BEGIN:VCALENDAR
PRODID:-//kirchenweb.ch gmbh//veranstaltungsausgabe v2.0//DE
VERSION:2.0
METHOD:PUBLISH
BEGIN:VEVENT
DTSTART:20240929T171500Z
DTEND:20240929T181500Z
LOCATION:Kirchgemeindehaus Kaiseraugst\, Mühlegasse 13\, 4303 Kaiseraugst
TRANSP:OPAQUE
SEQUENCE:0
UID:14486-veranstaltung@ref-rheinfelden.ch
DTSTAMP:20240924T204729Z
DESCRIPTION:In Fabeln denken\, reden\, handeln Tiere und Pflanzen\, als
  wären sie Menschen. Und am Schluss der Fabel steht eine Moral\, die
  tatsächlich nicht der Flora und Fauna\, sondern dem Homo sapiens gilt.\n
 \nEine solche Fabel steht auch in der Bibel. Es ist die sogenannte
  Jotam-Fabel im 9. Kapitel des Buchs der Richter im Alten Testament (Ri
  9\, 8-15; Text siehe unten). Der grosse jüdische Religionsphilosoph
  Martin Buber (1878-1965) bezeichnet sie als «die stärkste
  antimonarchische Dichtung der Weltliteratur«.\n\nDie Fabel erzählt\,
  dass die Bäume einen König suchen. Ölbaum\, Feigenbaum und Weinstock
  lehnen dankend ab. Sie erfreuen mit ihren Früchten Menschen und Götter.
  Sie haben null Interesse\, ihre je eigenen sinnvollen Aufgaben für ein
  seltsames\, sinnloses Amt aufzugeben.\n\nDieses Amt wird mit einem
  merkwürdigen Wort beschrieben als ein «Wiegen» über den Bäumen. Das
  entsprechende hebräische Wort im Urtext meint das Torkeln von
  Betrunkenen und das Umherirren von Orientierungslosen. Nein\, die drei
  wichtigsten Kulturpflanzen haben Wichtigeres zu tun.\n\nNun wenden sich
  die Bäume mit ihrem Anliegen dem Dornbusch zu. Dieser lädt ein\,
  Zuflucht zu suchen in seinem Schatten. Der Schatten\, der im Süden
  lebensspendend\, lebenserhaltend ist. Und der\, biblisch gesprochen\, den
  Schutz symbolisiert\, welchen Gott selber all seinen Wesen gewährt: Im
  Schatten von Gottes Flügeln sind wir geborgen.\n\nDie Worte des
  Dornbuschs sind purer Zynismus. Ein Dornbusch spendet keinen Schatten\,
  kann es nicht\, ist unfähig dazu. Der Dornbusch ist\, im Gegensatz zu
  den drei anfangs Angefragten\, ein Nichts-Nutz.\n\nDass eben er es ist\,
  der König wird\, macht nachdenklich. Wenn es tatsächlich einen König
  unter den Bäumen gäbe\, müsste es nicht die «Zeder des Libanon»
  sein\, dieser würdevolle Baum auf dem Gipfel der Berge\, welchen gemäss
  den Psalmen Gott selber gepflanzt hat? Doch eben diese Zeder droht der
  Dornbusch mit seinem Feuer zu verzehren (V. 15).\n\nUnd weiter: Muss es
  überhaupt einen König geben? Ölbaum\, Feigenbaum und Weinstock
  jedenfalls bräuchten ihn nicht. Sie sind zufrieden\, ruhen in sich\,
  wissen\, was sie zu tun haben und tun ihre Arbeit gern.\n\nOtto
  Schäfer\, doktorierter Theologe und Biologe\, langjähriges Mitglied der
  «oeku – Kirchen für die Umwelt» und inzwischen pensionierter
  Pfarrer\, schreibt in seiner grossartigen Auslegung der Jotam-Fabel:
  «Die Lektion lautet: Macht als Macht ist destruktiv\, sie zerstört
  alles Leben\, sogar das Leben dessen\, der sie trunken schwankend
  ausübt.»\n\nDiese Einsicht aktualisiert er in Bezug auf das
  https://oeku.ch/aktuelle-schoepfungszeit/\, den dramatischen Verlust von
  Biodiversität:\n\n«Ich will König sein\, sprach der Homo sapiens\,
  eine Art unter so vielen\, von denen jede ihre Würde\, ihren Platz\,
  ihre Vernetzung\, ihren vielfältigen Nutzen hat: Macht – mit Geld\,
  die so vieles zerstört und sich selbst zerstört. König zu sein
  gebührt aber nur Gott…»\n\n---\n\nDie Jotam-Fabel (Richter 9\, 8-15):
 \n\n8 Die Bäume gingen hin\, um einen König über sich zu salben.\n\nUnd
  sie sprachen zum Ölbaum: Sei du König über uns!\n9 Der Ölbaum aber
  sprach zu ihnen: Soll ich mein Fett aufgeben\, mit dem man Götter und
  Menschen ehrt\, und hingehen\, um mich über den Bäumen zu wiegen?\n\n10
  Da sprachen die Bäume zum Feigenbaum:\nKomm du\, werde du König über
  uns!\n11 Der Feigenbaum aber sprach zu ihnen: Soll ich meine Süsse
  aufgeben und meine köstliche Frucht und hingehen\, um mich über den
  Bäumen zu wiegen?\n\n12 Da sprachen die Bäume zum Weinstock:\nKomm du\,
  werde du König über uns!\n13 Der Weinstock aber sprach zu ihnen: Soll
  ich meinen Wein aufgeben\, der Götter und Menschen fröhlich macht\, und
  hingehen\, um mich über den Bäumen zu wiegen?\n\n14 Da sprachen alle
  Bäume zum Dornbusch:\nKomm du\, werde du König über uns!\n15 Und der
  Dornbusch sprach zu den Bäumen: Wenn ihr wirklich mich salben wollt\,
  damit ich König über euch bin\, kommt und sucht Zuflucht in meinem
  Schatten!\nWenn aber nicht\, wird Feuer ausgehen vom Dornbusch und die
  Zedern des Libanon verzehren.\n\n\n\nKontakt: Pfr. Andreas Fischer\n
 \nWeitere Infos: https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/14486
SUMMARY:Bäume haben keinen König: Abendgottesdienst zum Abschluss der
  Schöpfungszeit
PRIORITY:5
X-MICROSOFT-CDO-IMPORTANCE:1
CLASS:PUBLIC
END:VEVENT
END:VCALENDAR
