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LOCATION:Kirchgemeindehaus Kaiseraugst\, Kraftwerkstrasse 8\, 4303
  Kaiseraugst
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DESCRIPTION:»Der Glaube\, das Vertrauen auf Gott\, ist etwas ganz
  Einfaches... Er ist wie ein Schritt\, den wir tausendfach von neuem tun\,
  ein Leben lang\, bis zum letzten Atemzug.«\n(Frère Roger Schutz\,
  Pfarrer\, Gründer und langjähriger Prior von Taizé)\n\nIn diesem Geist
  der Einfachheit feiern wir monatlich einmal Gottesdienst – mit Gebet\,
  Stille und den typischen\, mehrfach\, mehrsprachig und mehrstimmig
  gesungenen Taizé-Liedern.\n\nMit Pfr. Andreas Fischer und Jutta Wurm\n
 \nZum Thema:\n\nSeit Monaten befasse ich mich mit einem Vers aus dem
  Römerbrief des Apostels Paulus:\n\n„Seid fröhlich in der Hoffnung\,
  geduldig in der Trübsal\, beharrlich im Gebet!“ (Röm 12\, 12)\n
 \nDabei sind u.a. eine Abdankungsansprache\, eine Sitzungseinleitung\, ein
  Meditationsimpuls sowie untenstehende Predigt entstanden. Was es noch zu
  vertiefen gilt\, ist der dritte Teil\, die „Beharrlichkeit im Gebet“.
  Es erinnert an das „Gebet ohne Unterlass“\, welches – wie der
  zeitgenössische Meditationslehrer Niklaus Brantschen nicht ohne Humor
  schreibt\, „aus dem Herzen strömt\, ungehindert von allen
  Widerwärtigkeiten\, sei es Ungeziefer oder seien es störende
  Gedanken“.\n\nIn dieses Herzensgebet vertiefen wir uns in der
  Taizé-Feier.\n\n---\n\n„Seid fröhlich in der Hoffnung\, geduldig in
  der Trübsal\, beharrlich im Gebet!“: Predigt über Röm 12\, 12\n\nSo
  lautet der Trauspruch\, den Jürg Fahrni einst Susi und Urs Wullschleger
  mit auf den Eheweg gegeben hat. Der Spruch steht\, mit akkurater
  Handschrift geschrieben\, vorne drin in der Traubibel.\n\nDer Spruch
  steht im Römerbrief des Apostels Paulus – es ist dort der Vers 12 im
  Kapitel 12.\n\nWas mein verehrter Vorvorgänger und erster Pfarrer von
  Kaiseraugst damals zu dem Vers sagte\, ist nicht überliefert.\n
 \nIndessen steht bei mir im Bücherregal ein Kommentar zum Römerbrief\,
  den ich aus dem Fundus von Jürg Fahrnis Bibliothek geerbt habe.\n\nDer
  Kommentar stammt von Ernst Gaugler\, der einst christkatholischer Pfarrer
  hier im Fricktal und später Professor für christkatholische Theologie
  in Bern war.\n\nDer Kommentar ist\, wie man sieht\, ziemlich
  zerfleddert\, was damit zusammenhängt\, dass ich oft darin lese und in
  meinen Predigten immer mal wieder daraus zitiere.\n\nAuch zu Röm 12\, 12
  schreibt Gaugler interessante Dinge\, auf die ich mich gern beziehe\,
  wenn ich nun meinerseits ein paar Worte zu eurem Trauspruch sage:\n
 \n«Fröhlich in der Hoffnung\, geduldig in der Trübsal\, beharrlich im
  Gebet» – das ist ein «schöner Dreiklang» (Althaus)\, geeignet\,
  einen wirklich durch das ganze Leben\, durch alle Höhen und Tiefen
  hindurch zu begleiten.\n\n«Seid fröhlich in der Hoffnung.»\n\nDie
  Hochzeit von Susi und Urs fand am 29. März 1969 statt – es war\,
  übrigens\, die allererste Trauung in diesem Kirchenraum. Letztes Jahr
  haben Susi und Urs das 55-jährige Hochzeitsjubiläum gefeiert\, die
  sogenannte Platin-Hochzeit.\n\n«20’089 Tage zusammen\n482’156
  Stunden der Liebe\n28'929’418 Minuten des Lachens\n1'735'765’084
  Sekunden der Freude» –\n\nso heisst es auf einer Urkunde\, die seit
  der Platin-Hochzeit im Hause Wullschleger hängt; es bringt auf
  humorvolle Weise etwas von der «Fröhlichkeit in der Hoffnung» zum
  Ausdruck.\n\nFröhlichkeit\, Hoffnung – das sind Worte\, die wir
  positiv konnotieren\, sie wecken\, anders als Trübsal und
  Beharrlichkeit\, positive Gefühle.\n\nIn diesem Zusammenhang sei
  erinnert an die erfrischenden Gedanken\, die der zeitgenössische
  anglikanische Priester Matthew Fox äusserte: Am Anfang des
  Christentums\, sagt er\, stehen nicht Sünde und Gnade\, Schuld und
  Erlösung.\n\nAm Anfang steht der grosse Segen\, der über jedem
  Menschenkind und allen Wesen ruht.\n\nAm Anfang steht die Via Positiva\,
  die Fox mit der lustigen Überschrift versieht: «Du sollst dich täglich
  mindestens dreimal verlieben». Das muss einen nicht in Konflikt bringen
  mit dem Ehegelübde. Man kann sich nämlich täglich dreimal in die
  eigene Frau verlieben. Oder\, sagt Fox weiter\, «in eine Galaxie» - von
  denen gibt es Billionen; wir werden auf dem Sterbebett «ziemlich viele
  unberührt hinterlassen».\n\n«Oder wir könnten uns in einen Stern
  verlieben\, von denen es allein in unserer Milchstrasse zweihundert
  Billionen gibt. Oder in eine blühende Pflanze\, derer es auf diesem
  Planeten mindestens zehntausend Arten gibt. Oder in eine Vogel-\,
  Fisch-\, Baum- oder sonstige Pflanzenart… Würden wir uns wöchentlich
  in eines der Werke Mozarts verlieben\, so hätten wir sieben glückliche
  Jahre vor uns. Wie können wir uns da jemals langweilen?»\n\nSo fragt
  Matthew Fox und weist uns den Weg auf die Via Positiva.\n\nDoch dann:\n
 \n«In dem Moment\, in dem man erkennt\, dass den Menschen\, den man
  liebt\, die Kraft zum Leben verlässt\, … wird alles still» ----\n\nso
  heisst es auf der Todesanzeige von Susi Wullschleger.\n\nVor ein paar
  Wochen\, am Samstag\, 19. Juli\, ist Joanna Macy gestorben. Macy war
  US-Amerikanerin\, Dozentin für Systemtheorie und Religionswissenschaft
  sowie Friedens- und Ökoaktivistin. Sie starb in Berkeley in
  Kalifornien\, im 97. Lebensjahr.\n\nJoanna Macy ist für mein Leben und
  Denken einer der inspirierendsten Menschen\, denen ich begegnet bin. Ich
  habe ihre Bücher verschlungen und durfte ihr auch einmal begegnen\, in
  einem Seminar\, das wir mit ihr im Fernblick durchführten\, dem
  Bildungshaus in Teufen im Appenzell\, in dem Jutta und ich in unseren
  vorletzten Leben tätig waren.\n\nEin zentrales Element von Joannas
  Teaching ist die Despair-Work\, die Verzweiflungsarbeit. Das\, ähm\,
  klingt zunächst nicht nach Hoffnung. Doch ich bitte\, im Sinne des
  Paulus\, um «Geduld».\n\nHoffnung\, wenn sie als frommes Wort – gern
  von Pfarrherren wie mir – in den Mund genommen wird\, kann aus der
  Sicht von Joanna Macy eine Form von Verdrängung sein.\n\nMan will nicht
  sehen\, was ist\, und vertröstet sich und andere auf den St.
  Nimmerleinstag. Hoffnung als Opium für das Volk. Man will dem Grauen
  nicht in die Augen schauen.\n\nDoch genau das sollten wir\, sagt Joanna.
 \n\nDenn die Verdrängung lähmt uns\, lässt uns erstarren in einem
  Panzer von Selbstschutz. Verdrängung schneidet uns ab von Informationen
  und Ressourcen\, die wir für echtes Engagement brauchen.\n\n«Das
  Kreuz\, an dem Jesus starb»\, schreibt Joanna Macy\, die sich sonst mehr
  dem Buddhismus verbunden fühlte\, «das Kreuz lehrt uns\, dass Erlösung
  und Erneuerung durch die Offenheit für den Schmerz der Welt zu finden
  sind».\n\nDaraus zieht sie radikale Folgerungen: Bei der
  Verzweiflungsarbeit\, sagt sie\, gilt es gerade\, «in Stücke zu
  gehen». Denn dieses Zerbrechen ist in Wahrheit «das Aufbrechen einer zu
  klein gewordenen Schale»\, es ist «Vorbedingung jedes Wandels.» (39)\n
 \nJoanna schreibt:\n\nHäufig werden Bilder der Hoffnung zu früh gemalt\,
  und dann wirken sie wie der Ruf nach schnellen Lösungen lähmend…
  Manchmal braucht es in der langsamen Alchimie der Seele eine Weile\, bis
  sich die Hoffnung meldet\, und noch länger\, bis sie in konkreten
  Plänen und Projekten Gestalt annimmt. Und das ist gut so… T.S. Elliot
  schrieb einst: ‘Ich sage meiner Seele: Sei still und warte ohne
  Hoffnung\, denn Hoffnung wäre Hoffen des Falschen.’»\n\nAn diesem
  Punkt steigt eben die Geduld auf:\n\n«Seid geduldig in Trübsal»\, sagt
  Paulus.\n\nAn diesem Punkt bei der Predigtvorbereitung in der vergangenen
  Nacht brauchte es tatsächlich «Geduld». Das\, was ich jetzt zu sagen
  versuche\, ist etwas kompliziert. Doch es ist\, finde ich\, sehr
  interessant:\n\nWenn wir den Spruch mit Hoffnung und Geduld hören\,
  denken wir\, es sei ein Sinnspruch\, der sich als guter Vorsatz zum
  Beispiel für ein neues Jahr eignet. Wir denken\, Hoffnung und Geduld\,
  das seien Qualitäten\, die wir Menschen aufbringen\, wenn wir uns nur
  darum bemühen. Doch Paulus sieht das anders:\n\nVermutlich kennen die
  meisten den Spruch im Hohelied der Liebe: «Was bleibt\, sind Glaube\,
  Hoffnung\, Liebe\, diese drei». Hoffnung ist also\, wie die Liebe\,
  etwas\, das bleibt. Und das bedeutet: Hoffnung ist eigentlich keine
  zeitliche\, sondern eine ewige\, es ist keine menschliche\, sondern eine
  göttliche Qualität.\n\nDasselbe gilt für die Geduld. An einer Stelle
  spricht Paulus vom «Gott der Geduld». Auch die Geduld ist in der Tiefe
  also keine Qualität meines Willens\, meines Egos\, sondern eine
  göttliche Qualität. Auch die Geduld ist keine Leistung\, sie ist
  Geschenk\, sie hat ihren Ursprung in Gott.\n\nUnd schliesslich\, und das
  ist besonders erstaunlich\, gilt dasselbe auch für das Gebet: «Wir
  wissen nicht\, was wir beten sollen»\, sagt Paulus\, «doch der
  göttliche Geist tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern».
  Nicht wir sind es also\, die beten\, es ist Gott selber!\n\nSeid
  fröhlich in der Hoffnung\, geduldig in der Trübsal\, beharrlich im
  Gebet!\n\nDieser Dreiklang klingt zunächst wie ein guter Vorsatz\, den
  man sich am Anfang eines neuen Jahrs nimmt. Und das ist er auch\, aber
  nicht nur. Der Dreiklang weist hinab in die Tiefen des dreieinen Gottes\,
  aus denen wir Atemzug für Atemzug leben\, an jedem Tag\, in jedem
  Augenblick:\n\nHoffnung\, Geduld\, Gebet – das sind allesamt göttliche
  Qualitäten\, die sich in uns und durch uns inkarnieren\,
  materialisieren\, manifestieren wollen\, in unserem je eigenen Leben und
  durch uns hindurch in der Welt.\n\nZum Schluss noch dies:\n\n«Seid
  beharrlich im Gebet!»\, heisst der dritte Teil des Dreiklangs unseres
  Verses.\n\nDieses Gebet\, schreibt Ernst Gaugler in seinem Kommentar\,
  sei ein «Gebet ohne Unterlass». Man bezeichnet es auch als
  «Herzensgebet». Es meint nicht\, dass man den ganzen am Beten sei und
  vor lauter Beten das Schaffen vergisst. Sondern dass alles\, das ganze
  Leben\, alles\, was man tut\, jeder Atemzug Gebet sei.\n\nUnd das\,
  scheint mir\, hat Susi Wullschleger gelebt\, in der Gestaltung ihrer
  berühmten Karten. Diese Sorgfalt und Hingabe\, «Geduld» und
  «Beharrlichkeit»\, stelle ich mir vor\, ist die Art von Gebet\, die
  Paulus meint.\n\nDie letzte Karte\, die Susi gestaltete\, ist jene\, die
  als «letzter Gruss» auf der Todesanzeige abgedruckt war. Sie zeigt
  einen altaischen Mohn. Es sei Susis Lieblingspflanze gewesen\, und wer
  weiss\, haben mir die Angehörigen gesagt\, vielleicht war es eine
  Vorahnung von ihrem baldigen Sterben\, die Susi dazu gebracht hat\, eben
  diese Pflanze als Motiv zu wählen. Was im Begleittext über den Mohn
  steht\, ist\, hat man den Eindruck\, wie die Beschreibung der Früchte
  des Gebets:\n\n«Der altaische Mohn\, insbesondere in der spirituellen
  Tradition\, wird mit Wandel\, Übergang\, Transformation in Verbindung
  gebracht. Er steht für den Kreislauf des Lebens\, den Tod und die
  Wiedergeburt. Mohn symbolisiert auch das Unbewusste\, die Träume\, den
  Zugang zu tieferen\, spirituellen Wahrheiten. Und auch Erholung und
  Entspannung.»\n\nAll das ist es\, was in der Seele wächst\, wenn man
  betet\, «beharrlich betet»\, wie Paulus sagt. Beten wir also\,
  beharrlich. Ich wünsche uns allen\, dass sich uns dieser Zugang zu
  «tieferen\, spirituellen Wahrheiten eröffnet. Ich wünsche uns\, heute
  am Sonntagmorgen\, «Erholung und Entspannung». Bhüet eus\, Gott! Amen.
 \n\nSonntag\, 10. August 2025\nAndreas Fischer\n\n\n\n\nKontakt: Pfr.
  Andreas Fischer\n\nWeitere Infos:
  https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/16167
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