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  Rheinfelden
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DESCRIPTION:Weg und Weinstock: Zwei ICH BIN-Worte im Sommer\n\nDie ICH
  BIN-Worte im Johannesevangelium gehören zu den bedeutendsten Worten der
  Bibel überhaupt. Mit einfach-wesentlichen Symbolen sagen sie\, wer Jesus
  Christus ist: das Brot\, die Tür\, das Licht. Und so weiter. Insgesamt
  sieben solche ICH BIN-Worte sind es. Sieben ist die Zahl der Vollendung.
 \n\nFür die Sommergottesdienste habe ich einen Mini-Predigtzyklus zu zwei
  dieser ICH BIN-Worte vorgesehen. Die erste Predigt vom Sonntag\, 19. Juli
  befasst sich mit: "ICH BIN der Weg und die Wahrheit und das Leben." (Joh.
  14\, 6) Sie kann unten nachgelesen werden.\n\nAm kommenden Sonntag\, 26.
  Juli werde ich mich „ICH BIN der Weinstock – ihr seid die Reben“
  zu:\n\n„ICH BIN der Weinstock\, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt
  und ich in ihm\, der bringt viel Frucht\, denn ohne mich könnt ihr
  nichts tun.“ (15\, 5)\n\nBild- und Sachhälfte bei diesem Vergleich
  sind nicht deckungsgleich. Anders als Pflanzen können wir Menschenkinder
  nämlich entscheiden. Wir sind frei.\n\nIn einem Kommentar heisst es:
  „Wie sollten die Reben\, wenn sie es denn könnten\, so töricht sein\,
  ihren  Weinstock zu verlassen\, sodass sie ihrer Bestimmung nicht mehr zu
  entsprechen vermögen\, nämlich Frucht zu bringen?“\n\nOb das auch
  für mich gilt?\n\n---\n\nHerzliche Einladung zum Gottesdienst! Und zu
  der kleinen Reihe während der Sommerferien! Sie wird begleitet durch ein
  https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/10284\, in dem wir uns
  jeweils mittwochs um 14 Uhr per Zoom über die Texte austauschen. Der
  Prediger erhofft sich davon jeweils Inspiration für seine Kanzelreden
  :-)\n\n---\n\n"ICH BIN der Weg und die Wahrheit und das Leben": Predigt
  zu Joh. 14\, 6\n\nEinleitung:\n\nEigentlich ist „ich bin“ ja eine
  Allerweltsformulierung\, alltäglich\, unauffällig. Den Eindruck hat man
  zunächst auch an den Stellen\, wo „ich bin“ im Johannesevangelium
  begegnet. Zum Beispiel dort\, wo sich Jesus im Garten Getsemani
  gegenüber den Schächern outet:\n\n„Er sagte zu ihnen: Wen sucht ihr?
  Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagt zu ihnen: ‚Ich bin
  es‘“. (18\, 4f.)\n\nDas scheint zunächst eine einfache
  Identitätsaussage zu sein. Doch dann\, im nächsten Vers\, wird man
  hellhörig:\n\n„Als er nun zu ihnen sagte: Ich bin es!\, wichen sie
  zurück und fielen zu Boden.“\n\nDas ist\, gelinde gesagt\, eine
  überraschende Reaktion. So reagieren in der Bibel die Menschen im
  Anblick des lebendigen Gottes. Als der Prophet Jesaja Zeuge einer
  Theophanie im Tempel wird\, ruft er entsetzt aus:\n\n„Wehe mir\, ich
  bin verloren! … Meine Augen haben Adonai Zebaoth gesehen!“ (Jes. 6\,
  5)\n\nStiller fällt die Reaktion des Mose aus\, als ihm Gott erscheint
  im Dornbusch\, der brennt\, aber nicht verbrennt:\n\n„Da verhüllte
  Mose sein Angesicht\, denn er fürchtete sich\, zu Gott hin zu
  blicken.“ (Ex. 3\, 6)\n\nDarauf fragt Mose die Gottheit nach ihrem
  Namen. Die Antwort der Gottheit lautet: „Ich bin\, der ich bin“\, im
  hebräischen Urtext: „Ehje ascher ehje“. Man hört die klangliche
  Nähe zum Namen Gottes: JHWH. Der Name ist eine verkürzte Form der
  Formel: „ICH BIN DER ICH BIN“.\n\nWenn Jesus im Johannesevangelium
  sagt: ICH BIN\, dann bringt er damit sein göttliches Wesen zum Ausdruck.
  Dann erscheint in ihm Gott.\n\nDas ist der Grund\, warum die Schächer im
  Garten Getsemani zurückweichen und zu Boden stürzen: Vor ihnen steht
  Gott.\n\nAus dieser göttlichen Dimension heraus kann Jesus auch den
  paradoxen Satz sprechen: „Ehe Abraham war\, BIN ICH“. „Ehe Abraham
  war – ICH BIN“\, lautet der Satz in der ursprünglichen Wortstellung.
  Da wird deutlich\, Jesus Christus ist von der Kategorie der Zeit nicht
  begrenzt. Er ist gestern\, heute und in Ewigkeit.\n \nIn dieser
  göttlichen Autorität spricht Jesus auch das ICH BIN-Wort\, mit dem wir
  uns heute befassen. Es steht im Johannesevangelium\, Kap. 14\, Vers 6.\n
 \nWir hören es und singen anschliessend ohne weitere Ankündigung ein
  Lied\, das das Motiv des Weges aufnimmt: „Vertraut den neuen Wegen“
  bei 843\, wir singen alle drei Strophen.\n\nLesung:\n\nJesus sagt:\nIch
  bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater\, es
  sei denn durch mich.\n\nLied: „Vertraut den neuen Wegen“ (843\, 1-3)
 \n \nPredigt:\n\nVertreibung aus dem Paradies\, Auszug aus Ägypten\,
  Wanderung durch die Wüste\, Weg ins Exil\, Heimkehr nach Jerusalem usw.
  – in der Bibel sind die Menschen immer auf dem Weg.\n\nAm Anfang der
  Geschichte des Volks Israel spricht Gott zu Abraham:\n\n„Geh aus deinem
  Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das
  Land\, das ich dir zeigen werde.“ (Gen. 12\, 1)\n\nUnd auch Jesus\, der
  das geheimnisvolle Wort sprach: „Ehe Abraham war\, bin ich“ – auch
  Jesus lebt im gleichen Geist. Auch er ist zeitlebens auf dem Weg. Schon
  pränatal\, „als ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging\, dass alle
  Welt geschätzt würde“ – schon damals war er\, unter dem Herzen
  Marias unterwegs von Nazareth nach Bethlehem\, der Stadt Davids. Kaum war
  er zur Welt gekommen\, flohen seine Eltern mit ihm vor den Schergen des
  Herodes nach Ägypten. Später\, als Wanderprediger\, schildert er seinen
  way of life mit den Worten:\n\n„Die Füchse haben Höhlen\, und die
  Vögel haben Nester\, ich aber habe keinen Ort\, wo ich mein Haupt
  hinlegen kann.“ (Lk. 9\, 58)\n\nSchliesslich ging er den Weg nach
  Golgota. Indessen war der Weg ans Kreuz\, wie sich nach seinem Tod
  zeigte\, nicht sein letzter. Posthum erschien er als Auferstandener
  seinen Jüngerinnen und Jüngern\, die berühmteste Ostergeschichte
  erzählt\, wie er zwei seiner Freunde auf dem Weg nach Emmaus begleitete.
  Und auch als er ihren Blicken entschwand\, ging der Weg weiter\, immer
  weiter.\n\nAn einer Stelle in der Apostelgeschichte (9\, 2) werden die
  Christinnen und Christen „Menschen des Wegs“ genannt. Sie sind
  Anhängerinnen und Anhänger dessen\, der von sich selber sagte: „ICH
  BIN der Weg“. \n\nDiese Menschen haben den Weg gleichsam
  verinnerlicht\, „sie haben hier keine bleibende Stadt“\, wie es im
  Hebräerbrief heisst\, „sie suchen die zukünftige“. Ihr Vorbild im
  Glauben ist Abraham\, von dem es\, wiederum im Hebräerbrief\, heisst:\n
 \n„Im Glauben brach Abraham auf\, ohne zu wissen\, wohin er kommen
  würde. Im Glauben wanderte er aus ins Land der Verheissung\, ein Land\,
  das ihm fremd war\, und wohnte in Zelten.“ (Hebr. 11\, 8f.)\n\n---\n
 \nMensch des Weges zu sein\, bedeutet ein Glaubender zu sein. Glauben
  meint nicht\, etwas für wahr zu halten. Sondern\, und nun zitiere ich
  Rudolf Bultmann\, den bedeutendsten Neutestamentler des letzten
  Jahrhunderts:\n\n„Glaube ist:\n•	Zerbrechung aller menschlichen
  Massstäbe und Wertungen\,\n•	Preisgabe von Scheinsicherheit und
  Lebenslüge\,\n•	Bereitschaft\, aus dem Unsichtbaren und Unverfügbaren
  zu leben“ (nach Theologie 422)\n\nMensch des Weges zu sein\, Glaubender
  zu sein\, bedeutet also gerade nicht\, dass ich sicher bin\, die
  Orientierung habe\, den Weg weiss\, über den Glauben verfüge als eine
  Art Besitz. Es ist genau umgekehrt: Glauben bedeutet\, Sicherheiten
  loszulassen\, die Anhaftung an Besitz\, Leistung\, Karriere\, all das\,
  was das Ego ausmacht.\n\nDie Zeit\, in der wir leben\, dieser Verlust an
  Selbstverständlichkeiten\, diese Verunsicherung und Ungewissheit\, diese
  Unmöglichkeit zu planen\, dieses Nicht-Wissen\, wie es weitergeht\, mit
  mir selber\, mit den Menschen\, die mir nahe sind\, mit der Gemeinde\,
  aber nicht nur\, auch global\, menschheitlich\, mit unserem Planeten\,
  diese wachsende Ahnung\, how fragile we are\, wie zerbrechlich das Leben
  ist --- die Zeit\, in der wir leben\, ist geeignet\, sich in diesem
  Glauben zu üben.\n\nGlauben bedeutet\, im Geist offen und weit und leer
  zu werden. Was dann geschieht\, das deutet sich in den beiden weiteren
  Worten an\, die Jesus ausspricht:\n\n„Ich bin die Wahrheit und das
  Leben“.\n\nDie grosse jüdische Philosophin Simone Weil (1909-1943)
  sagte:\n\nEs gibt „Wörter\, die in sich die Kraft haben zu erleuchten
  und zum Guten zu erheben. Das sind jene Wörter\, denen eine absolute und
  für uns unbegreifliche Vollkommenheit entspricht. Die Kraft der
  Erleuchtung sitzt in diesen Wörtern selbst. Das\, was sie ausdrücken\,
  ist unvorstellbar. ‚Gerechtigkeit‘ und ‚Liebe‘ sind solche
  Wörter.“\n\nUnd eben auch „Wahrheit“ und „Leben“. Es sind
  Worte\, die in eine andere Welt weisen oder umgekehrt aus einer anderen
  Welt stammen. Aus der Welt Gottes.\n\n„Wahrheit“ und „Leben“ sind
  Worte aus der Ewigkeit\, dem Änedraa\, der himmlischen Welt\, sie
  gehören zum Haus des Vaters\, in das Jesus zurückkehrt\, bald nachdem
  er diese Worte ausgesprochen hatte.\n\nDie Situation ist die folgende:
  Jesus ist zum letzten Mal zusammen mit seinen Jüngern. Er sagt ihnen\,
  dass er weggehen werde. Einer der Jünger fragt ihn\, wohin er gehe\, und
  welches der Weg sei.\n\nDarauf gibt Jesus die Antwort: „Ich bin der Weg
  und die Wahrheit und das Leben.“\n\nMan fragt sich\, wie die drei Worte
  zusammengehören. Man könnte sagen\, der Weg führe hin zu Wahrheit und
  Leben\, die also das Ziel seien. Doch Weg und Ziel sind in den Worten
  Jesu nicht voneinander getrennt (Bultmann 468). Beide sind eins.\n\nUnd
  das bedeutet: Wahrheit und Leben wohnen nicht\, jedenfalls nicht nur in
  einem fernen\, unzugänglichen Himmel. Sie sind hier und jetzt im Weg
  drin anwesend\, sie sind zur Erde herabgestiegen im Wort\, das Fleisch
  geworden\, in Gott\, der Mensch geworden ist\, im ICH BIN von Jesus
  Christus.\n\n---\n\nWas meint nun dieser Satz: „Niemand kommt zum
  Vater\, es sei denn durch mich“?\n\nMeist wird er im Sinn eines
  Absolutheitsanspruchs des Christentums verstanden. In einem Kommentar
  heisst es:\n\n„Keine anderen Erlöser\, Gesandten und Offenbarer wissen
  den himmlischen Weg und führen zum Vater.“ (Schulz)\n\nEin anderer
  Kommentator schildert die z.T. entsetzlichen Konsequenzen:\n\n„Die
  gnadenlose Behauptung und rigorose Durchsetzung des Absolutheitsanspruchs
  hat\, zum Beispiel\, zu Zwangstaufen der spanischen Juden und
  öffentlichen Verbrennung der Ketzer zur Ehre Gottes geführt.“ (Thyen)
 \n\nDoch mir scheint\, wir sollten dieses „Niemand kommt zum Vater\, es
  sei denn durch mich“ anders verstehen – und zwar ausgehend auf der
  simplen Beobachtung\, dass Jesus diese Worte ja nicht in einem
  Streitgespräch mit anderen Religionen bzw. religiösen Lehrern sagt.
  Sondern zum innersten Kreis seiner Jünger. Wer\, wenn nicht sie glaubt
  an ihn als den Meister und Messias!\n\n„Niemand kommt zum Vater\, es
  sei denn durch mich“ meint nicht Jesus im Gegensatz zu den Pharisäern
  und Schriftgelehrten\, dem Kaiser oder dem berühmten antiken Magier
  Simon. Auch nicht im Gegensatz zu Mohammed\, Buddha\, Sai Baba\, Amma und
  wen es sonst noch an Religionsgründern und Gurus geben mag.\n
 \n„Niemand kommt zum Vater\, es sei denn durch mich“ nimmt vielmehr
  Bezug auf das\, was Jesus in seinem Leben verwirklicht hat. Nämlich die
  totale Transparenz\, die totale Durchsichtigkeit seines Lebens\, seiner
  Worte und Werke für Gott. (De la Potterie) Jesus ist der Mensch ohne
  Ego\, sein eigenes ICH BIN und das ICH BIN Gottes sind eins geworden.\n
 \nDaran gilt es zu „glauben“ – in dem Sinn\, wie Bultmann den
  Glauben beschreibt:\n\n„Zerbrechung aller menschlichen Massstäbe und
  Wertungen\, Preisgabe von Scheinsicherheit und Lebenslüge\,
  Bereitschaft\, aus dem Unsichtbaren und Unverfügbaren zu leben“ (nach
  Theologie 422).\n\nDieses Unsichtbare und Unverfügbare ist nichts
  anderes als Gott. Für Gott transparent werden\, durchsichtig werden wie
  Jesus\, das bedeutet glauben. Wenn ich als „Mensch des Weges“ den WEG
  tief\, immer tiefer verinnerliche\, wenn mein ICH BIN dem ICH BIN Jesu
  näher kommt\, immer näher – dann\, glaube ich\, komme ich zum Vater.
 \n\nAuf dem Weg dorthin behüte uns der\, der Weg\, Wahrheit und Leben
  ist. Amen.\n\n\n\nKontakt: Pfr. Andreas Fischer\n\nWeitere Infos:
  https://www.ref-rheinfelden.ch/veranstaltung/10283
SUMMARY:"Ich bin der Weinstock" - Gottesdienst der Gesamtgemeinde
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