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LOCATION:Kirchgemeindehaus Robersten\, Roberstenstrasse 22\, 4310
  Rheinfelden
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DESCRIPTION:Mit Olena Rybiy\, Dozentin Uni Basel\n\nSie kämpft um die
  Zukunft\n\nDr. Olena Rybiy ist eine Lehrbeauftragte an der
  Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel im
  Fachbereich Politikwissenschaft. Seit 2022 wohnt die Ukrainerin in
  Rheinfelden. \n\nIhre Studien- und Forschungsdomaine hat in den letzten
  zwei Jahren ungewollt einen kometenhaften Anstieg von öffentlichem
  Interesse verzeichnet. Jede der abgefilmten Yale-Vorlesungen des
  Osteuropahistorikers Timothy Snyder zur Geschichte der Ukraine wurde vor
  einem Jahr im Schnitt eine halbe Million Mal angeklickt\, was eine
  sagenhafte Reichweite für eine akademische Veranstaltung bedeutete. Aber
  Putins gross angelegte Invasion war nicht der Anfang von Rybiys Interesse
  für Politik. \n\nSie ist ein Kind der unabhängigen Ukraine – erzählt
  die junge Wissenschaftlerin\, die eigentlich nicht als jung bezeichnet
  werden will. «Ich bin bereits 39»\, klärt sie mich auf. Im zarten
  Alter von 6 Jahren verfolgte sie bereits intensiv die ersten
  Parlamentswahlen in ihrem Land. Sie beriet dabei ihre Eltern. Die kleine
  Olena hatte das Gefühl\, bereits anhand der Fotos auf den Wahlplakaten
  sagen zu können\, was die abgebildete Person «wert ist». Und die
  Eltern vertrauten ihrem politischen siebten – durchaus kritischen –
  Sinn. «Viele erwachsene und ältere Leute waren tendenziell naiv»\,
  erinnert sich die Politikwissenschaftlerin an ihr damaliges Bauchgefühl.
  Ihr Wunsch war\, objektiv und vorurteilsfrei denken zu können. Dazu
  wollte sie die Geschichte tiefer kennenlernen und sie als
  Universitätsfach studieren. Sie schwenkte aber auf Politikwissenschaft
  um.\n\nWarum? «Ich war auch auf der Suche nach einer richtigen
  Herausforderung. Die Politik-Wissenschaft war damals eine ganz neue
  Disziplin in der postsowjetischen Ukraine. Eine grosse Unbekannte. Und
  ich wollte mir nicht nur Wissen aneignen. Mein Ziel war\, etwas zu tun\,
  was einen Unterschied ausmacht\, etwas\, was das Leben der Menschen
  verbessern kann.»\, führt Rybiy aus. Ich frage sie\, wie sie damals das
  Leben der Ukrainerinnen und Ukrainer verbessern wollte. Ging es um den
  Wohlstand? Oder vor allem um Freiheiten? «Materiell habe ich in meiner
  Kindheit nichts vermisst\, obwohl wir objektiv gesehen wenig hatten. Ich
  trug als Mädchen die ausgetragenen Kleider meines zwei Jahre älteren
  Bruders. Das störte mich gar nicht. Und als mein Vater uns Kaugummis aus
  Bulgarien brachte\, war das ein Highlight.»\, erzählt Olena Rybiy. «In
  vielen Gesprächen hörte ich über Ungerechtigkeiten und Missmanagement.
  In meinen 20ern las ich viele Zeitungen und Bücher. Das Internet war
  noch nicht als Informationsquelle zugänglich. Aber ich sah\, dass die
  Privatisierung des Staatseigentums zu vielen Auswüchsen führte. Es
  entstand eine Klasse der Oligarchen. Wirtschaftskriminalität florierte.
  Da lag noch viel Arbeit vor uns.» \n\nDie Aufgabe\, die Rybiy und ihre
  Mitstudenten und viele Gleichgesinnte sahen\, war ohne politischen Kampf
  nicht zu erfüllen. Und dazu gab es immer wieder Gelegenheit. Die
  Geburtswehen der unabhängigen Ukraine sind im Westen vor allem durch die
  Namen der grossen Protestbewegungen bekannt. Die Orange Revolution als
  Reaktion auf den Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen 2004. Neun
  Jahre später brachen monatelange Proteste bekannt geworden als
  Euromaidan aus. Auslöser war der plötzliche Rückzieher von Präsident
  Janukowitsch und die Weigerung\, politische Abkommen mit der
  Europäischen Union zu unterzeichnen\, was zweifelsohne auf Druck
  Russlands geschah. \n\nDiese Proteste erlebte Olena Rybiy live vor Ort
  und sie war Teil davon. Ein Engagement unter Lebensgefahr\, wie es sich
  herausstellte. Die damalige Studentin Rybiy hatte in dieser Geburtsstunde
  einer neuen Zivilgesellschaft die Aufgabe\, zusammen mit anderen die
  Verwundeten vor dem Zugriff der Sicherheitskräfte zu schützen\, denn
  diesen drohte Verhaftung ungeachtet ihres Zustands. Die Monate auf dem
  Maidan-Platz waren eine Grenzerfahrung. Sie schweissten Fremde zusammen
  zu einer Solidargemeinschaft. Rybiy benutzt die Begriffe «powerful
  experience\, inspiring Spirit». Manchmal frage ich die Frau\, die mit
  Russisch als Muttersprache aufwuchs und dann aus patriotischen Gründen
  zu Ukrainisch wechselte\, nach der Originalvokabel. Ihre Geschichte
  erzählt sie mir aber in einem fliessenden Englisch. \n\nEnde Mai 2022
  nahm sie einen Auftrag für ein Projekt der Universität Zürich an und
  kam in die Schweiz. Später folgte eine Lehrbeauftragung der Uni Basel.
  «Es war eine harte Entscheidung\, den Mann in der Ukraine
  zurückzulassen. Ich besuche ihn aber seither 3–4-Mal pro Jahr zusammen
  mit unseren Töchtern und wir bleiben ständig im Kontakt. Schliesslich
  geht es uns auch um die Sicherheit unserer Kinder.» Und sie ergänzt:
  «Es sind schon so viele Menschen\, auch meine Bekannten gestorben. Einer
  war ein Student von mir.» Ob die Reisen in die Ukraine nicht ein zu
  grosses Risiko sind? «Es ist ein Risiko\, aber wir sind gegen die Angst
  immunisiert. Wenn ein Alarm kommt\, wissen alle\, was zu tun ist. Man
  macht es einfach».\n\nGefragt nach ihrem Bezug zum Glauben sagt Rybiy:
  «Ich wuchs in einer nicht-religiösen Familie auf\, meine Eltern waren
  Ingenieure in Kiew und bekannten sich zum Glauben an die Wissenschaft\,
  wie es in der Sowjetunion weit verbreitet war. Seit ich einen religiösen
  Mann aus dem Westen der Ukraine geheiratet habe\, begann ich mich für
  Theologie zu interessieren und beschloss\, jeden Sonntag die ukrainische
  griechisch-katholische Kirche zu besuchen. In der Schweiz besuche ich
  manchmal die ukrainische Liturgie in Basel oder Zürich\, arbeite aber
  auch Teilzeit als Sakristanin in der Römisch-Katholischen Kirche in
  Rheinfelden.\n\nDr. Olena Rybiy wird am 15. März einen Vortrag in
  Rheinfelden halten. Welchen Titel wünscht sie für diesen Vortrag\,
  frage ich sie. «Vielleicht: Wir kämpfen um die Zukunft»\, meint sie.
  Und sie erklärt: «Es geht um die Zukunft unserer Kinder\, Zukunft der
  Ukraine\, aber auch um die Zukunft Europas. Das könnte unsere letzte
  Chance sein.»\, fügt sie nachdenklich hinzu.\n
 \nGesprächsaufzeichnungen von Leszek Ruszkowski\n\nVortrag: Fr. 15.
  März\, 19.30 Uhr\, Ref. Kirchgemeindehaus Roberstenstrasse 22 in
  Rheinfelden\, Eintritt frei\, Kollekte.\n\n \n\n\nKontakt: Pfr. Leszek
  Ruszkowski\n\nWeitere Infos:
  https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/14956
SUMMARY:Eine Politologin spricht über ihr Land Ukraine: Geschichte\,
  Gegenwart und Perspektiven
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