringlich ist die Doppelung „schwarz und
  schweiget“. Die Szene ist gemalt in sogenannt unbunten Farben\, im
  Kontrast von schwarz und weiss (schwarzer Wald\, weisser Nebel).\nGehen
  wir noch einmal zurück zum ersten Terzett\, den ersten drei Zeilen:\n
 \nDer Mond ist aufgegangen\,\nDie goldnen Sternlein prangen\nAm Himmel
  hell und klar.\n\nDer Blick hebt sich\, der Mond geht auf\, hell am
  Himmel stehen die Sterne. Nicht schwarz\, sondern golden ist ihre Farbe\,
  und die Farbe des Hintergrunds am Himmel ist Indigo. Bei all seinen
  Mond-Bildern\, hat Viktor Hottinger mir erzählt\, habe er kein Schwarz\,
  sondern\, eben\, Indigo verwendet\, das er dann mit anderen Buntfarben
  zur gewünschten dunklen Tönung vermischte.\n\nEs ist ein deutlicher
  Kontrast zwischen dem ersten und dem zweiten Terzett\, zwischen Mond und
  Wald\, zwischen Himmel und Erde.\n\nDieser Gegensatz lässt einen ahnen\,
  dass es bei dieser ersten Strophe um mehr geht als um eine
  Naturbetrachtung. Dem Blick hoch zum Himmel\, dem öffnet sich\,
  „wunderbar“\, der Blick ins Änedraa\, man wird hineingenommen in
  diese Bewegung des Auf- und Abgehens zwischen Diesseits und Jenseits\,
  die ich vorher erwähnt habe.\n\nWieder also bewegen wir uns auf einer
  Grenze\, wieder befinden wir uns im Übergang. Symbol dieses Übergangs
  ist der Mond. Er ist\, wie es in einem Kommentar schön heisst\, das Tor
  zur „Geheimnisseite der Welt“. „Jenseits des Mondes ist alles
  unvergänglich“\, hat Matthias Claudius selber einmal gesagt.\n\nSeht
  ihr den Mond dort stehen? –\nEr ist nur halb zu sehen\,\nUnd ist doch
  rund und schön!\nSo sind wohl manche Sachen\,\nDie wir getrost
  belachen\,\nWeil unsre Augen sie nicht sehn.\n\nDiese Strophe steht auf
  dem mittleren Bild des Triptychons. Ich dachte zunächst\, es sei etwas
  merkwürdig\, dass im Gedicht von einem Halbmond die Rede ist („er ist
  nur halb zu sehen“) und auf dem Bild ein Vollmond leuchtet.\n\nDoch als
  ich dann die Kommentare zum „Abendlied“ las\, stellte ich fest\, dass
  Viktor Hottinger Matthias Claudius richtig verstanden hat: „Nur halb zu
  sehen“ ist der Mond für uns nicht\, weil Halbmond ist\, sondern weil
  uns die Rückseite des Monds verborgen bleibt. Ob Voll- oder Halb- oder
  Leermond – unabhängig vom Mondstand sehen wir sowieso immer nur die
  uns zugewandte Seite des Monds.\n\nEs gibt sie aber\, die dunkle Seite
  des Monds\, die Rückseite der Wirklichkeit\, es gibt das Änedraa\, das
  Verborgene\, das Unsichtbare. Und dieses Unsichtbare ist die eigentlich
  wahre Wirklichkeit. Der Apostel Paulus sagt in einem Spitzensatz: „Das
  Sichtbare ist vergänglich\, das Unsichtbare aber ist ewig.“\n\nDer
  Mond mit seiner sichtbaren und seiner verborgenen Seite schafft den
  Übergang\, den Zugang zum Ewigen. Eben\, wie Matthias Claudius schreibt:
  „Jenseits des Monds ist alles unvergänglich.“\n\nZeitgenossen haben
  von Matthias Claudius gesagt\, er sei „ein Mensch voll Mondlicht“
  gewesen\, habe „immer Mondschein im Herzen“ getragen.\n\nIn jungen
  Jahren hat er geradezu Liebeserklärungen an den Mond geschrieben:
  „Stille glänzende Freundin\, ich habe Sie lange heimlich geliebt“\,
  heisst es in einem dieser Liebesbriefe.\n\nInteressanterweise sieht
  Matthias Claudius den Mond also weiblich\, wie das die biblischen
  Sprachen auch tun\, hebräisch und griechisch\, und auch die romanischen
  Sprachen. Dort ist der Mond die luna\, und die Sonne ist der sol\,
  männlich.\n\nDie Luna schafft Zugang zur Nacht und damit verbunden zum
  Unbewussten\, zu den Bereichen\, die C.G. Jung Schatten nennt. Im Lied
  von Paul Gerhardt\, das wir vorher gesungen haben\, heisst es: „Wo bist
  du\, Sonne\, blieben\, die Nacht hat dich vertrieben\, die Nacht\, des
  Tages Feind.“ Die Nacht ist bedrohlich\, die Auferstehung ereignet sich
  am Morgen\, Ostern bedeutet Aurora\, Sonnenaufgang\, die Sonne ist im
  Christentum Symbol für Jesus Christus und Licht ist die Substanz Gottes.
 \n\nDoch Matthias Claudius\, dieser Grenzgänger\, dieser Aussenseiter\,
  wendet sich der Luna zu\, taucht ein ins Dunkel\, dort\, wo es still
  wird\, ganz still. „Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung
  Hülle so traulich und so hold\, als eine stille Kammer\, wo ihr des
  Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.“ Eine ruhige Nacht
  wünsche ich uns. Bhüet eus\, Gott!\n\nKontakt: Pfr. Andreas Fischer\n
 \nWeitere Infos: https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/17318
SUMMARY:"... weil unsre Augen sie nicht sehn" - Abendgottesdienst mit
  Finissage der "indigo"-Ausstellung
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